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Geschichte der Heraldik. III. 3.
„Jedoch, gnedigeu leuen hern, dat de voreynungetwischen Iwen gnaden vnde vns nyclit bedecket werde,bidde wy dechlikes vor Iwe furstliclie gnade, gelickvnsen waren fundatoribus, vnde hebben des eyne be-wysinge Iwer gnaden wapen in vnses stiffteswolfte') bouen vnsem lioaltare, dar mede wy schul-len ewicli rayd Iwen fürstlichen gnaden vor-brodert wesen, vnde vns dar vor to vnsemenrechten beschütten vnd beschermen" 2 ).
Es wird daher, wenn dritte Personen ihre Wappenin den Kirchen aufhängen oder anbringen lassen wollen,dafür gesorgt, dass dem Patron daraus kein Nachtheilerwachsen kann.
Eine Polizeivorschrift E. E. Rathes zu Nürnbergaus dem 15. Jahrhundert verbietet bei einer Strafe von2 Pfund neuer Heller, hinsichtlich der Kirchen zu S.Sebald und S. Lorenzen, im Neuen Spital oder U. L. P.Kapelle, dass jemand
„in einichen stul derselben kyrchen, noch an oderin dieselben kyrchen, eynich gemehlde, schylt, zaychenoder tafeln nyt schlahen, hencken oder malen auch nitabprechen lassen, auch auf kaynen grabstein eynichenschylt oder zaychen machen lasse on wissen undsonder vergunst des kyrchenmaysters" *).
Michael Praun schreibt 1685 4 ) mit Eecht:
„Zu Nürnberg ist ein schöner modus probandi No-bilitatem, da fast ein jeder Geschlechter, der stirbt,sein Wappen in der Kirchen und sonderlich bey St. Se-bald auffhencken last: darunter sampt dem Tag undJahr auch die Würde, die er getragen, geschrieben zubefinden ist. Und da man sonst niemand leichtsein Wappen, als den Nürnbergischen Ge-schlechtern lasset aufhencken."
Zwischen dem Domkapitel zu Basel und der Zunftder Hufschmiede wurde Ende des 15. Jahrh. bezüglichder Verwaltung der St. Eligius-Kapelle u. A- Folgendesvereinbart:
7) Doch sollent die hufschmide und ir nachkommenin der benanten capell kein bruderschaft noch begreb-nifs uffrichten, schilt oder zeichen molen oder howenlassen.
8) Und ob die glasvenster anders verglasen wür-dent, sollent sie och kein zeichen noch schilt darinmachen, sunder die vorderigen schilte und wapen, alsdie sind, belieben oder wider darin machen losseu, nochdheinerley andere gerechtigkeit darinn haben, dannallein zu lob und ere dem heiligen S. Elogien den altarund die capellen zieren mit messen, messgewanden,kelchen, altartüchem, bilden und gemeiden . doch somögent sie und ir nachkommen an die taflen,messgewand, kelch, fcnsterlin oder dergleichendinge, so sie an und in soliche capellen oder an andernenden in der stift geben und machen werdent,ire zeichen tun und molen lofsen" 6 ).
Im J. 1508 sollten bei der herzoglichen Begräbnissim Kloster Seligenthai bei Landshut Schild und Pa-nier des Herzogs Georg des Reichen von Bayern-Landshut (f 1. Dez. 1503) und seines Schwiegersohnesdes Pfalzgrafen Ruprecht (f 21. Aug. 1504) auf-gehängt werden. Der Hofmeister des Klosters UrbanKärgel verweigerte indess die Zulassung der Todten-schilde, weil Pfalzgraf Ruprecht in dem, seinem An-denken gewidmeten Schilde als Herzog von Ober-und Niederbayern bezeichnet war. Der Vormünder
des Herzogs Wilhelm von Bayern - München billigte ineinem Erlasse *) vom 13. Juni 1508 das Verhalten desKloster-Hofmeisters und ertheilte demselben den Befehl,Schild und Panier des Pfalzgrafen Ruprecht nur dannzuzulassen, wenn derselbe als „Pfalzgraf bei Rhein undHerzog in Bayern" bezeichnet würde. Das war be-kanntlich der Titel, den alle Mitglieder der pfälzischenLinie führten.
