Geschichte der Heraldik. III. 3.
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Meister Altswert:Si senfte, süsse und mutedaz hoeret zuo dem schilte.. In dem Gedichte der Spiegel (dem grösseren Spiegel)Mitte des 15. Jahrh. heisst es:
Fraw Dugent und fraw MiltDie sind von eynem schiltVerwappent meisterlich;Ir heim ist frewden rieh,Er zirt lutt und landt.Ich führe hier noch einige auf das Turnier - undRitterwesen hindeutende noch heute gehräuchliche Re-densarten an:Mit dieser Arbeit hat er sich die Sporen ver-dient.
Dagegen sagt man von einer Sache, der man keinebefriedigende Seite abgewinnen kann:Es ist nichts Gehauenes und nichts Gestochenes.Das Wort manteniren wird häufig in Süddeutsch-land (Nürnberger Gegend) gehört und als gleichbedeu-tend mit überwinden, bewältigen gebraucht. Obgleichdas Volk sich nicht bewusst ist, ein Fremdwort zu ge-brauchen — man denkt an Mann, übermannen —so ist diess doch der Fall, wir haben einfach das fran-zösische maintenir vor uns. Die Vermittelung geben]«is die Turnier-Ausdrucke. So heisst es in Francolin'sTurnierbuch: „Ich kan auch hie nicht vnderlassen zuerzelen, wie sich die Herren Mantenatores alsoRitterlich vnd dapffer gehalten, dass sie manchen [zuboden geschlagen" etc.
Auf eine dem Wappenbrauche entnommene Erfahr-ung bezieht sich das Sprüchwort (bei Peters)
Das rote [eudjtet ins JfclbVoraus sich denn auch die Beliebtheit der Farbe Rothlm Wappenwesen erklärt.
Dagegen möchte die Redensart Farbe bekennene her dem Kartenspiel entlehnt sein.
Die Redensart Etwas im Schilde führen (nie-derdeutsch: iets in zijn schild voeren), führt ihren Ur-sprung auf denjenigen Standpunkt der Wappenwissen-schaft zurück, welcher die Wappen stricte nach ihrerBeschaffenheit auslegt; sie dürfte demnach im 16. Jahr-hundert entstanden sein:
, Die .Peters'sche Sammlung (1605) enthält eine ganzeReihe von Varianten:
An eines Gesellen kan man spürenWas er selbst thu im Schilde führen.
Arbeiten malet man einem nicht in den Schilt.
Esel Ohren sind aller Menschen Waffen.
Es ist nit vergebens, dass die Leute wilde Thier imSchilde führen, es ist jhre arth.
Man sihets an der Kleidung, was einer im Schilde
führet.
Justus Georgias Sckottelius ') sagt:«Hält der Gegentheil den Fuchs im Schilde, ist
der Klugheit wol erlaubt, mit einem Gegenfuchs-
schwantze zuwadelen."»Die Schamhaftigkeit ist gleichsam das Wapen und
öffentliche Anzeige aller Ehr und Redlichkeit.".. Als eine Drohung, die Wahrheit über eine Persön-J'chkeit aussagen zu wollen, kommt in einem Fastnacht-
1) Ethica; Wolfenbüttel 1669. S. 369 u. 475.
spiele von Hans Sachs (ein Richter, ein Buler, ein Spilerund ein Trincker)') folgender. Ausruf vor:Ich wil dir zwar dein wappn plesimirn!
Die nachfolgende Betrachtung, die von Peters eben-falls als Sprüchwort angeführt ist, bezieht sich wenig-stens theilweise auf das Wappenwesen:
„Es ist zu besorgen, das vns ein mal die
Türkischen Bunde, Spanischen Hüte, Frantzo-
sische Porten zudecken werden."
Der Türkische Bund ist bekanntlich ein Zusatzzum Helmschmuck (Zindelbinde).
Auf die heraldischen Beizeichen deutet das vonKnipschilt angeführte Sprüchwort ein Strich barcmrdj,wodurch man verblümt andeutet, dass Jemand von un-ehelicher Geburt sei.
v. Wyss führt ein Sprüchwort an, welches lautet„Er führt einen Stern im Schilde"das einen persönlichen Makel anzeigen soll, weil derStern ein Beizeichen wegen unehelicher Geburt sei. Mirerscheint diese Deutung nicht zutreffend. Vielmehrmöchte ich die Redensart auf die in der Chronik desMatthias von Neuenburg') (1273—1350) erwähntenParteiungen beziehen.
Seltener sind die Redensarten, welche auf ein be-stimmtes Wappen Bezug nehmen.
In Neuvorpommern werden Kinder, die mit denHänden den Kopf und die Ellenbogen auf den Tischstützen, mit dem Ausruf verwarnt: das Meklenbur-gische Wappen! Ich konnte jedoch nicht ergründen,ob damit der Öchsenkopf oder der Arm gemeint ist.
Jan Adolphi hat uns ein Sprüchwort des LandesDietmarschen aufbewahrt, das auf Leute Anwendungfand, welche die Merkmale einer Schlägerei an sichtrugen. Er erzählt:
„Mengersen Schlecht hefft vor Olders ein blauOge geföhret, der solche Tecken noch an den Lüden„Mengersem Wapen" im Sprickworde gebleven, isock nu lange tidt hero ein Ecken Block, darup 3 Eckernup einem der tvelenden Trige ahne Lof im Witten Felde."
Die Deutung der Redensart durch den Eichenstrunkdürfte indess wohl näher liegen.
Die Verbindung der alten Malerzünfte mit dem
2) 12 Fastnachtspiele aus den Jahren 1518 — 1539von Hans Sachs Herausgegeben von E. Goetze. Halle a.S.1880. S. 55.
3) Die Erzählung lautet:
De nobilibus civitatis Basiliensis etprimo de Pfiticis et Stelliferis.
Erat autem in diebus Ulis (126.) parcialitas internobiles Basilienses hodie durans, inter Psiticos etStelliferos. *Que ex eo sumpsit originem: cum olimmilitares Basiliensium ad torneamenta vel alia parla-menta cum multa multitudine egrederentur et diceretur:„Qui sunt isti?" dicebatur: Scalarii et MonachiBasilienses, qui erant excellenciores. De quo aliicommoti, consilio habito fecerunt vexillum albe stellemagne in rubeo campo, quod in torneamentis et alibijfferebant. Sub quo signo progenies de Ebtingen, Vi-cedomini, de Ufheim, Krefte, Riehen Pfaffen, aliqui deRamstein, am Kornmerkte postea dicti de Nuwenstein,Macerer, Fricker et plures alii ferebantur. Alii verofecerunt viridem psiticum in albo campo, scilicet Sca-larii, Monachi, de Reno, Marfchalci, Camerarii et multialii, qui semper in cicitate Stelliferos precefserunt.Erant autem omues comites et nobiles vicini de alteraparte earundem. Omnes enim de progenie Novicastri,marchiones de Hahberg, domini de Roettellein fueruntPsitici. Comites vere de Habsburg, de Phirt, Hein-ricus de Baden predictus fuerunt Stelliferi.