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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 1.

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Sigmund von Birken^) schreibt 1668:

Zur Zeit der fränkischen Könige, wann ein Edlerzu Krieg zöge, führte er einen stählern polirten Schild,oder einen hölzernen, mit weisser Birkener Kinde (zuLatein Liher genannt, worauf man vorzeiten zu schrei-ben pflage) überzogen: gleich als wann sie hierdurchzu besclireibungs-würdigen Thaten sich hätten anmah-nen wollen. Dieser Schild wäre leer und unvermahlet,WS solang der Besitzer eine dapfre That begienge: so-dann wurde ihm ein Gemahl in den Schild verehret,gleichwie bey den Römern Kränze ausgetbeilt wurden.Unter andern bekäme der, so in der Schlacht viel Feindezu boden gelegt, einen Löwen in den Schild, und einPaar Püffelshörner auf den Helm: weil er Muht undLeibesstärke eingewendet. u

Erasmus JFruncisei J ) äussert 1670 folgende Meinungüber den Ursprung der Wappen:

Meines einfältigen Bedünckens hat Gott selbstdazu den ersten Anlass gegeben, vermittelst der Sinn-und Fürbilder, deren, im alten Testament, hin und wie-der gedacht wird ....

Sonst haben die alten Kömer, bey unsren uraltendeutschen schon gewisse Wapen und Merckzeichen ge-funden . . . Jedoch seynd sothane Wapen nicht 'aufUnsere heutige Manier, da man oft gantze Thiere, Vö-gel, zuweilen auch wol Felder, Aecker und Gebäu da-rein schildert, gebildet worden: sondern nur allein vonblossen Farben, welche Kauten-förmig unterschieden,nnd miteinander umwechselten. Dergleichen Wapennian noch, auf den heutigen Tag. in Teutschland findetUnd wegen solcher einfältigen Farben für die aller-alteste hält. Man schauet zweyerley Farben darinn:nemlich schwartz und weiss: weiss und rot, schwartzUnd gelb; weiss und blau; oder andre Colören zusam-men gepart. Denn die Farben müssen mit Verstandgewählt werden: angemerckt sich nicht alle zusammen-knicken. Man trifft etliche Wapen, so man anjetzoKauten nennet, und auch solche Figur haben: etliche,Welche Balek^en heissen, und gemeinlich nur in zweyer-' e y Farben bestehen, also, dass zween weisse ainenstrich einschliessen; oder zween rote einen goldgelbenzween blaue einen weissen; oder umgekehrt, zweenSchwartze einen weissen, und so ferner. Welchen Wa-pen darum der Kuhm des ältesten Adels gegeben wird,w .eil nicht zu zweiffein, dass dergleichen unsere heid-nische Alt-Vätter, an ihren Heer-Köcken geführt, undzwar in solchen Ländern, die nahe mit Italien grentz-' e n, trugen die Teutsche sothane Wapen-Farben, vonJ*°W und Silber gewirckt; da sie sonst, an andrenputschen Orten, wenig oder nichts schier von diesem"offärtigen Metall wüsten."

~ Paul Winckler, ein namhafter schlesischerSchriftsteller schreibt ca. 1676 in seiner SchriftderEdelmann": 3)

1) Spiegel der Ehren des Höchstlöblichsten Kayser-u nd Königlichen Ertzhauses Oesterreich. Erstlich vor* e hr als C Jahren verfasset durch den Wohlgebornenft errn Herrn Johann Jacob Fugger . . - nunmehr* ber auf Korn. Kays. Maj . . . Befehl aus dem Original5 e .u-üblicher umgesetzet . . . durch Sigmund vonßir ken. Nürnberg 1668 S. 26.

2 ) Neu-polirter Geschieht- Kunst- und Sitten-Spie-« fel ausländischer Völcker, fürnemlich der Sineser, Ja-paner, Indostaner etc. etc dem Schau-begierigen Leserabgestellt von Erasmo Francisci Nürnberg. Inv erleg Un g Johann Andreae Endters und Wolfgang desungern Seel. Erben. Anno M.DCLXX. (fol. 1550 Seiten).j , 3) Dieselbe ist zu verschiedenen Malen aufgelegt.

