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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 3.

König sich über den Mahler erzörnet, und gesagt, dasses ein Affen- und kein Löwenschw&ntz, er wolte lieberseinen schwartzen Adler wieder haben. Als solches fürden Kaiser kommen, hat er den Löwen mit einem dop-pelten Schwantz mahlen lassen, wie solchen die KrönBöhmen npch heut zu Tage führet."

11.

Derselbe Schriftsteller erzählt eine Anekdote, dieich wenigstens auszugsweise mittheilen will:

3) Vor Alters hat man von keinem Adel in Franck-reich und Teutschland, aus welchem die alten Franckenoder Frantzbsen herstammen, gewust, als der mit Degen,Schild und Helm erlanget worden, und von den Vor-eltern mit dergleichen Helden-Tugenden auff die Nach-kommen geerbet. Heut zu Tage machet die Feder undhohe Hof oder Gerichtsdienste auch Edel, ja vielmahlswird das Geld beeden fürgezogen, und allem Adel ob-gesetzt. Daher jener recht ein Schild oder Degen undeine Feder in eine Wagschalen mahlen lassen, in dieandere aber einen grossen Beutel mit Geld und darübergeschrieben: die Goldwag adelicher Ehren."

[Er erzählt nun von einem Pfennigmeister des Kö-nigs von Frankreich, der seinen Söhnen einen grossenReichthum hinterlassen. Der ältere Sohn- wollte alsEdelmann nach dem Rechte der Erstgeburt Alles haben,während der jüngere als ein gemeiner Mann den rich-tigen halben Theil haben wollte. Es kam zum Prozess.]

8) Der Wortführer des jüngsten Bruders, erzehltedas Stammregister dieses Geschlechts, sagend, dass ihrUranherr hätte einen Drischel in dem Wappen geführet,weil er gewesen ein armer Taglöhner, der sich mitDreschen nähren müssen. Der Anherr hätte an stattdes Drischeis ein Grabeisen mahlen lassen, weil er einenWeinberg, zwei Klaffter gross erkauft.', vnd solchen sofleissig gebauet, dass er seineu Sohn hab können lassenin die Schul gehen. Nun habe ihm das blinde Glückdas Wappen wieder visiret, und ein Schreibfeder dareinmahlen lassen, welche billich in einem schwartzen Feld,wann es der Heroldskunst nicht zuwider stehen solte,weil solche federliche nicht vätteVliche Hoheit von demfetten Rebenfeld herkommen. Was unterstehet sich aberdieser Gänßkeul ? Er wil, sagte er ferner, über alleAdeliche Helmzier oder ja denselben gleich fliegen.Nichts Ritterliches ist in aller dieser anverwandtenGeschlecht Register zu finden, als das etwann ein Vet-ter eines Rittermanns Pferd beschlagen und sein Bru-der hat es gesattelt. Solcher Gestalt sind sie dem Adelzugethan, und könte man ihr Bildniss auff einer ge-mahlten Bauren-Kirchweyh finden, aber in keinem Tur-nier , als mit dem Ebreischen Spiess, in keinem Krieg,als mit den Gläsern, in keiner Belagerung, als in Uber-steigung einer Pasteten, an statt der Pasteyen.

12) Dass ein Unterschied nicht allein unter denalten und neuen, sondern auch unter dem GelehrtenAdel, ist aus denen Scribenten, welche von der Herolds-Kunst gehandelt, wie auch aus den Turnierbüchern zuersehen. Der Unterschied ist vor Alters in den Wappenbemercket worden, wie wir hiervon* in unsern Gespräch-spielen an unterschiedlichen Orten außgeführt. Heutzu Tage ist diese adeliche Wissenschafft unter derBanck, und gehet es nach Petrarcha Urtheil, dass wiean den Müntzen die Wappen, Bilder und Schrifften anZier zu, und an der Güte, Schrot und Korn abnehmen:also gehe es auch mit den Ehrsüchtigen Leuten"-etc.

Ich füge hier noch einige Lehrgedichte des ehren-werthen Georg Philipp Harsdörffer») bei, von denen man

sagen darf, dass" sie recht sinnreich erfunden sind. Dievon dem Verfasser gewählten Ueberschriften sind bei-behalten.

