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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 3.

Wappenwesen (.vergl. oben S. 89) hat dem deutschenSprachschatze zwei Worte- zugeführt, die lediglich nochin der ihnen übertragenen Bedeutung gebräuchlich sind,die Worte Schilderei für Gemälde, und Schilder-ung für die Darstellung eines Vorganges oder einesVerhältnisses.

Jablonskie (II, 1286) bestimmt die Begriffe wiefolgt:

Schilderey ein Gemälde, es sey von welcherArt es wolle, welches durch einen Pinsel und Farbengemacht worden. Denn ob man gleich von den Dich-tern im uneigentlichen Verstände auch saget, dass sieschildern oder malen, so nennet man doch diese ihreMalereyen zum Unterschiede. Schilderungen Weildergleichen Arbeiten mit Farben zuerst auf den Schil-dern geschehen, so ist den Malern daher der NamenSchilderer geblieben." ....

Schilderung, Icon, Hypotypofis, eine poetischeFigur, die eine so lebhafte Vorstellung von einer Sachemachet oder einen solchen Abriss giebt, als wenn siewirklich vorhanden wäre und man sie mit Augen sähe.Dergleichen hat Hagedorn in der Ode auf den Weinsonderlich von der Weinlese und dem Aufzuge desBacchus gegeben. Bei andern findet man kürzere."

Von den Wappenschilden auf den Münzen werdendiese selbst Schild genannt.

Hentze von Königswinter bescheinigt 1370 von derStadt Köln für die Bemalung von Büchsen erhalten zuhaben:vunftzich aide güldene fchilde, gut vangoilde ind van gewichte, as van boifsen wegen, die ichgemalt hadde 1 ).

EinenSchild am Willkommen" (d. h. Geld) musstenfrüher bei vielen Zünften die neugebackenen Gesellenverehren" 2 ).

Der Schilling ist erst durch die Reichsmünzge-setzgebung aus Deutschland verbannt worden 3 ).

Die Bezeichnung Schild ist auch in die Jäger-sprache übergegangen. Jablonskie*) berichtet darüber:Bey den Jägern ist Schild ein Stück Leinwand,worauf eine Kuh, ein Pferd oder ein Hirsch gemaletist. Sie brauchen solches, die Rebhühner damit nachdem gelegten Zeuge zu treiben. Der Schild wird mithölzernen Stäben aus einander gespannet und hat obenein Loch, damit derjenige, welcher solchen vor sich inHänden hält, durchsehen könne."

Derselbe berichtet über die Schilde der Hand-werker etc.:

r So heisst auch ein Zeichen, welches die Handwerks-leute, Gastwirthe und andere vor ihre Laden oder Häu-ser auszuhängen pflegen. Es darf kein Handwerksmanneinen Schild aushängen, er habe denn sein Meisterstückzunftmässig gewonnen. Den Schild einnehmenoder einziehen, heisst, wenn einem das Handwerckgeleget, oder die Werkstatt von ihm aufgegeben wird.Man saget auch: er muss den Schild einnehmen,d. i. er hat so viel zu thun, dass er alle zu ihm kom-mende Kunden nicht bedienen kann."

1) Ennen, Geschichtsqu. IV. 601.

2) Jablonskie, Lex. d. Künste II, 1286.

3) Der Deutschen Sprache Stammbaum und Fort-wachs oder Teutscher Sprachschatz... Von dem Spa-ten (Casp. Stieler). Nürnberg 1691. 40;Schilling,quasi Schildling, der, est inoneta propr. arma et in-signia Principis prae se ferens hodie moneta minuta est,denarium, solidum, sestertium notans, quemadmodumenim scutarum dicimus einen Ducaten cujus typus estscutum vel clypeus cum notis gentilitiis, ita Schillinga Schild dici primitus coepit."

4) Lexikon der Künste II. 1286.

b. Anekdoten und Erzählungen.I.

Poggius aus Florenz, des päpstlichen Hofes Diener,welcher im Anfang des 15. Jahrhunderts lebte erwar Augenzeuge der Verbrennung Hussens im J. 1416 *)hat seinen Facetten*) folgende Anecdote einverleibt:

Der Patron eines Frachtschiffes aus Genua, dervon dem König von Frankreich gegen die Engländerin Dienst genommen war, führte einen Schild, in welchender Kopf eines Ochsen gemalt war. Ein französischerEdelmann, welcher denselben erblickte, nahm das Wap-penbild für sich in Anspruch. Nach einem Wortwechselforderte der Franzose den Genueser zum Zweikampfheraus. Der Genueser nahm denselben an, erschien aberau dem Orte, wo der Streit ausgefochten werden sollte,ohne alle Waffen, während sich der Andere mit grossenKosten herausstaffirt hatte. Der Mann aus Genua fragte:Warum eigentlich sollen wir mit einander kämpfen?"Der Franzose erwiderte:ich behaupte, dass ich unddie Meinigen dein Wappen früher geführt haben, alsdeine Familie.""Und was ist dein Wappen?"EinOchsenkopf.'"'In diesem Falle ist kein Grund zumStreit vorhanden, denn ich führe nicht einen Ochsen-sondern ein Kuhkopf." Mit dieser passenden Bemerkungwar die Prahlerei des eitlen Franzosen zum Gespöttgemacht.

2.

Diese Anekdote ist später ungemein oft variirtworden.

So erzählt Gg. Ph. Harsdörffer"'):

Gestriges Tages hat mich ein Herold angesprochen,ich, der ich jeder Zeit ein Freund der Einigkeit undFeind des Vnfriedens gewesen, solte ihm zween Bürgervergleichen helfen, die wegen ihrer Wapen gegenein-ander Todfeinde worden. Der Fall verhält sich also:Im J. 1610 da alle Handwerker und Krämer Junkerenseyn und heissen wolten, sind diese beide ungefehr aufein Wapen gerahten, und weil sie darüber zu Streichenkommen, in dem sie beide Büffelsköpfe trügen, undgleich hartnäkkicht, einander nicht um ein Haar weichenwolten habe ich sie dergestalt entschieden, dass derjüngere unter ihnen einen Kalbsköpf, der ältere einenrecht förmlich grossen hochbehörnten Ochsenkopf künftigführen solte, mit welcher Vnterscheidung sie beide wol-begnügig zu Frieden gewesen.

Paul WinklersEdelmann" 8 ) (1676) erzählt folgen-den Wappenstreit, der augenscheinlich der Anekdotedes Poggius nachgebildet ist:

Ihr Herren habt schon so viel dargewiesen, dassihr beyderseits rechtschaffene Cavalliere seyd, derohalbenich Bedenken habe, euch ferner zusammen zu lassen,ehe und bevor ich vernehme, was die eigentliche Ur-sache dieser Händel, und ob sie auch von dergleichenWichtigkeit seyn, dass sich zwey so tapffere Kerles dieHälse darüber brechen müssen. Dass sich der Kauff-mann meines Adels, Namens und Wappen rühmt, sagteder wilde Juncker, welches ich in Ewigkeit nicht leidenwerde, und sollte ich mich ein halbes Jahr mit ihmherummer schmeissen. Es ist nicht wahr, antwortete

5) Tschudi II, 59.

6)Poggy florentini Oratoris eloqlientissimi ac se-cretary apl'ici facetiarum über incipit feliciter.

Am Schluss: Poggy florentini ac secretary apostolicifacetiarum über expletus est feliciter.

o 0. u. J. (14 . .) Incunabel der Kgl. Bibliothekin Berlin.

7) Gg. Ph. Harsdörffer, Gesprächspiele (Nürnberg1645) V. 139.

8) S. 11 ff.