Geschichte der Heraldik. IV. 1.
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Einen meines Wissens sonst nicht vorkommendenTerminus verwendet 1621 Hermann Fabronius in denReimen zu Wessel's hessischem Wappenbuch: die Schräg-stellung bezeichnet er treffend als lehnwärts, z. B.im Wappen der v. Löwenstein gen. Schweinsburg
Lehnwerthe Maur die Löwenstein
In jhrem Schildt führen übereinim Wappen der v. Stein zu Barchfeld
zwen Lehnbalken•m Wappen der v. Stockheim
Ein gelber Balck ist 1 e h n gelegt.Um so eifriger beschäftigen sich die Gelehrten mitder Geschichte des Wappenwesens. Da sie indess dieeigentlichen Quellen der Geschichte nicht kannten oderdoch nicht zu benutzen verstanden und da sie ausser-dem alle ähnlichen Erscheinungen mit den WappenVermischen. i i so konnte sich zwar eine wissenschaftlicheMeinung bilden, aber eine wirkliche Geschichte konntenicht geschrieben werden. Dem allgemeinen Zuge derZeit entsprach es, dass in den Erörterungen über denUrsprung des Wappenwesens unbefangen an Zuständedes Alterthums angeknüpft wurde. Auch bestätigt sichhierbei die Wahrnehmung, dass nirgends die Ueberlie-ferung unzuverlässiger ist, als auf dem Gebiete der Cul-turgeschichte ■ verhältnissmässig moderne Einrichtungena - B. die Unterscheidung zwischen adelichem (Spangen-)Und bürgerlichem (Stech-) Helm werden durch Zuständedes Alterthums zu erklären versucht.
Wir wollen um nur im Beispiel anzuführen, dieAusführungen des M. Bartholomäus Clamorin'*) Seniors
1) Ganz richtig bemerkt Rudolphi: so hat „dochdas Lateinische Wort Insiguia, welches die Scriptores«eraldici sehr oft zu gebrauchen pflegen einen weitgrösseren Inhalt, indeme es nicht allein dasjenige, was™j Schild und Helm bestehet, in sich begreifft, sondern"jWea, was bey heutiger Welt den Namen eines Ehren-mals führen . . . darf."
T 2) In der Vorrede seines Turnierbüchleins, dessen*Dhalt sich zumeist auf die Frankfurter Ausgabe des«•ixner'schen Tnrnierbuchs stützt. Den Schluss des^»ches bilden allerlei Beigaben, kaiserliche Einzüge,ein Verzeichniss von Beichstagen, endlich: „etliche Fürst-liche vud Adeliche Bitterspiel von den Chur vnd FürstenjW Sachsen gehalten auff Ehestiffungen, vnd sonst hohenPotentaten zu ehren gehalten, die fast den Thurnierenaouergleichen sind."
Bernd, welcher in seiner Schriftenkunde (I. S. 431)
*°n diesem Buche nur das Stichwort anführen konnte,
Hat die Frage offengelassen, ob Clamorin's Turnierbüch-
ein Wappen enthalte. Ich kann bestätigen, dass diess
"loht der Fall ist.
Der Titel des Werkchens lautet:
, {Eburnierbudjicin, <£'" nerocr Jlufoug, aus bem alten
^tiginal, »on 36 ölburtiicreu, pon Keyfer ßetnrtdjs bes
r rten 3cit an, 21nno 936 big auff Keyfer lTTarimilianum
en crfteit, roelcbcr regieret bat im ^87. 3 ar - ^ ud ? \ m ft
on joeyeii Httterfpiclen, bercr »on 21bel »nb anbercr £jer.
JJi. ©raffen »nb dürften mehr gehalten. Das evfte, 31»
Jpnfc in Brabant, Keyfer Carolo V. »nb feim 5ob,n pfji-
'PP°, bem prtnfeen in ßjspanien, fampt bem berrlicben
m 3uge 3u Brüffel, 3U eb.ren gehalten, im 3ar ^5^9, bas
2™ er > 3U rOicn m ©fterreieb, bem Keyfer ^erbmanbo 3U
S r «n angeftaft, »on König ITTarimiliano feinem Sobne, im
2™"" 1565. 2Tttt einem Xegifler bartnne ober 360 beubfaje
°*jn 2ftel berer (Sefcblecbte »nb Hamen erlebtet werben,
,e fte in ben alten (Eburnieren por 900 3aren gefunben
Bt^. en ' 3"fammen oerfaffet buraj M. BartkolomaeumCla-
7*>»nim. Drefjben 1590. (Kl. 4«. 130 S.) (Sebrurft 3U
•"^Böen buraj «hnel Bergen Anno MD.XC.
