Geschichte der Heraldik. IV. 1.
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Wappenbrief d. d. Neustadt 27. Juni I4G6 für Hansund Heinrich Minner.
„Mit namen einen swarczen schilt darinn drey gelblilien zwo oben neben einander die dritte darunder vndauf dem fchilt einen heim getziert mit einer gelbenvnd fwarczen helmndekchn, darauf auch ein gelbe lilien."
6 (3, 2, 1) Ringe:
Wappenbrief mit Legitimation d. d. Graetz 15. April1471 für Heinrich und Valentin Werber von Uden („sysein pfaffn kinder und ir muter klosterfrawn").
„M. n. e. weifsen fchilde darinn vberzwirich obein-ander fünf rot ring zu vndrist einer, in der mittzwen, vnd zu obrist drey, vnd den heim geczirt miteiner roten vnd weissen helmedeckhn darauf ein zwi-fach weifz aufgetan fluge auch mit drey roten ringenvberegk ab nacheinander."
Unter der Bezeichnung ein aufgetan flugew ird immer nur einzelner Flügel verstanden; es wirdimmer die Zahl der Flüge — 1 oder 2 — angegeben.
Aus einer Fülle von Beispielen seien nur die fol-genden hervorgehoben.
Wappenbrief d. d. Neustadt 13. Aug. 1467 fürMattheus Masser.
„M. n. e. fwarczen f. darinn in der mitte nach derlenge ein gelber oder goldfarber stam mit zwayen ab-gefchroten efsten vndten voneinander gespalten vnd in»aide egk des fchildes ausgetailt auf dem fchilde ainenhelme mit einer fwarczen vnd gelben helmdeck geczirtdarauf ein swarcz aufgetan flug mit einem stam7 °n färben vnd fchikungen gefchikt als in dem fchilde."., Wappenbrief d. d. Neustadt 22. Mai 1472 für PeterMuge.
»M. n. e. f. in der mitte glich vberzwirich geteilt,das vnderteil blab darinne zwen gelb stern nebenein-ander vnd das ober teil gelb, darinne ein rotter leojMt aufgeworffem swancze vnd gelffunder zungen, vnddem heim gezirt mit einer plabn vnd gelbn helmedeckhn,darauf zwo aufgetan fluge gegeneinanderneid in der mitte vberzwirich geteilt vnd plab vndoben gelb vnd in yedm plabn teil ein gelber stern."
3. Capitel.Die \% ii]>|H-iis.f nibolifc im Kanzleibraucb..
, Abgesehen von den redenden Wappen, auf die ichdemnächst zu sprechen komme, sind in den von Kaiser^'edrich III. verliehenen Wappenbriefen Spuren einer^appensymbolik in der Regel nicht erkennbar. Die
Wappenverleihung war ein fiscalisches Geschäft, — so
Me verlangt, wurden sie verliehen und auf die Be-treibung wurde keine andere als die geschäftsmässige° or gfalt verwendet. Welchen Grund auch die Petenten
Ur ihre Wahl haben mochten, — dem kaiserlichen Hofennte diess gleichgültig sein.Nur in den folgenden Diplomen, die sich im Style
enr wesentlich von den gewöhnlichen Wappenbriefen™terscheiden und die wahrscheinlich motu proprio des
■Kaisers verliehen sind, wird von der allgemeinen Regel
ab gewichen.
^ Beide Diplome sind an Ausländer vergeben undaner i n lateinischer Sprache abgefasst.
Ni K. Friedrich erhebt 1452. 14. July. Neustadt, denicolaus de Amidanis, Bischof von Piacenza, und seinerüder Melchior, Amidianns, Gelasius und Vincenz inen Adelstand und verleiht ihnen folgendes Wappen.
