Geschichte der Heraldik. III. 4.
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Hauptsächlich in studentischen Kreisen war diekitte des Albumtragens gepflegt, auch wohl zu-weilen zur Erlangung [des Viaticums gemissbraucht i).von den Universitäten hat sich die Sitte in alle Ständeverbreitet, deren Angehörige durch Sitte oder Beruf ge-Oöthigt waren, in einer gewissen Periode des LebensWeitere Reisen zu machen: Fürstensöhne, junge Edel-teute, aber auch Kaufleute und Handwerksgesellen.
Das 16 und 17. Jahrhundert sind die Glanzzeitdes Stammbuchs. Damals erschienen eigene Bücher mitvorgedruckten Schablonen, welche dazu bestimmt warena ls Stammbuch verwendet zu werden. Zu den gebrauch-testen Ausgaben dürften die folgenden gehören:
Emblemata D. A. Alcioti, denuo ab ipso Autorerecognita, ac, quae desiderabantur, imaginibus locuple-t&ta. Accesserunt nova aliquot ab Autore Emblemata,suis quoque eiconibus insignita. Lugd. apud Guliel.■Kovilium 1550. 8». 226 S.
Liber emblematum D. Andreae Alciati, nunc denuoc °llatis exemplaribus multo castigatior quam unquamjjntehao editus. Kunfibudj Zlnbree iüciati von ITteylanb,"evoer Hellen Doctorn, allen ticbfjabern ber freyen Künfte«jd? ITtalcrn, (Solbfcbmiben, Seibcnfticfcrn tmb 8ilbl?auroeni,Jegunb 3u fonberu nutj »nb gebraudj oertcutfcbt vnb an tagSebcn, butdj 3e renn am £jelb non Hörblingcn, mit fdjö-{JW, lieblichen, neuroen, funftreidjcn Figuren gejicrt vnb ge>be ffert. (Sebrucft 3 u Jrancffurt am ITTayn MD.LXVI. 80.Am Ende: (Sebrucft 311 ^rancffurt am HTayn, bey<°eorg Haben, in Verlegung Sigmunb Jeyrabenbs unb St«m °n fjütcrs. M.DLXVII«) (130 S.)
Aus diesem .Schablonenbuch mag folgender Reim"wr eine Stelle finden:
Der poeten onb (Belehrten IDappen.<£s füren etlicb Dom (Sfcblecbt rjer
3n jren mappen ein Zlbeler(Etlidj aber in jrem Sd?ilt
<£in Schlangen ober £örocn nnlbt2lber biefe graufamen Ctjier
Seyen meit ron ber cSlctjrten pitfebierSonbern an ber ftatt follens fjan
3n jrem 3eictm ein meiffen SdjroanDtfr betn (Sott pfyoebo gtjeyltgt mar
ünb Hoheiten ein König flar5er in biefen £anben regiertDen alten (Eittel er noch fürt.Flores Hesperidum. Pulcherrimae plerorumque Grae-j-'ae comicorum sententiae; cum duplici earum versione»atina, tum aliis, tum praeeipue literarum studiosis, qma ttic ls petentibus scriptum aliquod memoriae causa^ ut nunc vulgo fit) relinquere cupiunt, profuturaef'Wmm. ober (Sefellciibucb. mit eü febönen Sprüdjen, audj^ueriey offnen vnb bürgerlichen Scbilbten tmb Ejelmcn. Mm'woenten, vnb fonft guten (gefeiten, fo entroeber jre IDapen,^ e <men ober Spruch, jur gcbecbtnu§ einanber oerloffen wollen,* a öienft vnb gefallen 3ufammen getragen. MD.LXXIII1.ffi Am Ende: (Sebrucft 3U franeffurt am IKayn, beyZT$, Haben - <" Verlegung JTtattbes £?arntfd;, Bürgersuno -öucbfüfirers 3U fjeybelberg. 8«. 433 Seiten.
