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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 8.

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jener, dass ich deinen Namen und Wappen führe, dassich aher ein Edelmann und des Namens von Voglen-o a c h sey, werde ich weder dir noch eintzigem andernumstehen, sondern wo du weiter Lust zum Tautze hast,und deine Worte nicht widerrufst, dir solches mit dieserKlinge gchon weiter hekräfftigen: Was, sagte jener,wilstu nicht Vogelbach heissen und führst du nicht dreyZeisichen im Wappen," die du nicht redlicher Weise ausMeinem genommen hast, im übrigen magst da ein Edel-mann von oben biß unten, von Morgen biß Abend sein.Ich heisse weder Vogelbach, noch habe deineWey Zeisichen in meinem Schilde, sagte der ander, son-dern von V o g 1 e n b a c h mit den dreyen Canarien-Vögelndie du und dein gantzes Geschlecht mir auoh wol wer-den müssen bleiben lassen; wenn es so ist, fleng einerVon deß Vogelbachs Beystenden, Juncker Hanss von der"linde genant an, so ist es ein blosser Missverstand.

4.

Michael Prauni) erzählt:

Es lebte in der Stadt Lübeck ein Ritter und Bür-ger, genannt Herr Godeschalk Lunte, welcherJjjno 1532 gestorben, dieser, wann er zu Feld gedienet,führte in seinem Gezelt und Wappen eine brennendeLampe, als aber einsmahls ein frembder Cavalier durchLübeck gereiset, welcher ebenmassig eine Lampe imKriege geführet, begehrete er, dass gedachter Herr«ottschalk Lunte die Lampe in seinem Wappen cassirensollte: wozu aber dieser sich nicht verstehen wolte,weil er dieselbe jederzeit im Felde gegen seine FeindeUnd sonst- gebraucht, sondern begehrte vielmehr, dasssein Gegentheil dieselbe abthun solte; Weil nun keiniheil dem andern weichen wolte, kam es zum öffent-lichen Streit und Thuruier, die Steine am Marckt wur-den aufgerissen, der Markt mit Sand ausgefüllet undMit Schrancken umbgeben, daselbst in Gegenwart vieler^Useher um die Lampe thurnieret und gerennet, dadann der Lunte den Frembden vom Pferd gestochenund die Lampe abermahl erhalten."

Thatsächlich ist Gottschalk Lunte Bürgermeister^.°n Lübeck im J. 1532 gestorben. Die Lübecker Raihs-jjnte gi e bt i nm jedoch ein ganz anderes Wappen, näm-"ch einen Adler, der an Stelle des Kopfes eine Rosewagt.

Man sagt von Churfürst Friedrichen den III., so° nt er seine Ahnen hab malen lassen, hab er zu Meister* J .ucasen Cranachen dem eitern gesagt: Er sol jum jaJ* le Hanne fleissig malen, denn sie hat den Fürsten zuö &chaen ein gut Ey gelegt" 2).

~ Die Henne war bekanntlich das Wappenbild der«rafen von Henneberg, aus welchen die 1397 verstor-bne Anfrau des Kurfürsten, Uatharina, Gemahlin desMarkgrafen Friedrich von Meissen, und Mutter Frie-dens des Streitbaren, des ersten Kurfürsten von Sach-en aus dem Wettiner Hause, stammte.

Wigüleus Hund erzählt 1585 *) von einem Zeitge-nossen :

, »Disen Hannsen von Preising hett einer zu Lands-ut auff ein zeit angeredt, warumb er vnd seine Vettern

1) Adeliches Europa S. 737.. Z) Meissnische Land vnd ßerg-Chronica, in welcherfl ne vollnstendige descriptioh des Landes, so zwischen3 Elbe, Sala vnd SUdödischen Behmischen gebirgenS ele gen .... Gestellet durch Petrum Albinum Churf.2°5; Secr. . . . Durchaus auff Schreibpapier gedrucktzu Dreßden Im 1589 Jar. fol. S. 200.3 ) Stammenbuch II, 246.

den Sittich nit fürten, den die von Wolntzach gefüret?Darauff er jhme geaatwort: Dieweil sie das Nesst, sci-licet Wolntzach nit hetten, achteten sie sich dess Vo-gels auch nit etc."

7.

Die Zimmerische Chronik verbürgt eine niedlichekleine Geschichte von einem Schuhmacher aus der StadtLaugingen, der sich durch eine Waffenthat ausgezeich-net hatte, und dem darum von Kaiser Conrad I. (!) dreiWahlen gestattet waren.

Darauf begert der Schuhmacher erstlichs für ain.gemaind bei der statt ain wismad zu ainer vichwaid,zum andern, das die statt mit rotem wachs siglen Hessoder möcht, zum dritten das die von Calatiu ain merinmit ainer cronen uf dem heim zum kleinat füren moch-ten. Sollichs alles soll dem guten man vom kaiser seingeweret worden."

8.

D. Luther und Georg Lauterbeck schreiben eineHistori von einem Kauffmann, der aüßgewesen, vnd habder Hencker inmittelst sich in den Keller verschlichen,Magd, Tochter, Fraw ermordert vnd alles weggenommen.In reditu klagt der Kauffmann seine Noht dem Bähtin Beyseyn-deß Henckers: der sagt, der Kauffmann habjämmerlich gelebt, vnd wol selbst gethan, erwoltsjhmwol abfragen, die Tortur gehet an, er bekents außAngst vnd wird gerichtet. Endlichen verkaufft derHencker einön Becher, darauff ist deß andern Wappen,da kombts auß vnd wird gerichtet" *).9.

Gg. Phil. Harsdörffer erzählt um 1650:

Ein Baur in Niderland, hat an sein Thor einen ge-vierten Schild machen lassen, und darein einen Adler,ein Pflugschar, einen Löwen, eine Seulen, einen Affen,und eine Gans, umb den Schild ein guldnes Flüss. Alsnun der Printz von Nassau vorbey geritten und ihn ge-fragt, wie er zu dem güldenen Flüss käme, hat er ge-antwortet: Well myn Heer, dat stath so fry!"

Dieselbe Anecdote erzählt Schuppe imbekehrtenBitter Florian" (um 1660) wie folgt:

Man sagt, dass einsmals ein Holländischer Bauerhabe sein, seines Weibes, Kinder und gantzer Freund-schafft Conterfait machen und dabey unterschiedenerHolländischer und Brabantischer Grafen und HerrenWapen mahlen lassen. Da habe ihn einsmals ein vor-nehmer Mann besucht und gefragt: Ob er von so vor-nehmen Familien entsprossen sey? Da habe der Bauergeantwortet: Nein, mein Herr, es ist mein prupter in-ventie. Ich bin in etzlichen Kirchen gewesen, da habeich diese Wapen geBeben, und haben mir so wohl ge-fallen, dass ich sie bey diesen Schildereyen habe mahlenlassen."

Wiederum eine andere Version hat J. M. von Loen(der Adel. Ulm 1752):

Jener Holländer lies sich des Prtntzen von OranieuWappen über die Thüre mahlen, als man ihn fragte,warum er solches gethan, sprach er: weil es schönsteht."

10.

Gg. Phil. Harsdörffer ca. 1650:

Als König Ladifslaus in Böheim, Kaiser Friderichen,den Bothbart genant, wider die Meyländer tapffernBeystand geleistet, dass er auch die Stadt Meyland oderMilan erobert, hat er den schwartzen Adler dess altenBöhmischen Wappens in einen weissen Löwen verwan-delt. Als nun der Mahler solches verfertiget, und deinLöwen ein gar kurtzen Schwantz gemahlet, dass der

4) Höpingk S, 775.