Geschichte der Heraldik. III. 3.
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7. Capitel.
**«»« Happen In Kirchen und an kirch-lichen Gierathen.
Seijet! wie ein golbucr Stcrm21us ber Ejülfc, blanf uub eben,Schält ftcb ber mctallnc Kern.E>on bem f^clm jum Kratt3Spiclrs rote Sonnenglans.Jludj bes IDappens nette Sdjilbcr£obcn ben erfahrnen Silber.
Schiller, Lied von der Glocke.
In den Kirchen wurde das Wappen des Patronsangehängt, an die Wand gemalt, oder an Kircheuge-räthen angebracht. Geschenke an die Kirchen wurdenmit den Wappen der Stifter verseilen.
In der Marienkirche zu Mühlhausen in Thüringen(aus dem 14. Jahrhundert) finden sich unter neun nochvorhandenen, aus Schmiedeeisen hergestellten, auf denKreuzblumen der Choranlage angebrachten Zierrathendrei Wappenhelme. Hans Breymann ] ) berichtet darüber:
„Beginnen wir mit der Betrachtung der einzelnenStücke an dem südlichen Nebenchore der Kirche, sotritt uns zunächst auf der ersten Fiale neben dem Kreuz-schiffe ein Topf heim entgegen mit einer Helmzier,Welche wohl auf den Meissen'schen Helm schliessen lässt.Der vordere Theil ist plastisch gearbeitet und auf demhmteren Bleche aus welchem gleichzeitig die Helmzierangeschlagen ist, aufgenietet. Die Befestigung desganzen an der in den Stein der Kreuzblumen eingrei-fenden Eisenstange geschah derart, dass der Helmw i e eine Windfahne sich drehen kann.
, „Auf der nächsten Fiale nach Osten zu gewahrenw ir sodann ebenfalls einen Topfhelm von gleicher Her-stellungsweise , wie der vorige; jedoch deutet hier dieHelmzier, anscheinend Büffelhbrner mit Lindenzweigen,auf den Thüringischen Helm.
»Wir kommen nun zum Hauptchore und erblickeneinen Kübelhelm vollkommen rund gearbeitet und mit«mein langen Adlerflug geziert. Auch dieser Helm istdrehbar."
Eine Wappentafel — Aetzung auf Soleiihoferötein — in der dem deutschen Ritterorden gehörigenLechkirche zu Graetz2) vom J. 1570 enthält im Mittei-teide das Wappen des damaligen Land-Commenthurs zuyraetz, Leonhard Formentin von Tolmain (in Verbin-dung mit dem Wappen des Ordens, darüber die Buch-staben G.V. G., mit architektonischen und allegorischen^ugaben. Unten befinden sich auf breitem horizontalemstreifen Inschrift und Jahreszahl. Das Ganze, mit Aus-nahme des Feldes, auf dem sich das Wappen präsentirt,ist bemalt, in den Winkeln der Pfeilerfüllungs-OrnamenteUud der Kronen und Helme sind Spuren ehemaliger Ver-goldung bemerkbar. Die Tafel ist kein Grabstein son-dern eine Gedächtnisstafel, welche des Herrn von For-nientin „Erb- auch Ambtsclainodt und Wappen" darstellt.. Der Tyroler Dichter Hans Vintler (1411) lässt sichu "t grosser Entrüstung über die „allerschnödeste Hof-'arth" aus, welche Geräthe, die zu heiligem GebraucheifiK* 11 ' mit Wappen schmückt:9 653 so haben ietzund etleich herrendie allersnödisten hochfart,als si ie bechennet wartals umb die schilt und panierund ander wunderleich groyr
1) Herold 1886. S. 56.VT 2) Mittheilungen der k. k.xn I. Jahrg. S. I
die da in der chirchen stecket,
und mit dem selben so wecket9660 man neur die abgötterei
und vergisst man got da pei.
wann es sieht maniger man
die wappen also mit vleis an,
das er vergisst der heilichait da,Ferner:9683 Willielmus tuet uns auch chunt
in seinem puech Racional
das etleich edling sein so chal
die sich lassen genuegen nicht
an den schönen panier liecht
die da in der chirchen hangen,
es muessen auch ir wappen prangen9690 an den kaseln und umeral
da man got inne wandeln sol;
so sein die kelch mit wappen geziert,
da man got inne celebriert.
das Verheugen die pfaffen als gerait9695 umb aine pöse geitichait
als das auch geschriben stat
in dem capitel und in dem rat
das do sagt von der begrebnus
und das sich anhebt alsus:9700 „der selbe schad et cetera"
ach wie ain pöse avaricia
ist ain soleich symonei!
sullen nu pfaffen ain soleich chrei
tragen mit den spilleuten9705 die da pfeifen sullen den preuten,
und sullen wappen als herolt tragen!
sullen si des ain ere haben
das si haben der pfeifer ampt ?
pfui hin pfui her der grossen schant!9710 wissen si nicht, das das Racional
hat geordent, kasel und umeral,
das iegleichs sol haben ain chreutz,
das da sei für alle scheutz?
es möcht sich leicht also fuegen,9715 das etleich den teufel truegen,
ob er in wurd auf genat
für ain wappen, also stat
sein si an dem lieben got,
also machen si in ze spot.
Auch Cassaneus ist der Meinung, dass den Stifterndas Verdienst geschmälert wird, wenn sie ihr Wappen,an dem gestifteten Gegenstande anbringen lassen.
In einem alten Reim, welchen Wiguleus Hund*}im Kloster Mallerstorf gelesen hat wird dagegen er-innert :
Ihr Wappen seind entworffen do
Das wir jhr vergessen nicht
Gen Gott mit vnsers Betes frücht.
Wan sie jhr Gab vns geben han,
Durch Gottes Ehr auff guten wahn etc.In der Regel ist das Anbringen von Wappen inden Kirchen das Zeichen der Kirchenherrschaft.
Als die Herzoge von Meklenburg, namentlich derHerzog Magnus um 1500 dem eingerissenen Unwesenin den Klöstern durch Reformation derselben zu steuernversuchten, sollte auch das Kloster Doberan visitirt undreformirt werden. Hiegegen protestirte der Abt Eber-hard von Amelungsborn (dem Mutterkloster) in einemvom 21. Juni 1502 datirten an die Herzoge Magnusund Balthasar gerichteten Schreiben, in welchem esu. a. heisst:
Centralcommission. N. F.
3) Bayerisch Stammenbuch I, 101.