516
Geschichte der Heraldik. III. 3.
Praunfalckens, Freyherms zu Neuhaus, Herrn auf Falcken-burg und Weyer, als des Letzten seines Namens undStamms, observirt und in acht genommen worden, in-deme bey der Abdanckung von dem hierzu (bestelltenEdelmann der Schild ergriffen und folgende Worte ge-führet worden: Hier ist das hochadeliche Schild,das Kleinod und die Krön des Adels: das Zeichen derTugend und die Belohnung der tapfferen Gemüther:welches wir seinem rechtmässigen und letzten Führer,anstatt der Kleinodien und kostbaren Kleidungen (mitwelchen man nach vieler Volcker Art und Gebrauchdie Cörper zu zieren pflegt) ins Grab beylegen müssen:Alldieweilen heut der Tag ist an welchem wir kläglichsagen: Heute Praunfalck und nimmermehr!Darauf nahm er den Schild, zerschlug ihnen am Grab-stein, nnd warff die Stück ins Grab. Nach welchemer wiederum den Helm ergreiffend gesprochen: WolteGott! dass das Hochadeliche Männliche Geblüt sich auchlänger dieses Helms, in billicher Glori, und AdelicherTapfferkeit hätte bedienen können: weiln aber der Kö-nig Himmels und der Erden alles wol machet, Sprechich abermal, wiewol mit trauriger Dienstleistung: HeutePraunfalck und nimmermehr! zerbrach hieraufauch den Helm, und warff denselben ins Grab u
Auch v. Friessenhavseni) erwähnt diesen Gebranch ■.»Wie dergleichen Exempel Anno 1676 den 20. Ja-nuarii in Schlesien bey Beerdigung des verstorbenenletzten Hertzogs von Brieg, und neulicher Zeit inDreßden bey dem Begängnus des ChurfürstlichenSächsischen Land-Cammerraths Kromsdorffs, als desletzten dieses Adelichen Geschlechts geschehen."
Bei der Beerdigung des Georg Veit Dörrer (f 22. Aug.1706) in Nürnberg hielt der Lieutenant Bayer die vonDr. Christoph Scheurl aufgesetzte Standrede. Der Dörrer'-sche Schild und Helm wurden zerschlagen und auf denSarg geworfen. Der Schluss der Standrede lautete:
„Alldieweiln es aber an dem, dass mit unsermn ent-seelten Herrn Dörrer, als lezten rechtmässigen Stamm-und Wappensgenossen, Schild und Helm UraltadelichenGebrauch nach, beerdiget werden soll; als nehmen wirvon den Dörrern Adelshelm, an statt der in die Gräbergestreueten Blumen die Plumage und statt der Rosen,die in dem Dörrerischen Wappenschild befindliche Rochen,und streuen die zerstückte Schild- und Helmstücker, mittausendfachen Danckruf, in die Dörrerische Gruft, dasauf dem Helm befindliche, Hand- und Fuss-lose Graisen-Bild aber kan uns des Termini erinnern, und dass alhier,wie jetzo meine Rede. so des adelichen DörrerischenM nns-Staminens Termin sey : nemlich heute Dörrer,nun und nimmermehr Hie Terminus esto \"'*)
Im 18. Jahrh. sind noch eine ganze Reihe ahnlieber Leichenbegängnisse in Nürnberg vorgekommen.
Einer Zeitungs-Nachricht entnehme ich, dass am20. April 1885 der als Letzter seines Geschlechtes ver-storbene Königl. Bayerische Kämmerer MaximilianFreiherr von Palaus, Campau und Razöz mit ähn-lichen Ceremonien zu Bamberg begraben wurde. EinFreiherr von Redwitz zerbrach das Palaus'sche Familien-wappen und warf die Trümmer in die Grnft, währender die Worte sprach: „Von und zu Palans, heute nochund nimmermehr."
