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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 4.

In Slüter's Gesangbuch von 1531 und einer ande-ren in Meklenburg gedruckten Schrift vom J. 1558 be-findet sich~das Wappen Jesu Christi, redemptorismundi arma. Der Wappenschild enthält in der Mitteein Kreuz mit der Dornenkrone und den BuchstabenI. N. R. I. Zur Linken des Kreuzes ein Hammer, einSpeer, das Gewand des Herrn und drei Würfel; rechtseine Zange, das Rohr mit dem Schwämme, das Hauptdes Judas mit zwei Rollen Geld und einem Geldbeutel,eine Laterne und ein Schwert; das Kreuz steht in einemGrabe. Ueber dem Schilde befindet sich ein Helm mit einerSäule, an welcher Ruthen, Peitschen und Stricke ange-bracht sind; oben auf der Säule ein Hahn. (H. 3 Z. 1L. Br. 2 Z. 3 L.) i)

Carl Fried. Dingelstedt schreibt i) (1735) über eineähnliche Compositum:

Vielen Leuten fehlet es an einer rechten Beur-theilungs-Kraft, woran auch die Mahler sehr offte Man-gel gelitten. Ich habe ein Gemähide gesehen, welchesvermuthlich einen dummen Mönch zum Meister gehabt.Auf solchem waren alle Instrumenta, durch welche un-ser Heyland gelitten, in einem Schilde vorgestellet, undaus grosser Klugheit darüber mit goldenen Buchstabengeschrieben: Das Wapen Christi. In solchem er-schiene unter andern Geräthe eine Leuchte und einDinte-Fass, so dasjenige vorstellen solte, in welchesPilatus die Feder getuncket, als er die bekanten WorteJ. N. R. J. geschrieben, und auf welche Art das Dinte-Fass zu Christi Leyden auch was beygetragen habenmuss. Also weit verfallen dergleichen Leute in Thor-heiten."

Als Gegensatz mag auch das Wappen des Teu-fels aus dem sogenannten Seyfried Helbling (ca. 1300)hier Platz finden:

der Tiuvel pfligt der riterschaft

under einem vanen pechvar

lieber vriunt nim selbe war,

der Höchvart krön dran brinnet.

2. Capitel.

Werth der Wappenkunde.

Die Wappenkenntni8S war in dem gesellschaftlichenLeben namentlich des 13. und 14. Jahrhundert vongrossem Nutzen, ja sie war unentbehrlich für den, wel-cher nicht für einen Neuling gelten wollte. Wappen-kenntniss war gleichbedeutend mit Personenkenntniss.Es mag die3s durch einige dichterische Zeugnisse be-legt werden.

Wolfram v. Eschenbach, Parcival:320,.S do enpfiengen si den werden man.sin schilt und er warn unbekant.den heim er niht von im bant:In den Gudrun heisst es:1365 Man wakte Hartmuoten. do ez im wart geseitdo fprach der degen guote lat iu niht wesen

leit.ich erkenne vürften zeichen wol inzweinzic landenich waen die vinde wellen rechen an uns iralten andenSein Vater König Ludwig hatte die Feinde, weilsie unter dem Zeichen des Kreuzes fuhren, für Pilgrimegehalten, eine Täuschung, die der wappenkundige Hart-

muot sofort wiederlegt. Es sind die Feinde, die ihraltes Leid rächen wollen.

Pleiefs Oarel (Bruchstück XI):191 Ekunaver, der hoch gebornSach vor im ligen einen schilt,der fügende reiche degen miltErchande wol div wapen dran195 er sprach:owe, daz ich ie gewanDen lip! wa ist der werde degender des schiltes solte pflegen ?Die Wilkinasage erzählt im 5. Kap.:Da sprach Ritter Samson zu seiner Frauen: Wermüssen diese sein, die hier reiten? Sie antwortete:Herr, nicht weiss ich, wer diese Männer sind, aber für-wahr , sie reiten stattlich einher, solltest du sie nichterkennen oder ihre Wappen?"

Da antwortete er: v Nicht kenne ich sie selber, aberihre Wappen soll ich wohl kennen: der vorderste Mannvon ihnen hat einen rothen Schild und darauf einengoldenen Löwen; dieses Wappen führte mein Vaterund sein Bruder Dietmar, und dasselbe Wappen führeauch ich in meinem Schilde und ich erkenne daran, dassdiese meine Blutsfreunde sein müssen."Ferner im 244. Kapitel:

Und bald nach Sonnenuntergang, da sahen sie,wie ein Mann daher ritt, ... er hatte einen schönenglänzenden Schild und zum Wappen darin einen Ha-bicht von Gold und einen Hund. Daran erkannte Her-zog Ake, dass es Iron Jarl von Brandenburg seinmusste.

Jarl Iron erkannte den vordersten Mann, so einenrothen Schild und einen goldenen Leuen zum Wappenhatte, dass es Herzog Ake von Fritila sei."Kloster der Minne:1408 Ez waifz nieman wer er istDu wappen sint vnerkant.Albert von Hammerstein, Chorbischof zu Cöln undPfarrer zu Feldkirchen versah im J. 1300 den St. Ge-orgen-Altar seiner Pfarrkirche mit einer Stiftung undbestimmte, dass der jeweilige Burggraf von Hammerstein,der einen gold enen Schild mit drei rothen Hämmernführe, der Patron des Altars sein soll:

Item statuimus et ordinamus ut burgravius deHamersteyn pro tempore existens portans clippeumaureum, cum tribus rubeis malleis patronusdicte ecclesie de Veltkirgen ..." 2)

Durch diese Vorschrift wurde das Patronatsrechtum so sicherer an eine bestimmte Familie gebunden,als es auf der Burg flammerstein verschiedene Fami-lien gab, welche die Hämmer in anderen Farben führ-ten. So gab es eiue Familie von Hammerstein, welchedrei weisse Hämmer im rothen Schilde führte.

3. Capitel.

Die ältesten Wappensammlungen.

Der älteste planmässige Wappensammler Deutsch-lands ist Conrad von Mure, geb. um 1210, seit 1233Geistlicher am Chorherrenstift Zürich, 1244 Schulmeister,1258 Cantor desselben, gestorben am 29. März 1261-Derselbe schrieb ungefähr 1250 seinen Clipearius (i. e-libellus) welcher in je einem Reimpaare die Wappen

1) So beschrieben in den Meklenburgischen Jahrb.XXIII. 111.

1) in: Kuchenbecker, anal. hass. coli. IX. S. 29.

2) W. Günther cod. dipl. Rheo-Mosellanus III. Tbl-1. Abth. S. 90 ff.