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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 1.

Caspar Lerch v. Dürmstein sagt 1628:

„Ferner ist zu wissen, bey Ausstheil: Acquirir:undZierung uralter Ritterlicher Helm, Schildt und Wapffen,diese denckwürdigkeit sich befindet, dass ein sonderbaresGemerck der Farben in Ordnung gehalten, und jedeFärb nach ihrer Bedeutung den Wapffen einverleibt,und Gelb und Weiss vor die vornehmsten gebrauchtworden, Inmassen unter viel Tausenden Waffen keinszu finden, so nicht mit Gelb oder Weiss (an statt bey-der höchsten Metallen, als Gold oder Silber, quod orna-mentum et merces erat Armatorum et Equitum) gezieretund aufgericht gewesen: Sonsten aber wenig (wie desReichs Edlen Landtschafft von Steinach Wapffen) mitbeyden gemeldten Farben, begabt zu befinden seyn.Dann Gold, Weißheit, Begierd, Freud, vnd Trew be-deutet: Silber aber Unschuld, Reinigkeit, Redligkeitvnd Eloquentz zu erkennen gibt."

Paul Winkler 1676:

„Von Metallen brauchten sie nichts als Gold undSilber und nahmen sich nach dieser Blasonier-Kunstwol in acht, dass sie niemals ein Metall über das an-dere setzten."

Eine eigenartige Rangscala der Farben stellt Sig-mund v. Birken 1668 auf:

„Die Weisse ist unter den Farben die erste undältste: Dann sie ward am ersten erschaffen, da Gott imanfang der Schöpfung sagte: Es werde Hecht! Sie istdie vornehmste, weil sie ist die Farbe des Liechts, wel-ches alle andere Farben entdecket, und alle dinge sicht-bar machet. Sie ist die edelste, weil sie ist ganz reinund unbefleckt ... Sie ist gleichsam der Natur eigneHeroldsfarbe: immassen die Schönheit der natürlichenkörper in der Weisse bestehet . . . der Deutung nachist die weisse Farbe ein Sinnbild, beydes der Tugendund Weissheit ....

„Die Rohte ist unter den Farben gleichsam dieFürstin und eine Majestätische Königs-Farbe gleichwieauch unter den Blumen die Rose Königin ist . . . Dastheure Purpur und Schneckenblut hat vor alters alleinder Könige und höchsten Weltgebietern Kleider gefär-bet: Dannenhero es ein Sinnbild der Majestät worden.Weil man aber diese Farbe, nicht allein von den Meer-schnecken, sondern auch vom Feind im Krieg zu holenpfleget: als wird durch sie anderweit die Heldendapfer-keit der Beschützere des Vatterlands .... angedeutetund vorgemahlet . . . ."

Da« ist augenscheinlich zur Verherrlichung desWappens üesterreich gesagt. Die behauptete Rang-folge steht aber auch im Widerspruche zu der Praxisder kaiserlichen Kanzlei, die vielfach Gold an Stelle vonSilber als Wappenbesserung verliehen hat.

Kaiser Friedrich III. giebt im J. 1467 den Gebrü-dern Peter Paul und Jacob Händl den Namen Han vonHannenberg:

„und die cleinet, so sy vnd ir voruordern bishergeprauchet und gefurt haben verendert, und den schiltder vor weifs gewesen ist, nun hinfür goldfarb zusein gecziret gepessert. . . ,"

So heisst es auch in dem Adelsdiplome des KaisersKarl V. d. d. Burgos in Castilien üO. März 1524 fürdie Gebrüder vom Broich, wie folgt:

„Und wiewol das Creutz im Schilt von einem an-dern geschlecht genant von dem Broich darein dandise vorgemelten vom Broich geheyrat, weiss oderSilber in gemeltem swartzem veld allein in einemschilt on einig zusatz fiirn, haben wir auss sonderngnaden dem vorgemelten doctor vom Broich und seinenbrudern alles von gedachter Irer wolschicklichkeit und

getrewen dienst wegen Ine das Creutz zu einerbesserung in gelb oder goltfarb verwandeltmit der zir des Adlers wie obstet verlyhen."