0,1 nahe folgende Auflage benutzt:

Bey welcher Materie sich denn allhier ein weitesFeld von der Wappen Ursprung und Unterschied, in-gleichen was dieses oder jenes Königreich, dieser oderjener Printz für Wappen führe, eröffnete, das aber alseine Sache, die eigentlich zur Herolds- oder so genann-ten Blasonnier-Kunst gehöret, viel Zeit erfordern würde.Dannenhero ich nicht mehr sagen woll, als dass derenUrsprung und .Gewonheit schon so alt sey, dass manfast nicht weiss, wo man ihren Urheber hersuchen solle,denn ob zwar etliche solches den Egyptern, und ihrerverblümten Schreibens-Art beylegen, so ist doch keinZweiffei, dass sie in dem Kriege ihren Anfang genom-men und derer Gebrauch so alt seye, dass man sie be-reits in dem Trojanischen Kriege und bey allen Völ-ckern befunden, diese nämlich die Trojaner führten eine

Saue, die Lacädemonier einen Köcher.......und

damit ich von unsern edlen Teutschen nicht zu langeaussen bleibe, diese in ihren Wappen, Balcken, Striche,Kauten und dergleichen, darvon aber niemand so ein-fältig seyn wird, dass sie selbige nur so überhin undohne Bedacht erwählet."

(Es folgt dann S. 311 eine Symbolik der Farben).

F. A. Graf von Brandis schreibt 1G78*) in sei-ner kostbaren tyroler Ausdrucksweise:

Bey den Griechen war nicht allein die Buchstäb-liche Bezeichnung, sondern auch in Schwung dass sogar die Mahler Pensl jhre Kriegsschiidt als Zeugen dessManlichen Armbs mit vilförbigen Strichen beschmuckten:woraus der jetztweilige Gebrauch der Wappen ent-sprungen."

Der Edelmann. Nürnberg In Verlegung ChristophBiegeis Anno 1697. (80. 810 S.)

Als Verfasser ist in dem Exemplare der BerlinerKgl. Bibliothek handschriftlich genannt: Paul Winck-ler herzogl. Oelsnischer Deputatus ad conventus publi-cos. Dieses Buch wird in der Bibliotheea AnonymianaNürnberg 1738 als ein rares angeführt.

Diess ist wohl diesinnreiche Satyre" desgelehr-ten Herrn vonTschirhausen", von welcher eine anonymeFlugschriftDer Kaufmanns - Adel. Untersucht voneinem unpartheyischen Rechts-Gelehrten. Frauckfurtam Mayn, bey Johann Friedrich Fleischer 1742" (40.32 S.) sehr schmeichelhaft sagt:

Dieses Buch, welches im J. 1696 zu Breslau in 8.heraus gekommen, hat sich seit dem sehr rar gemacht:es sind trefliche Sachen darinnen, und die Schreib-Artist so nett und lebhafft, dass man den Ausländern, wennsie unsere Sprache verstünden, dadurch beweisen könte,dass es auch beaux esprits, wie sie solche nennen, inTeutschland gäbe: Es ist zu verwundern, dass ein sogutes Buch nicht wieder aufgelegt wird, da diese Ehredoch so viel andern wiederfähret, die mit diesen nichtzu vergleichen sind."

Paul Winckler starb 1676, das Buch hat er wenigeJahre vor seinem Tode, von der Gicht geplagt, ge-schrieben.

4) Dess Tirolischen Adlers Imraergrünendes Ehren-Kräntzel, oder zusammen gezogene Erzehlung jenigerSchrifftwürdigsten Geschichten, so sich in den Zehennacheinander gefolgten Herrschungen der FürstlichenGraffschafft Tirol von Noe an, biss auff jetzige Zeit zu-getragen. Beschriben durch Frantz Adam Graffenvon Brandis, wohl-bemelter Fürstlichen Graffschafft TirolErb-Silber-Cammerern. (Gedruckt zu Botzen, bey PaulNicolaus Führer. Im Jahr 1678. 40. 2 Thle. (234 u.224 S.j.