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Geschichte der Heraldik. IV. 1.
Pferde ein Fehler; man muss es mit dein vorderenTheile erhoben, wie ein springendes Pferd zeichneu.Denn in dieser Stellung zeigt es seine Natur.
Wenn dagegen Jemand ein Lamm als Wappenführt, dann muss maü es zeichnen als ob es auf ebenerErde schreite. In dieser Stellung zeigt es am meistenseine Natur.
Von den Füssen ist der vorausgehende (antretende)Fuss immer der rechte, denn der rechte Theil ist derAnfang der Bewegung.
Wenn Fähnchen an Trompeten getragen werden,die man sich an den Mund der Trompeter gesetzt den-ken muss, so muss das Gesicht der Figur nicht nachder Trompete gewendet sein, denn die Trompete istnicht der vordere sondern der obere Theil, sondern esmuss den vorderen (dem Träger zugewendeten) Theilder Fahne ansehen.
Wenn die Wappen nur aus einer Variation derFarben bestehen, so ist die edlere Farbe an den vor-nehmeren Ort zu stellen. Der vordere und der obereTheil ist vornehmer als der hintere und untere Theil.
Eine Farbe ist vornehmer als die andere, in Rück-sicht auf den Gegenstand, den sie vorstellt Die vor-nehmste Farbe ist Gold, denn sie stellt das Licht vor.Nichts ist edler als das Licht, es wird in der heiligenSchrift als eine Sache von der grössten Vortrefflichkeitdargestellt („dann werden die Gerechten leuchten wiedie Sonne" Matth. 13, 43). Desshalb ist es nur denFürsten erlaubt, goldene Kleider zu tragen.
Die nächstvornehme Farbe ist Purpur oder Roth,welche das Feuer vorstellt, das vornehmste Element,dessen Leuchtkraft der Sonne am nächsten steht. Dess-halb darf Niemand rothe Kleider tragen.
Die dritte Farbe ist die ätherische (Azur), denndurch sie wird die edle Luft vorgestellt, welche eindurchsichtiger und durchleuchteter und des Lichtes ammeisten empfänglicher Körper ist.
Die vorgenannten Farben werden wegen der Gegen-stände, die sie vorstellen, die edleren genannt.
Wie das Licht etwas sehr Edles, so ist die Finster-niss etwas sehr Geringes Weiss ist edler, weil es sichmehr dem Lichte nähert, Schwarz ist die unterste Farbe,weil es sich mehr der Finsterniss nähert. Die mittlerenFarben sind edlere oder minder edle, je nachdem siesich der Weisse oder der Schwärze nähern.
Wenn Wappen auf Kleidern getragen werden, somuss der obere Theil gegen den Kopf der untere gegendie Füsse, der vordere Theil des Wappens nach derrechten Seite gewendet sein.
Wird das Wappen auf Schilde gemalt, so ist dervordere Theil des Schildes derjenige, welcher nach derrechten Seite des Trägers gewendet ist. Bei Pferde-decken ist der gegen den iopf des Thieres gewendeteTheil der vordere.
Wenn Wappen auf Wände oder andere feststehendeOrte gemalt werden sollen, so muss man die Wand (etc.)betrachten, als wende sie ihr Augesicht gegen uns undauf diese Weise wird die rechte Seite der Wand er-kannt.
Wenn das Bild de» Fürsten oder eines anderenausgezeichneten Mannes oder etwa das königliche Wap-pen in der Mitte einer Wand abgemalt wird so sollenandere Wappen, welche auf beiden Seiten gemalt wer-den, jenes Bild oder des Bildes Wappen ansehen.
Wenn ein Wappen auf den Boden oder die Erdegemalt werden soll, so wird die obere, untere, vordereund hintere Seite erkannt, indem man sich einen Men-schen am Boden liegend und das Gesicht nach oben ge-wendet vorstelle.