Noch bezeichnender ist der folgende Vorfall: Indem Heere vor Gent 1488 verlangten die Reichsstädteunter Führung von Strassburg von dem Kaiser Fried-rich III. ihr Fähnlein. Obgleich nach dem Zeugnissevon Rittern und Knechten ja selbst des Markgrafen vonBrandenburg, die vormals (der Städte Fähnlein gesehenhatten, dieses einem schwarzen (einfachen) Adler ineinem gelben Felde enthalten sollte, wollte doch derKaiser mit den Städten eine Neuerung vornehmen, undihnen einen schwarzen Adler im weissen Felde malenlassen. Die Städte empfandeu diess als Kränkungund beschlossen das weisse Fähnlein nicht zu führen.Dr Jacob Merswin aus Strassburg schrieb am 11. Juni1488 seinem Bruder:

„So ferre Jeder mynen synn hatt, ee Ich dan demRiche das fenlin mut wi lliglich und verächtlichHess abbrechen, ee Ritt Ich wiederumb, daher ich kom-men were unvertzogenlich." 2 )

Wir wissen nicht, wie dieser Streit ausgegangenist. Jedenfalls lag der von dem Kaiser vorgeschlage-nen Farben-Aenderung eine kränkende Absicht zuGrunde. —

Der Zweck und die Benützung der Beizeichenwird in der Zimmerischen Chronik (1564—1566) durchein Beispiel erläutert:

„Mit denen ansehenlichen und fürnemen freiherrenvon Bolanden, die vor jaren des römischen reichs erb-truchsessen gewest, hat es die mainung gehapt. Siehaben ain bruederthailung under inen gethon und ihreherrschaften partirt, dem eitern ist "Bolanden worden,dem andern Falkenstain, dem dritten Hochenfels seinalle am Dondersperg gelegen . . „ . Es haben die zwenfreiherren gebrueder von Bolanden nit allain sich iresangebornen namens Bolanden verzigen und andere na-men als Falkenstein und Hochenfels, angenommen, son-dern auch sie haben ain enderung im wappen getoffen-Bolanden ist ain weiss radt in eim blawen feldt unduf dem heim ain runder schurm, wie das wappen; dashat der elter a la chieff de la maison für sich und seinenachkommen sainpt dem hans Polanden vorbehalten.

„Falkenstain aber ist gewest das wappen Bolandenan ime selbs, iedoch an den dreien orten an iedem dreiguldiner kuglen und uf dem heim ein cronen, daraussein guldiner trackenkopf. Hohenfels ist der schilt denandern gleichförmig usserhalb fünf geler senfblettersein im wappen und uf dem heim ain weisses radt."

Caspar Lerch von Dürmstein (1628) schreibt da-gegen:

„So ist auch diese unsere teutsche Vor Eltern Ob-servantz zu gedencken, dass bey etlichen AdelichenFamiliis sich begeben, da einer oder ander in VehJeoder verbindliche Gesellschaft sich eingelassen, dass einBeyzeichen in sein Stamms-Schildt oder Helm ange-nommen und gesetzt hat, damit unter Adelichen Per-sohnen und deroselben Tugendt, Geschichten und Con-tracten, ein Unterschied erhalten werde, welches viel-feltig von den Primo genitis oder ältisten geschehen,davon Exempla in Dalbergischen, Flerssheimischen undanderer Geschlechter Wapffen, Epitaphiis und Sigilli»vielmahl ich etwan gesehen hab/

Gänzlich ungepflegt bleibt die Kunstsprache, — eSist das aber ein Zug, welcher der deutschen Wappen-wissenschaft bis in die neueste Zeit herein eigenthüm-lieh geblieben ist.

1) im Ehrenspiegel S. 173.

S. 43.

1) Jac. Wencker, dissertatio de Pfalburgeris et«.