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Geschichte der Heraldik. • III. 3.
11. Capitel.
Sie M upjM-ii in der Bildersprache.
an im siegen ich wol spürdaz der löwe niht lebteder üf des schilt dö swebtein rubin von mergriezen lac.so mangen stich, so mangen slacals üf in dö wart geslagenhet er lebend niht vertragenäne widerkretzen.
Beinfried von Braunschweig,
Die politische Dichtung der späteren Zeit bedientsich vielfach der Wappen an Stelle der Namen, sei esnun um die letzteren zu verhüllen, oder um die Redezu verblümen, um dem Wappenbild ein Gleichniss zuentnehmen, und Beziehungen zu Thatsachen herauszu-klügeln. Wir haben oben (S. 449) gesehen, dass dieseheraldische Blumensprache selbst unserem DichterherosGoethe geläufig war.
Der österreichische Herold Peter Suchenwirt ver-fasste um 1385 das folgende Gedicht:
Die red haizzt der umbchert Wagen.
Wol auf, her Leb und auch her Ar 1 )
Ir slaffet gar tze lange
Secht, wie ez in den landen var
Der Wag und auch die Slange5 Den Hunt von Pern han vertrieben
Dez nympt vil manigen wunder
Daz er nicht lenger ist beliben
Doch prueff ich besunder
Ein hunt nicht laiter steigen mag10 Die hoch und in die verre,
Er vall pei nacht oder auch pey tag;
Ez ist ein grozzer werre
Wo ein chebschint sitzen sol
Und veterleichen erbet15 Darumb man hat mit trewn hol
Die rechten frucht verderbet.
Got der verhenget auf ein tzeit,
Piz daz in sein genüget;
Er wais wol, wo die pozzhait leit20 Da hin er jamer füget.
Die Slang tret in irm munt
Einn man gar unverflunten
Yedoch fo hat si den Hunt
Von Pern überwunden:
25 Ir hol ist vest, dez dunkhet mich
Ssi chumpt nicht in gedrenge;
Huet ew, ir swantz der windet sich
Die chrump und in die lenge!
Nu wil die Slang und auch der Wagen30 Mit einander chriegen
Die sind chlueg, daz hör ich sagen,
Und lazzen sich nicht triegen
Haefftig und auch chlueger sinn,
Furdaechtig und weise;35 Dez ist man wol worden inn
Tzu Pern und tze Terfeise
Nu ist der Wagen umgechert
Die Slang hat in erchrochen
Wer da gotes marter unert40 Daz wirt an im gerochen
1) Damit ist der damalige Römische König Wen-ceslaus gemeint.
Als der Wagen hat getan
Mit listichleicher eyle
Liez er manigen pidern man
Toten in Tschischeyle45 An dem charfreytag daz geschach!
Mit grimmichleichem schalle
Liez er morden, daz man sach
Die werden Dewtschen alle
Do si giengen ane wer50 Den tag durch gotes marter.
Daz wag er ringer, denn ein per!
Noch ains tags muet mich harter:
Von dem charfreytag über iar
Liez er in Aglay56 Valien (man hört offenbar)
Vil chlegleichs geschray
Ez warn mer denn tausent leib
Durch ablas dar chomen
Vil mannen, und manigen werden weib60 Ir er ward genomen;
In dem münster man nicht schont
Got noch unser frowen.
Solher werich der wirt gelont
Daz mttg mir nu wol schowen!65 Gotes leichnam man nicht acht
Man schütt in aws den chebssen
Chloster storn, mait geswächt,
Grimmig als die webssen
Pluetvergiezzen, mordes phlegen70 Uneren gotes tempel.
Nu hazzt si gelükches segen,
Und tragent schant exempel:
Tzwen charfreytag weib und man
Schueff er mortleich swere!75 Scholt daz got ungerochen lan,
Wie wunderleich daz were!
Der jung hat Padaw verlorn,
Der alt verlos Terfeis.
Nu sticht in dez laides dorn80 Im vaelt sein alte weis.
Welich hertz in ubermut regirt,
Daz nydert got vil sere.
Nu rat ich Peter Suechenwirt
Ir sagt got lob und ere,85 Dient got und der mueter sein
Mit willen und werichen paide:
Se wert ir, auf die trewe mein
Von in dort nicht geschaiden.
Zu diesem Gedichte bemerkt Primisser S. 294 f.
„Anton Cane della Scala, Herr von Verona, auchder Hund von Bern genannt, kriegte, von den Vene-digern aufgehetzt, 1385, wider Franz Carrara den Herrnvon Padua und den Stuhl von Aglay: bald verlor eralle seine Besitzungen, in welche sich der mailändischeGaleazo Visconti und Franz Carrara theilten. Antonfloh nach Venedig und starb vor Kummer im J. 1388.
Darauf kam aber ein Bündniss des Visconti mitVenedig gegen den 'Franz Carrara zu Stande, der zurgerechten Strafe bald seiner Lande Padua und Trevigiberaubt, ins Gefängniss geworfen wurde, wo er 1393starb. Sein Sohn hatte sich anfangs noch in Padua ge-halten; als aber diese Stadt treuloser Weise in Mai-ländische Hände kam, ward auch er nach Mailand ab-geführt. Erst nach langem Umherirren kam er wiederzum Besitze von Padua 1392"
Suchenwirt wundert sich nicht darüber, dass derHund von Bern nicht länger geblieben, denn ein Hundmöge nicht weit auf einer Leiter steigen, ohne herab-zufallen (das bekannte Wappen der della Scala). Ueber-dies sei es ein Aergerniss, dass ein Kebskind die väter-lichen Besitzungen erben soll, nachdem es die rechte