Geschichte der Heraldik III.
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geführet, vnd vor sich her lassen die Drometen blasen.Da solches geschehen, sind alle Fürsten vor des Burg-grafen losament kommen, haben kleine Fahnen gebracht,darauff des zukünftigen Churfürsten Insignia oder Wa-pen gewesen, vnd haben den Burggrafen mit sich bisauff dem Marckt geführet. Daselbst hat der Kayserauff einem sonderlich dazu gebaweten Söller in seinemKaiserlichen Thron gesessen vnud die Churfürsten desReichs, so viel jrer gegenwertig gewesen, sindinjhremChurkleide, zur rechten vnd lincken gestanden. Darnachist Burggraff Friderich mit zwey Rittern, welche desBurggraffthums Nürnberg vnd des Marggraffthums Bran-denburg Fahnen geführet, auch hinauf! gestiegen, hatv or dem Kayser einen Fussfall gethan und gebeten,dass er möchte zum Marggrafen vnd Churfürsten zuBrandenburg iuuestirt werden. Bald darauff hat manjhm den Eyd vorgehalten, darauff er hat müssen schwe-ren, vnnd ist nachmals die investur gefolget. Kayser-liche Maiestat hat jhm erstlich die Märckische Fahnem die Hand gegeben, darnach des Keichs Apffel vndScepter, welches alles der Pfaltzgraff am Rhein ge-tragen, vnnd hat er ferner jhm ein Schwerd angegürtet,vnnd also die inuestur volnzogen"').
Vom Reichstag zu Worms 1495 wird erzählt: „Dar-nach am nächsten Tag nach Margarethen ist HerrMaximilian in Königlicher Majestät zu Worms gesessen,m it aller Zierrat so einem Römischen König zugehöretiu Beywesen aller vorgeschrieben Fürsten, Geist- undWeltl. die dann ihre Lehen also empfangen haben.
»Item auf den nächsten Tag Divisionis Apostolorum
.......sind die zwey Fürsten Herr Wilhelm der
Mitler Landgraf zu Hessen und der Herr [Wilhelm]der Jüngere Landgr. zu Hessen sämtlich kommen.
„Zum ersten ist Johann Schenck zu SchweinshergMarschall kommen mit dem Renn - Fähnlein, desselbenPanier war weiss, und stunde darinnen das Wapen zuHessen alleine, und berante damit den König}. Stuhl,tt it einem schönen reissigen Gezeug, als sich eignet.
„Von Stund an seynd kommen die beyde Fürsten,"üt 7 Graffen . Herrn und mit ihrer Ritterschaft, merdann auf 300 Pferde, und haben 2 Panier bracht, daserste trug Gr. Philips von Solms, das war ein grossr <>th Panier, darin stunde das Wapen von Hessen inder Mitten und aussen drum 5 Wapen.Das erste war Catzenehlnbogen.Das andere Ziegenhain,das dritte Waldeck,das vierte Dietz.Das fünfte Nidda.
»Das andere Panier war das Blut-Fähnlein undbedeutete die Regalia, war gantz roth, das trug Gr.Johann von Widda. Also wurden die beyde Fürstenbelehnet. So nun das grosse Pauier so viel an ihmhatte, darum so war es viermal grösser dann keinesHerru Panier gewesen war, darumb blieb es gantz undUiizurrissen. Wenn dann die Fürsten ihre Lehen em-pfangen hatten, so warf man die Paniere vor denKömgl. Stuhl. Nun hatte der König mehr denn 100Kriegs-Knechte mit Heiparten, die allezeit vor demKönig, beneben und hinter ihm giengen es wäre in derKirchen, in der Stadt oder auf dem Feld, dieselbenRunden um den Königlichen Stuhl, auch viele andereGesellen, und Herolden, Macht und Ebentheuer, auchmancherley Gesinde, und ropffen sich um die Panier,Welcher ein gross Stuck kriegen konte, der behielts,also wurden die Panier zerrifsen. Als nun das grosseherrliche Panier kam, da ward ein grosser Zulauff undbedränge um den Königl. Stuhl, dann ein jeglicher
hätte gern ein gros Stück gehabt, des versprachen sichzusammen bey GO Kriegs-Knechte, und wollen das Pa-nier gantz behalten und gleich unter sich theilen odersämtlich verkauften.....