12. Die Heroldskunst.Nachdem die Heroldskunst, seiter der RegierungKaiser Friedrichs des IL vergraben gelegen, und durchden gelehrten Frantzosen de Varennes wieder von Tndtenerwecket worden, ist sie nachgehende auch durch Be-förderung etlicher Teutsch-Gelehrten in unser Land ge-kommen. Als sie nun gesehen, wie die so gär wenigHerolde kennten, und vermeinten, dass solche Vnedledie adeliche Kunst verunehret. Hierauf wurde dieserKunst aufgetragen eine Prob zu thun und etliche Wa-pen zu visieren: Solches thate sie folgender Gestalt.Einem Richter gäbe sie ein guldnes Haubt, ohneAugen und Ohren in einem Blauer-Feld, weil er derVnterthanen Beschwerung nicht sehen, und ihre Klagennicht anhören wolte-. Einem Rath gäbe sie einewäxerne Nase in einem roten Felde, weil er einem jedeneine Nasen zu drehen pflegte, und allen Betrug riechensollte. Einen Hof mann gäbe sie einen weissen Segel,den er (wie seinen "Mantel) nach dem Winde richtensolte, in einem schwartzem Felde. Einem Burger gäbesie ein Paar Würffei, darauf Quater drey stunden zubedeuten das gemeine Sprichwort . Daus quater dreyhält alles frey 2 ). Das heist sagte sie, die Wapen vi-sieren.

13. Heroldsfarben.Es hat sich auf eine Zeit unter den Heroldsfarbenein grosser Streit erhoben, und hat eine der andernSchönheit hochmütig abstechen wollen. Das Gold, oderdie gelbe Farbe, nennte sich der Sonnen und dem hol-den Sonnen-Metall gleich, wolte den andern nicht wei-chen, und die Oberstelle behalten, weil jene der Pla-neten Fürst, und dieses das gewaltigste unter allenMetallen. Das Silber oder die weisse Farbe, die Rein-lichkeit und Freude bedeutend, wolte den Reichthumweit vorgezogen und die Quelle aller anderer Farbengenennet werden. Dessgleichen wolte ihr die schwartzeFarbe zu eignem Lobe anführend, dass gut in dasTrauerhaus, deren Deutung sie habe, zu gehen, unddass sie der Grund aller andern, ohne welcher Schattensie nicht bestehen könten. Die rohte Farbe wolte denTitel der Vollkommenheit behaubten, weil alles was rohtauch vollkommen würde, als deß Menschen Geblüt, dieFrüchte, die Gesundheit, etc. Deßgleichen wolte dieblaue Farbe ihre Beständigkeit darthun, welche sieallen den andern in der Vermischung mittheilte, etc.Als nun Apelles zu einem Schiedrichter aufgeworffenworden, gäbe er diesen Ausspruch: Eine jede ist anihrem Ort schön, wann sie sich vergnügenlasset; welche aber eine Tafel allein be-mahlen will, die wird niem'and gefallen.

1) Aus: Nathan und Jotham: das ist Geistliche undWeltliche Lehrgedichte, in sinnreicher Ausbildung derwaaren Gottseeligkeit, wie auch aller loeblichen Sitten

und Tugenden vorgestellet: Samt einer Zugabe, genennetSimson begreiffend hundert vierzeilige Rähtsel, durchein Mitglied der Hochloeblichen Fruchtbringenden Ge-sellschaft. (Gg. Ph. H a r s d ö r f f e r). Gedruckt zu Nürn-berg, in Verlegung Michael Endters. Im Jahr 1650. 82) Harsdörffer citirt das Sprichwort, welches vomWürfel- und Kartenspiel entlehnt ist. nicht ganz cor-rect. Dasselbe lautet nach Friedrich Peters (1605):Dauss ess hat nicht, Sess.zinck w;l nicht, Quater drey,die geben frey." Dause ess ist die schlechteste Karteund bedeutet die Armen, Sess zinck die beste und be-deutet die Reichen; Quater drey stellt den Mittelstandvor, auf dem das Schwergewicht der Steuerlast ruht.Hifedurch erklärt sich denn auch, was Harsdörffer ft°obiger Stelle sajren will.