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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 1.

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Hätte Bartolus von K. Carln IV. an statt desrothen Löwen mit zweigeteiltem Schwänze im goldenenFelde ein in weiss Schweinsleder gebundenes und mitgelben Buckeln und Gesperren starck beschlagenes Cor-pus Juris civilis, im schwartzen Felde, welches sich auchbesser für ihn geschickt hätte, zum Wappen bekommen,s o würde er der heraldischen schwartzen Farbe gewissgünstiger gewesen seyn, und nach seiner Weise, ausPinsterniss Licht gemacht haben" ').

Trotz alledem war Bartolus einer der ersten Rechts-gelehrten seiner Zeit, von grossem Einflüsse auf KaiserCarl IV und von einem mächtigen Einflüsse auf dieLiteratur seiner Mit- und Nachwelt. Die heraldischeDoctrin unseres Bartolus wirkt in der Fachliteraturbewusst und unbewusst etwa durch 350 Jahre nach.

So schreibt Erasmus Francisci imnenpolirtenGeschieht- Kunst-und Sitten-Spiegel" (Nürnberg 1670):»Nach Anleitung sothaner Herolds-Kunst, muss das^ordertheil der Thiere, oder andrer adlicher SchildGemählden, fürnehmlich aber in den Schilden derTournirenden, stracks gegen den Speer gerichtet seyn,also dass wie dasselbige fortrucket, sie ihm, als in einerNatürlichen Ordnung nachfolgen, als wenn es von ge-neldtem Thier geführet würde. Sonst möchte mansogar, das Thier würde mit Gewalt, durch das Speerhernach geschleppet. Darnach müssen solche Thiereauch aufrecht stehen und gleichsam in ihrer bestenStärke und ansehnlichsten Bewegung, darum der rechte*U8s vorgesetzet. An den Waffen und Decken muss,' w ie Garzon erinnert) das Vordertheil besagter Thiereallezeit nach der rechten Seite gestellet sein."

Ohne es zu wissen, pflügt hier Francisci gründlichm it dem Kalbe des Bartolus.

Auch Budolphi in seiner Heraldica curiosa erwähnt"fters Lehrsätze des Bartolus unter Berufung aufandere Autoren, die den Bartolus ausgeschrieben habente- B. Petrus de Andlo). Bei dem Satze, dass die Thiere»10 ihrer edelsten Wendung" darzustellen seien (einWörtliches Citat aus Bartolus) beruft er sich auf»vieler Autoren Meinung."

Endlich war auch der schottische Romanschrift-steller Walter Scott ein trefflicher Kenner unseres-Bartolus wie z. B. folgende Aeusserung des Baron Brad-Wardine (im Roman Waverley) beweist: (Die Reliquie)»stellt den Helmschmuck unserer Familie vor, einen«ären, und wie Ihr bemerken werdet, in aufrechterTeilung; denn ein guter Heraldiker bildet jedes Thierfeiner Natur gemäss ab, ein Pferd springend, einenWindhund laufend und ein reissendes Thier in actu^erociori, oder in einer gefrässigen, raubdürstigen,«höhenden Stellung. "-

. Nun gehen wir zu dem ältesten deutschen Schriftsteller über.

Johannes Bothe, von Kreuzburg an der Werragebürtig, ein Priester, begann seine Laufbahn als"tadtschreiber zu Eisenach, wo er demnächst Priester«es Marienstifts wurde; als solcher kommt er Urkund-en 1887 vor; 1394 ist er Vicar, 1418 Canonicus, 14228c holasticus. Er starb am 5. Mai 1434 J j.

Johannes Rothe verfasste wie Fedor Beck*)nachgewiesen hat den sogenannten Bitterspiegel,welcher in einer Papierhandschrift der Casseler Biblio-

1) Münzbelustigg. XXII. (1750)_S. 37.

2) Düringische Chronik des Johann Rothe herausgeg.J°n R. von Liliencron Jena 1859. (Thüringische Ge-"cuichtsquellen III).

3j Germania Vi, 45 ff.

thek erhalten ist, und den Karl Bartsch im Jahre 1860vollinhaltlich herausgegeben hat*;.

Karl Bartsch, der 1860 den Verfasser des Ritter-spiegels noch nicht kannte, war der Meinung, dass dieAbfassung des Gedichtes nicht vor den Anfang des15. Jahrhunderts zu setzen sei. Einen Anhaltspunktgewährt der Dichter selbst in folgenden Versen:4047 Uf daz ich ouch möge blibin

In miner jungin herin gunstinUnd der andirn miner frundeDen ich desin spigil schenke.Hieraus schliesst Fedor Bech, dass die Entstehungdes Gedichtesin die Zeit zwischen 1400 - 1402 gesetztwerden könne. Denn in diesem Jahre geschah es. nachRothes eigener Ueberlieferung (Düringische Chronik)dass der Sohn des Landgrafen Balthasar, Frederich derjunge im Thiergarten vor Prag zum Ritter geschlagenwurde."

Diese Bestimmung kann jedoch nicht richtig sein,da Landgraf Balthasar nur einen Sohn hatte, währendRothe deutlich von mehreren Fürstensöhnen spricht.Es können daher nur die Söhne Friedrichs des Strengen :Friedrich der Streitbare geb. 1369 und Wilhelm derReiche geb. 1370 gemeint sein.

Da nun Friedrich der Strenge am 26. Mai 1381gestorben ist, so erhalten wir für die Abfassung desGedichtes eine ganz andere Zeitgrenze.

Auf die Zeit von Rothe und Thätigkeit als Stadt-schreiber von Eisenach verweist der Umstand, dass dieerwähnte Casseler Handschrift auch das EisenacherStadtrecht enthält.

Der auf das Wappenwesen bezügliche Theil desBitterspiegels hat folgenden Wortlaut:Zu adil gehorin toginde vel,Wer ez recht wel haldinDer ich ein teil nu nennen wel,Also ez beschribin di aldin;Wan ein iclicher edil man570 Der furit an sime SchildeEinen vogel,- wi der ist getanAdir eines tiris bilde.Darbi man sal irkennenDi togunt di her an eme had,575 Noch deme sal man en nennenAdir noch siner wonestad.Etsliche furin andirs wazDaz nicht lebit uf erdin,Gliche wol bezeigit ez daz580 Si darmete gefriget werdinMit allen erin lehingutinDi si danne fri besitzen.Si sullen daz land helfin behutinMit eren kreftin und witzin585 Sie sullin nicht mit dem sackeDinen also borger und gebuer,Sundirn mit eris libes nackeDen herrin folgin, daz werdit en suer.Von zinsin und geschozzin590 Sint si danne wordin fri,

4) Mitteldeutsche Gedichte (Bibliothek des Litera-rischen Vereins in Stuttgart Band 53).

Bereits Kopp hat in seiner SchriftBilder undSchriften der Vorzeit" (Mannheim 1819) unter demTitelUeber den Geburts-Adel" einige Auszüge ausdem Ritterspigel geliefert, welche zum Theil von Eich-horn in seinerStaats und Rechtsgeschichte 0 (Göttingen1821) § 341 Anm cc. verwerthet worden sind. Ver-gleiche auch Göttinger gelehrte Anzeigen 1819.Nro. 168, 169.