Zur Erläuterung dieses Vorganges muss nothwendigdie politische Constellation jener Zeit in wenigen Wor-ten klargelegt werden.
Herzog Georg der Reiche von Landshut starb 1503ohne männliche Leibeserben, nachdem er seinenSchwiegersohn Ruprecht ven der Pfalz zum Erben sei-nes Landes eingesetzt hatte Nach dem Hausvertragevon Pavia (1329) war aber die weibliche Successionunzulässig, — die Münchener Linie machte ihr Erbrechtmit Entschiedenheit geltend. Es kam zum LandshuterErbfolgekriege der 1505 zum Nachtheil der Söhne desPfalzgrafen Ruprecht endete. Das hinterlassene Landdes Herzogs Georg verblieb den Haupterben HerzogAlbrecht IV. und Herzog Wolfgang von München.
Hieraus geht hervor, dass es allerdings den Rech-ten der Münchener Linie präjudicirlich gewesen wäre,hätte man die Aufhängung des Schildes mit dem bean-standeten Titel zugelassen. —
„Sub d. ult. Mart. 1581 wurde von Hans Sigmundvon VV öl wart auf Polsingeu (im Fürstenthum Ansbach)wegen seiner an die dasige Kirchenfahne und Uhr-Tafelngemahlten Wappen, Herrn Marggraf Georg Frie-drichen von Brandenburg ein Revers ausgestellet, dasssolches dessen alda habenden Kirchen-Ge-rechtsamen unschädlich seyn solle"').
In Estavayer (Stadt am Neuenburgersee, Schweiz)wurden 1598 mehrere Bürger zu einer Busse von 10Gulden verurtheilt, weil sie unerlaubter Weise ihr Wap-pen in die Kirche malen Hessen 8 ).
Vielfach mögen die in den Kirchen aufgehängtenWappen nur Erinnerungswappen sein.
Peter Smylow, ein Mitglied der Lübecker Zirkel-brüderschaft verfügt in seinem Testament vom J. 1386:
„Vortmer, den Junchern, de den Cyrkel draghet,gheve ik C Mark Lnb. also beschedeliken: isset dat sekopen wyllen eyn Hus, edder raaken ene dechtnysse,vnde wyllen myne wapene laten henghen by deranderer Juncheren Wapene in sunte Katherinen Keiken,vnde dar to in der Cappelen" ').
Aus Anlass einer Reparatur der Kirche zu Hilter-fingen (bei Thun. Schweiz) verordnete Conrad v. Schar-nachthal durch Testament 1474 ein Fenster mit seinemWappen in den Chor der Kirche 10 ).
Die Kammer von Innsbruck erliess 1562 am 20. Maifolgendes Sehreiben an die Regierung von Innsbruck:
„Dieweil der Herr Prelat zu Murj Ain guetterÜesterreicher vnd die Stiftung so alt ist. So liefsIr die Camer gefallen. Das dem Heggenzer beuolchenwurde . zu Zürch (da ain guetter Maler und Schmelzersein solle) das alt vnd new Oefterreichisch Wappen inainem Glafs neben ain annder oder quartiert vund da-rüber ain Erzherzog Huettl . oder aber der Rö: Kay:Mt: yezig Wappen. Welches Sy die Herren für pefseranficht, fchmelzen zulassen. Auch den Cofsten darzu-
1) Das ist Gewölbe.
2) Meklenb. Jahrbücher VI. 179 f.
3) Monatsblatt des Adler 1844. S. 159.
4) Adeliches Europa S- 155.
5) Anzeiger f. K. d. d. Mittelalters III. Jahrg.(1834) S. 208.
6) Vergl. Urkunde No. 82.
7) Gottfr. Stieber, histor. u. topogr. Nachricht vondem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Schwabach1761. 8«. S. 631.
8) Anzeiger f. Schweiz. Alterthumskunde 1883. S.384.
9) Meklenhurgische Jahrbücher X. 64.
10) Anzeiger f. Schweiz. Alterthumsk. 1882. S. 239.