Emblemata. Nobilitati et vulgo scitu digna: sin-S"w historijs symbola adscripta et elegantes versus"'storiam explicantes. Accessit Galearii expositio etrmT riptio de origine nobilitatio. Omnia recens collecta,'"venta et in aes incisa a Theodoro de Bry Leo-Vle nse. Stam Dnb jpapenbüdjlctn. IDolgeftelte onb fünft-
IV J } In Sophiens Reise von Memel nach Sachsenme'rw 1 (1778 > finde ich folgenden Beleg: „als sie aberWnT 6 ' das s ich Pfennige habe (denn ich bin einigerächen i n Königsberg niit dem Stammbuch ge-gan |en) „. 8 . *.
£ ) Kein Druckfehler!
lidie Jtgurn, Sampt bereit poetifdjen erflärung, aueb oonZlbels anfunfft beib für 21bels perfon, cnb allerbanbt Staubt,pon neroetn in fupffer geftocben f bureb Dietertcb oon Sry.Leodiens. Impressum Pranco. ad M. 1592. quer 8°.
Der Herausgeber sagt in der Vorrede: „Denn alsich vernommen, dass der gebrauch der Wapen vndStammbücher nicht allein vnder hohes vnd nidrigenStandes, sondern auch bey Manns- vnnd WeibsPersonenjetzunder im schwang gebet, hab ich nicht vnderlassenwollen, mein bestes auch hinzuzuthun, vnd dieselbigedurch meine Kunst beneben meinen zweyen Söhnen,auffs zierlichst an tag zu bringen."
Emblemata physico-ethica, hoc est, naturae morummoderatricis pieta praeeepta, a Nicoiao TaurelloMontbelgardensi, Physices et Medic. in Altdorfens. Noric.Academia Professore observata etc. Ed. II. NoribergaeTypis Christophori Lochneri 1602. kl. 8».
Nicht selten findet man in den Stammbüchern eineVerwahrung der Eigenthümer gegen grobe und unzüch-tige Spaße, die namentlich in studentischen Kreisensehr beliebt gewesen zu sein scheinen.
Georg Moroldt v. d. Weiden (Oberpfalz) legt sich1621 ein Stammbuch») an, dem er folgende Versevoransetzt:
Es ist gewiss loeblich vnnd feinDass man gedenck offt manches seinEhrlich geschlecht herkom vnd StamAuch derer so Gott Hie hinnamDurch den zeitlichen Todt zu SichDer halben so hab Ich für michGeorg Moroldt diss Buch vff TrawnMachen lasen, welchs mag da anschawnAll gut gesellen insgemeinSie seyn gleich gros oder KleinVnd mir darein ihr Wappen schenckenIhrer dabey im besten zugedenckhenOder lassen MahlenEin schöne Figur nach iedes gefallenAllein dass die nicht sey gantz nichtigGrob, verächtlich vnd vntzüchtigDan wer mir ein solchs wolt verleitnBitt ich das ers woll lassen bleibenFerners Ir Lieben gesellen meinWass Standts odr wesens ir doch seinAn euch langt mein bitlich begernDass er sichs nicht Keins wol beschwernWer mir was Mahln last HerreinDass er auch willig da woll seinSein Nameu vffs plat verzeichnen thanZur Figur so er hat Mahlen lahnSolchem wil ich gros lob verjehenDess sol er sich zu mir versehen.Die reichste Sammlung von Stammbüchern dürftedie Grossherzogliche Bibliothek zu Weimar enthalten.Die bedeutendste Privat - Sammlung besitzt der HerrGeh. Rath Warnecke in Berlin.
Der farbige Schmuck der Stammbücher verlieh den-selben einen gewissen Schutz, selbst wenn sie nach demTode der Inhaber in die Hände von Unkundigen oderpietätloser Erben gelangen. Diesem Umstände verdankenwir ohne Zweifel die Erhaltung einer grossen Zahl vonStammbüchern. Die im Antiquariatsbuchhandel vor-kommenden Exemplare werden heute so hoch im Preiseangeschlagen, dass das private Sammeln nachgerade zurUnmöglichkeit geworden ist.
Einen glänzenden Beweis von der Ergiebigkeit derStammbücher liefert folgende Sammlung:
Hildebrandt, Ad. M., Stamnibuchblätter des
3) Im Besitz des Herrn Geh. Reehnungsr. Warnecke.