Das eigene Wappen kann Jeder auf den Bodenmalen oder bilden lassen. Jedoch ist es nicht erlaubt,dass Jemand das Wappen seines Herrn oder das Zeichen
unseres Erlösers Christus auf den Boden malen oderbilden lasse. —
Der Tractat des Dr. Bartolus hatte lange vor Er-findung der Buchdruckerkunst eine weite Verbreitunggefunden, kaum 50 Jahre nach Bartolus schrieb einEngländer, Johannes de Bado aureo 1 ) eine Art vonGegenschrift, welche sich überwiegend auf die Autoritäteines sonst nicht bekannten Lehrers der Heraldik Fran-ciscus de Foveis (wahrscheinlich auch ein Italiener)stützt. Er stellt hauptsächlich eine von Dr. Bartolusgänzlich abweichende Rangscala der Farben auf: Weiss,Blau, Gold, Roth, Grün, Schwarz. - Weiss undSchwarz sind die Häuptfarben, die anderen sind Mittel-farben.
Ein Einfluss des Johannes de Bado aureo auf dieEntwicklung des deutschen Wappenwesens ist nichtnachweisbar und es ist lediglich ein zufälliges Zusam-mentreffen wenn auch Peter Suchenwirt Weiss undSchwarz als die besten Farben bezeichnet:Der schilt der was quartiret reinMit den pesten varben tzweyn,Dy von den sechsen chomen sein-.Tzway quartir klar von perlen veinDy ander tzway nach tzobl var.Noch später, viele Jahre nach seinem Tode, fandBartolus einen heftigen Gegner in dem Canonicus Lau-rentius Valla 2 ), einem berüchtigten Heisssporn *), dersich über das schlechte und fehlerhafte Latein des Bar-tolus gar nicht scharf genug auszulassen weiss.
Das insigniis statt insignibu s ist freilich nichthinwegzuleugnen, vielleicht auch nicht der ihm vonJöcher zur Last gelegte Ablativ verbibus*). Wirwollen aber nicht Latein sondern Heraldik von Bartoluslernen und können daher die Invectiven eines Valla aufsich beruhen lassen
Andere Schriftsteller haben Bartolus den Vorwurfder Selbstverherrlichung gemacht. 8o meint schon Cas-saneus (wie wir später sehen werden), dass er die ver-liehenen Wappen desswegen so hoch erhoben habe, weiler selbst ein solches besass. J. D. Köhler wirft ihmvor, dass er die Rangskala der Farben seinem eigenenWappen zu Liebe aufgestellt habe. Er sagt:
1) Nicolai Vptoni de studio militari Libri IV. Job-de Bado Aureo tractatus de armis. Spelmanni Aspi-logia Eduardus Bissaens e Codd. Msc. priniuspublici Juris fecit, notisqueillustrav.it. Londini 1664 fol.
2) Laurentius Valla, Alphonsi regis et PontificisMaximi secretarius, Apostolicusque scriptor, harumaedium (Lateran) canonicus f MCCCCLXV CalendisAugusti. — Seine Werke sind 1540 in Basel heraus-gegeben. Das 3 Buch seiner „invectivarum sive recri-minationum" ist: In Bartoli de Insigniis et Armis li-bellum ad Candidum Decembrem epistola."
3) M. Benjamin Hederich schreibt in seiner „no-titia auctorum etc. Wittenberg 1714 S. 1106.
„Laurentius Valla (A. C. 1450) ein Römischer Pa-tricius, S. S. Theologiae Doctor und Canonicus zu S.Joannis in Laterano, zanckete sich fast mit alle nGelehrten seiner Zeit, und als er von Rom nachNeapolis gieng, den König Alphonfum V. von Arrago-nien in der Latinität zu informiren, kunte er kaumdem Feuer entgehen, womit ihm die Inquifitiondrohete , weil er einige Dinge in der Religion tadelte;doch wurde er öffentlich auf dem Marckte deshalbergestäupet, begab sich darauf wieder nach Rom unddocirete daselbst andere. Er starb im 50. Jahre seinesAltera."
4) Ich bin jedoch geneigt, den Spruch: de verbibusnon curat ICtus als einen Scherz des Bartolus aufzu-fassen.