„Zuletzt machten die Kriegs-Knechte ihre Spitzenführten das Panier in die Höhe, trungen mit Gewaltdurch das Volck und wurden Ratbs, dieweil es alsoschön war, dass sie es opfferten unser lieben Frauenzu Worms, nahmen ihre Trommelschlag, und giengenje zwey und zwey bei einander, da folget ein grosSchaar Volcks nach. Dann etzliche meynten der Königkäme, etzliche wolten sehen, wo sie mit denn Panierhinkämen, also brachten sie es mit grossen Ehren inTimm zu unser lieben Frauen, da steckt es in demMünster" 2).
Die Landgrafen bedienten sich, wie oben bemerkt,einer Fahne, in welche das hessische Gesammtwappen(Hessen, Catzenelubogen, Ziegenhain, Waldeek, Dietzund Nidda) gemalt war. Da nun die Grafschaften Ziegen-hain und Nidda Fulda'sches Äfterlehen waren, so nahmder Abt Johannes von Fulda Beschwerung und Fürsorge„als ob die vorgenannten Landgraven dieselben zwoGraffschafft, oder einige Regalien oder Oberkeit, Titteloder Wappen derhalben" von dem Reiche empfangenhaben wollten. Auf seine Einsprache erklärten dieLandgrafen, von Reichswegen befragt, sie wüssten wohl,dass ihre Voreltern solche Grafschaften vom Stift Fuldazu Lehen empfangen hätten; „dieweil sy sich in Schrifftndes Tittels, auch in Iusigell und sonst der Wappen hederGrafschaft gebrauchen, betten sy sollicbs Wappen beyauudere Ire Wappen in ire Fanen setzen lafsen." Siewollten auch damit dem Stift Fulda seiner Gerechtig-keit nicht abgebrochen haben. Der Kaiser Hess demAbt von Fulda unterm 2. August 1495 eine Sicherungseiner Rechte urkundlich ausfertigen 3 ).
„Als Graf Eberhard von Würtenberg von KayserMaximiliano I. zu einem Hertzogen gemacht worden,im J. 1495 auf den Reichstag zu Worms, brachten denGrafen Eberhardten die beede Landgrafen von Hessenneben Fürst Rudolphen von Anhalt vor den Kayserl.Lehen-Thron. Hessen sich allda vor der KayserlicbenMajestät auf die Knye nieder, Graf Eberhard empfiengvon Kayserlicher Majestät die Hertzogliche Kleinodien,den Mantel, den Hut, das Schwel dt. und den neuenWapen-Schild . worauf drey Grafen, als Eitel Friedrichvou Zollern, Johann von Werdenburg und Krafft vonHohenloe, nach Gewonheit um die Lehen und Regalienvor ihm Bitt eingeleget. und als sie eine gnädigsteAntwort erbalten, so berennete hocliermelter Graf odernunmehr Hertzog Eberhard, zwischen vorgedachtenFürsten mit sechs Paniern und 220 Reutern seinenEdlen und Lehen-Leuten den Lehenstuhl, kam vor Key-ser Maximilian, der ihm alsdann die Regalien verliehen,das erste Panier war das Würtembergische. das anderedeß Herzogthums Tekh; das dritte die GrafschafftMömpelgard, das vierdte die Herrschafft Heidenheim ;das fünffte das gelbe Reichs-Banier mit dem schwartzenAdler, das sechste der gantz blutroth, oder Lehen-Fah-nen, welche von lauter Reichs-Grafen getragen worden"').
Ueber die auf dem Reichstage zu Augsburg 1530vorgekommenen Belehnungen existirt eine eigene Druck-schrift mit folgendem Titel:
IDarbafftig anjaygmtg roic Kaifcr darl ber fünftcttlidjctt fftrften auf bcm Heydjstag 311 JJugfpurg im
1) Angelus Annal. Marchiae Brandenb. (Frankfurta - 0. 1598) S. 196.
2) Excerpta Chronici Riedeseliani Hassiaci (gehtbis ca. 1550) Kuchenbecker analecta Hass. I. Coli. 3.S. 1 ff.
3) Die Urkunde ist abgedruckt bei Schannat, clien-tela Fuldensis S. 211.
4) Michael Praun, von deß Adels Heerschilden §26.