. »Videlicet clipeum cum campo nivei candoris quo
J Wocentie puritas censetur et in eodem clipeo inus parte media ad modum murorum menia sursum
t .W8umque tendentia rubei seu rabivi coloris, carita-mdicium designantia emicant ut sciatis per
simplici t atem innocentie delectabilius eni-tere et tarnen malignantium morsibus perastutiam iustitie inflammati caritate mixtaconstantius resistere. In cuius quidem clipei partesuperiori in campo flavei seu aurei coloris animi no-bilitatem exprimentis aquila nigra in capite co-ronata alis erectis et collo insidet, cum pedibus extensisque non carent m isterio virtutis laud abiliterimitande, scilicet ut penne ad empirei poii volatumse repräsentantes, mentes vestras erigant raagis ad ce-lestia virtutum pennis evolare, quam inherere terrenis.oculi vero diamantici ad verum solem iusti-tie figentes obtutum vos ad Studium contempiationiserudiunt ut licet quanquam ad escas rerum temporaliummore fragilitatis humane descendatis, semper tarnen re-niti debeatis ut ad deum cor et mentem irrefragabiliterteneatis rostrum vero peracntum vos ammonetmore militie ac nobilitatis terrene mordere reproboslingua mulcere pios prout hec in medio presentis literepictoris magisterio clarius et distinctius sunt depicta."Durch Diplom d. d. Neustadt 7 Juni 1405 verliehder Kaiser dem Gerardus de Campo (van der Velde?jvon Lüttich einen adelichen Wappenbrief. In dem Ein-gänge werden die Verdienste des Uerard um die Gründ-ung eines Vereines kräftiger und tapferer Männer, d i eGesellschaft Jesu*) genannt, hervorgehoben. DasWappen ist in Silber ein blaues Kreuz, an den Endenund in der Mitte mit je einem goldenen Sterne belegt.Dieses Bild hat augenscheinlich Bezug auf die erwähnteGesellschaft. Auf dem mit einer geflochtenen grünenKrone gekrönten Helme mit silbernen und blauen Deckensteht ein türkisches Mannsbild bis an die Hüften (pu-betenus) jenen gefangenen Türken vorstel-lend, welchen der erlauchte Fürst, KönigMatthias von Ungarn, dem gedachten Gerardgeschenkt hat. Der Türke trägt im Munde (ex-sufflat) ein weisses Spruchband mit der Inschrift: Ser-vire deo regnare est, wodurch seine Bekehrungzum christlichen Glauben ausgedrückt wird. In seinerweissen Hand, die den Handschuh der alten türkischenIrrlehre abgestreift hat, trägt er einen rothen Lanzen-schaft, auf dessen Spitze ein goldenes Kreuz ragt, miteinem viereckigen blauen Banner, welches in der Mitteden heilbringenden Namen Jesus in grossen goldenenBuchstaben trägt, von einem Kreise vieler goldenerFlämmchen umgeben. In der linken Hand trägt ereinen anderen, zerbro dienen Lanzenschaft mit einertriangelförmigen silbernen Spitze, an welchen eine inzwei Theile zerrissene rothe Fahne gebunden ist, mitder Bedeutung, dass jener geschenkte Türke die alteIrrlehre seines Volkes zerbrochen und verlassen habeund von sich werfen wolle.
Steigen wir aus dieser Höhe der Wappen-Symbolikherab in den Gesichtskreis des gemeinen alltäglichenWappenbedürfnisses. Der Wechsel wirkt ernüchternd,doch fühlen wir uns auf dem festen Boden, den dasWappen wesen nie verlassen sollte.
Zum Uebergang wählen wir das Wappen einesErhart Laurenz der sich durch Diplom d. d. Graetz28. März 1469 im Schilde einen Rost und auf dem Helmeinen Henkersknecht verleihen lässt, welcher im Begriffist, das Feuer anzufachen, mit dem der Leib des Hei-ligen Laurentius gemartert werden soll:
„M. n. e. gelben fchilde darinn ein rosst seinernatürlichen eysenfarb habende vnden in gründe desfchildes in der hannthab einen ring und auf dem fchildeeinen helme mit einer gelbn vnd fwarczen helmdeckengeczieret darauf ein mannespilde on fufz becleidet in
1) Mit den späteren Jesuiten Loyola's selbstver-ständlich nicht zu verwechseln.