Dieser Gebranch, welchem es n : cht an Poesie fehlt,ist auch unseren Dichtern bekannt, wie das Motto desgegenwärtigen Capitels zeigt Ein anderer mit demWappenwesen wohlbekannter Dichter, Jean faul (Titan1800, I S 485) sagt:
„er sah das Wappen verkehrt einhauen und den
1) Kaiserliches Wappenregal S. 21.
2) Würffei Nachrichten z. Nürnb. Stadt- u. Adels-gesch. I. 382 f.
Schild verkehrt aufhängen und hörte die Schaufeln, dieden Helm zerstiessen und dem Sarge nachwarfen."
In den Niederlanden, wo die Ceremonie nach fran-zösischer Art strenger regleinentirt war, fiel die Leitungderselben einem landesherrlichen Wappenbeamten zu.Ich füge das Protokoll über eine im J. 1657 executirteEingrabung von Wappen bei:
„Ceremonie pratique ä l'enterrement des armes defeu Mefsire Maximilien Hinckaert, dernier hoirmafle et chef de nonv et Armes de la trefnoble Maifonde Hinckaert, par Mefsire Jean de Launay, Cheva-lier etc. Officier d'Armes ordinaire de fa Majeste, enl'Eglise du Village de Bergh le 21 jour d'Aouft l'an1657. felon la coustume observee d'anciennete, estanticeluy revestu de fa cotte d'Armes.
Les funerailles dudit deffunet estant faites, leditOfficier d'Armes ordinaire de fa Majeste environne desparents y afsiftants et convoquez, profera devant laCave ou le corps fut euterre les mots qui s'enfuivent:
„Je Jean de Launay declare qu'eftant venu ä de-ceder de ce monde feu Mefsire Maximilien Hin-ckaert dernier hoir mafle et chef de nom et armesde la tres-noble Maison de Hinckaert, il est coustumede toutte aneiennete d'enterrer les Armes de la Maisonesteinte, ce que je viens executer. Je declare donc enprefence de cette noble afsemblee que fi quelqu' un ypretend avoir interest, aurat a parier."
Puis il dit trois fois ä haute voix:
„Mefsieurs or oyez, or oyez, or oyez: N'y at il per-sonne qui reclame? Messieurs vous ferez doneques tes-moins que je vay faire mon office."
Apres il prit le blafon d'armes de la fusditte fa-mille, lesquelles furent gravees für cuivre efmaillees deleurs metaux et couleurs, für le dos desquelles estoientgravez ces mots:
„Ce jourd'huy 21. d'Aouft 1657 furent enterrez cesarmes de la tres noble Maison de Hinckaert esteintepar la mort de feu Mefsire Maximilien Hinckaert,chef de nom et armes et dernier hoir mafle de laditteMaison, qui fut tue malheureufement le 20 Juillet 1657priez Dieu pour fon ame."
Et les jettant dans laditte cave pres du deffunetet prennant par apres une pefle en main, avec laquelleil jetta trois fois de la terre dans laditte cave für lesarmes, difant ces mots:
„Au nom du Pere, du Fils et du S. Efprit; Dieuveuille faire mifericorde aux ames du deffunet Seigneuret de fes nobles Predecefseurs" 3).
10. Capitel.Die heraldlttehe Kiehnüfühne.
Mit dem Beginne des 15. Jahrhunderts wird end-lich die wappengeschmückte Lehnsfahne nachweisbar.Indem ich wegen der Vorgeschichte auf das früher Ge-sagte (S. 291 ff.) verweise, lasse ich, um den interessan-ten Act zu veranschaulichen, einige alte Original-Be-schreibungen folgen.
K. Sigmund investirt 1415 den Burggrafen Frie-drich V. von Nürnberg mit der Kur und Mark Bran-denburg.
„Die Investitur ist zu Costnitz gar herrlich vndmit grossem geprenge gehalten worden, dauon Nauclerusalso schreibt:
Des Morgens sind etliche Graffen, Freyherrn undEdelleute haufenweise durch die Stadt dreymal auffvnd nider geritten vnd haben zwo Fahnen mit sich
3) Chriftyn, jurisprud. heroica I S. 128.