und Predicanten in Meissen 1590 über die Geschichtedes Wappenwesens folgen lassen:
„Alexander bestalte seine Kriegshändel, mit aller-ley Obersten Feldherren, die nante er Duces, Hertzoge,denen gab er zu Comites et Milites mit jhren Fähnlein,Farben vnd sonderlichen Wapen vnd kenne zeichen. InIndia aber ordnete er principe», daher kompt das wortprouincen die gölten Darinne regieren, Zinse, Zolle vnndandere Renten einkommen vnd gefelle einbringen , alsdie Obersten dess Landes, dieses trug järlich vber 100tausent Centner Goldes, die Duces führeten in jhrerFarbe zu jhrem Kriegeszeichen blaw vnd gelb*, die Co-mites rot vnd gelb, die Milites weiss vnd schwartz, dieprineipes gelb vnd braun, wie Danne noch solche man-cherley Farben führen, die edlen von der Bitterschafft,vnd wird solches hochgeachtet an jhren Helmen, Schil-den vnd Wapen.
„Diese vntersebiedliche Farben, haben auch jhresonderliche Bedeutungen, die sie in jhren Wapen füh-ren mit den Seidenen fechlen, so sie vmb jhre Helmevnd Schilde fliegen haben, damit der Adel gezieret ist,sonderlich von Alexandro Magno vnd dem Julio Cäsare,Erstlich, Himmelblaw bedeutet hnheit vnd getrewe Adel-keit, Goldgelbe weissheit und gerechtigkeit, das weissekeuschheit vnd reinigkeit, das rote liebe, straffe vndbarmhertzigkeit, veielbräun ein gutes geruchte vnd lin-digkeit, das grawe vnd grüne, hoffnung, bestendigkeit,zucht vnd erbarkeit.
„Nach der Regierung dess Alexandri Magni da Ju-lius Cäsar, Galliam, Hispaniam vnd ein gross theil Ger-maniam einbekommen hatte, ordnete er auss der Rönii-schen Bitterschafft vnd edlen seine Tribunos vber dieKriegsleute zu Fusse vnd vber die Reisigen Centuriones,vnd jedem theil einer der das Febulein mit dem Adlertrug oder führete die nennet man Aquiliferos oder Sig-niferos, die hatten Darneben jhre gewisse Farben vndzeichen, damit sie vnterschieden vnd zuerkennen, waren.
„Die zn Rosse führten jhre Schilde an der Brust, vnddie Helme auff den Köpffen mit besonderen SeidenenFarben und Fechelen, vnd in Schilden zu eine kenn-zeichen etwas sonderlichs von Schlangen, Vogelen undanderen Thieren, als Lewen, Greiffen, Bähreu, Wolffen,Füchsen, Hirschen vnd Trachen — — —
„Nach dem aber vnder den edlen zu Rom die aus-ser der Stadt vnd drinue wohneten, wegen ihres Stan-des , kleinoter, zierde vnd kenzeichen vnd alles fürzu-ges, hoheit vnd anderer befreyten gerechtigkeiten, einzwitracht vnd zanck entstanden, wurden die mit denoffenen Helmen vnd Wappen auff das Land hinaus ge-setzet, vnd verordnet zur Wehre vnd gleich zum schützwider die aussländischen Feinde vnd geheissen Nobiles,zu dem sie berechtiget, verehret vnd befreiet, alle dreyedle Kleinoter zu führen vnd gebrauchen, dadurch vor-mals ein vnterscheidt der stände gehalten vnd gemachtwar worden, vnter den fümembsten Personen in derStadt-Rom, gegen den plebeijs vnd geineinen Leutender Bürgerschaft, also wie folgen wird.
„Erstlich waren in Rom fürneme Personen, die tru-gen auff jhren Hütten, ein sonderlichen Seidenenfecheloder Schnur, zum kennezeichen, das sie weren auss demfürnembsten Stande der Regenten, dafür auch zu ehrenvnd halten als mit pflantzer vnd Vorsteher des gemei-nen nutzes der Stadt, die worden genant die geziertevnd verehrte.
„Die anderen die sich im Felde vnd Schlachten inZügen wider die Feinde tapffer verhalten vnd erzeigen,denen ward ein sonderlich Wappen in einem Schildegesetzet, mit Farben vnd einem Zeichen geben vonLewen, Bären, Fischen, Vögeln vnd anderen Thierengenommen, diese wurden genant die gewapneten.
„Die Dritten weil sie wie jene, mit dem Schildt