Geschichte der Heraldik. III. 4.
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des Römischen und anderer Könige, sowie einer Keinevon Pursten, Grafen und Herrn beschreibt.
Die Verse sind leider nur in soweit der Gegenwarterhalten geblieben, als sie 200 Jahre später sein Amts-nachfolger Felix Hemmerlin seinem an anderer Stellesu erwähnenden Tractate de nobilitate et rusticitaie ein-verleibt hat. In einem Verzeichnisse seiner Schriftenerwähnt Conrad von Mure, dass sein Clipearius Libellusungefähr 160 Verse enthalte, während Hemmerlin de-ren nur 146 mittheilt.
Aus der Druckausgabe der Hemmerlin'sche Schrifttat Dr. Theodor von Liebenau Staatsarchivar zu Luzernden Clipearius im Jahrgang 1880 der Vierteljahrsschriftfür Heraldik, Sphragistik und Geneologie S. 21 ff. neuherausgegeben.')
Auf die Bedeutung des Clipearius für die Geschichteeinzelner Familienwappen hat bereits der erwähnteHerausgeber hingewiesen. Eine wirkliche Nutzanwen-dung ist aber meines Wissens zuerst von mir in demvorliegenden Werke versucht worden. Die Erörterungen,nir welche ich den Clipearius mit benützt habe, betref-fen folgende Familien:
Hohenlohe (S. 79)
Bügen (S. 139)
Spanien (S. 205)
Wildgrafen und Baugrafen (S. 229)
Kyburg und Dill in gen (S. 233)
Württemberg und Veringen (S. 236)
Ungarn, falschbestimmtes Wappen (S. 248)
Böhmen (S. 250)
Meran (S. 251)
Leiningen (S. 255)
Nürnberg (S. 264)
Zollern (S. 265)
Nürnberg, Burggrafen (S. 266)
Der römische König (8. 284)
Tyrol (S. 288).Bei dem Verse Bügen habe ich eine geogra-phische Anspielung angenommen, bei Böhmen wirdunzweifelhaft auf eine geschichtliche Begebenheit desJahres 1248 hingewiesen. Eine solche finde ich auchU» folgendem Verse:
Ecce tuus Norwegia rex Danis bene notus
Fert clipeum cuius color est niger, ut puto,
totus.
Um 1250 bestand nämlich ein feindseliges Verhält-nis zwischen Norwegen und Dänemark, das sich inSchlägereien zur See, Beschlagnahme von Kauffahrern,Küstenplünderungen und dergleichen äusserte. König■Hakan von Norwegen (1239-1263) rüstete auch eineKriegsflotte gegen Dänemark, doch wurde die Angele-genheit zuletzt in Güte beigelegt, t)
In folgendem Verse:Orlens Wilhelmi clipeo qui blavus habetur, Aut de lasurio nitet, aurea Stella videtur
gekündet Conrad von Mure seine Liederkenntniss. InWolframs von Eschenbach Wülehalm (um 1215)heisst es:*«3,13 höh wag (j er Provenzäle vane
da der stern von golde anelac der richeit gelich., Aus Allem ergiebt sich, dass Conrad von Mure ein*enntnissreicher Mann gewesen ist und von den Bege-benheiten seiner Zeit eine gute Kunde hatte.
, . 1) Sonderbarer Weise hatte auch ich kurz vorher061 meinen Vorarbeiten für die Geschichte der Heraldikea Clipearius selbstständig entdeckt.ft /) F. C. Dahlmann, Geschichte von DänemarkB «w II. Hamburg 1841. S. 177 f.
An die Seite stellen lässt sich dem Clipeariushöchstens das von Conrad von Würzburg (f 1287) ge-dichtete Turnei von Nantheiz, welches in der Formeines Heroldsliedes eine erdichtete, von zahllosen Ana-chronismen wimmelnde Begebenheit behandelt, aber au-genscheinlich den einzigen Zweck hat, die ebenso um-fassende als gründliche Wappenkenntniss des Dichterszu verwerthen. In zweiter Linie könnte vielleicht nochdie Dichtung Reinfried von Braunschweig in Betrachtkommen.
Die genannten Werke liefern uns einen Maßstabfür den Umfang geographischer Kenntnisse, der damalsden Gebildeten eigen war, sowie auch für die persön-lichen Berührungen zwischen den Völkern, namentlichMitteleuropas.
Conrad von Würzburg beherrscht den NordenDeutschlands bis zur Mark Brandenburg; von hier ausgeht die Grenze seiner Wappenkenntniss über Braun-schweig zur Kheinmündung, von da über die See nachEngland und Schottland. Ueber Frankreich, Navarraund Spanien ist er vorzüglich unterrichtet; er war ent-weder selbst dort oder ist doch mit der hervorragendenPersönlichkeiten dieser Länder in Berührung gekommen,denn er beschreibt ihre Wappen mit einer nur durcheigene Anschauung zu erwerbenden Kenntniss des De-tails. Er muss sogar das echte Wappen eines mauri-schen Fürsten Spaniens gesehen haben, da er ein solchesin Partonopier und Meliur vollständig correct beschreibt.Eine Kenntniss der Wappen Italiens trägt er nicht zurSchau, dagegen wissen wir, dass ihm die Wappenweltder Ostseeländer unbekannt war. Im Turnei vonNantheiz lässt er den König von Dänemark auftreten,aber da ihm das Schildzeichen desselben unbekannt war,giebt er ihm ein Verlegenheits-Wappen.
er wolte ein frouwen ritter sin
durch daz het er an sich geleit
ein also richez wäpenkleitDann sagt er:
üz einem purpur üf den schiltwas ein richez dach geleit;ouch schein deck unde wäpenkleitin küniclicher wisegesniten wol nach prise.
Genau in derselben Lage befindet sich der Dichterdes Beinfried von Braunschweig und er wählt das-selbe Auskunftsmittel wie Conrad von Würzburg, —er giebt dem König von Dänemark und seinem Gefolgeein Aventiure-Wappen:765 samit was ir wäfenkleit
ein turteltübe schön geleit
was dar in üf des schiltes tach.
die baner man ouch glesten sach
nä dem selben glänze770 mit mangem rösen kränze
wären si gekroeneter erklärt dann diese Wahl:782 ich waen diu aventiure
waer komen von dem gräle
wan man ze mangem male
in stürmen und in reisen
sach die templeisen
die turtur kiusche füeren.Hieraus ist deutlich zu ersehen, dass dieser Dichterdie Werke Conrads gekannt und als Führer benutzthat. Die Verwendung des Verlegenheits-Wappens hat erihm förmlich abgemerkt, denn er erzählt in einem an-deren Falle:
bi im man nähe riten vant
den fürsten rieh Turnisen