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Geschichte der Heraldik. III. 3.
lieher, zu Dechbetten Georg Ziemgibel paur alda sichins Würthshaus verfüget und zu dem Würth AndresNeu vermeldet, Er solle die allda ausgehängt gewestehochstüfft. Wappen herunter reißen, wobey Er sich deraustruckhungen gebraucht formalibus Würth reiße s. v.den Dreckh (angeführte Wappen: oder Schildt vennai-nent) herunter und werffe den Pfifferling in Ofen, wanndie Preuss. Hussarn kommen, so zaigen wür ihnen stattsolcher die Bayr. Wappen vor, welche ohnedem gleichvorn Dorf darauf stehet, so folglich auch geschehen ist,daß auff anschaffung erdeutten Zierngibel's gedachterWürth zu Dechbetten widerholt hochstüfft. Wappenoder Schildt herunter genommen welche auch allerdingszerbrochen und zerschlagen ist, allermassen Er Amtmannselbe hiemit zum Amt gebracht und vorgezaigt habenwill, sich anbey gehorsamb empfelchent.
, Georg Zierngibel paur zu Dechbetten erscheint aufcitiren anheunt beim Amt und wiedert auf den ihmegemachten vorhält: daß Er sich unterfangen, mit einigerunerlaubten austruckhung den Würth alda jungsthinzu schaffen, die bei selbem aufgehängt geweste hoch-stüfft. Wappen und Schild herunter zu thuen, entgegengehorsaml.: wie daß solches bloß aus schrecken undforcht des ausgestreut-gewesen Lermen samb die Preuss.trouppen hiehero kometen, geschehen in dem Er Ziern-gibel eben ein solches sogleich nicht überleget, daß Erdißfahls sich verfählt haben solte, bittet demnach ge-horsaml solch seinen begangenen fähler für dermahlengroßgünstig zu condoniren, sich anbey zur gnadigenStraff solchermassen submittirent.
„Andres Neu Wirth zu Dechbetten erscheint undwiedert auf den ihme gemachten vorhält, warumben Erersthin die bey ihm ausgehängt hochstüfft. Wappen, undSchildt herunter genommen, was massen Georg Ziern-gibel paur alda zu ihme Würth gekommen und nach-truckhichist geschafft, Er solle angedeutten Schildt for-malibus den Pfifferling herunter nemen und verprennenweillen dem allgemainen ausstreuen nach die Preuss.Hussarn hiehero kommen sofolgl. dann auch widerholterWürth auff angezaigtes zuemuthen und anschaffung desPaurns gleichwohlen gethann, sohin selbe herunter ge-nommen, da dann eroffterter Schildt von ungefähr zer-stossen ist, dem Er sodann bey sich in Haus auff dempoden auffgehebet, ohne dass Er geglaubt dißfahls sichseines orths zuuerfählen, sondern vüllmehrers gemuth-maßt, die paurn werden solches herabnemen, ihne würthohne Grundt nicht zuemuthen."
Hochfürstl. Eegenspurg. PflegAmt Bärbing.
Der Pfleger Christian Adam Molitor übersandte dasProtokoll am 9. Decbr. 1762 dem Hofrath zu Regens-burg, welcher bereits zwei Tage später rescribirte:
„Befehlen Wir Dir hiemit gdst, beeden dises höchststräfliches Unternemmen nicht allein geschärfftist zuverweißen, und zur wohlverdienten Straff, doch vor d.mahl auß sondern höchsten gnaden dem Neu ain Tag,dem Zierngibl hingegen nebst Beyschaffung einer Neuenderley Wappen zwey tag nach einander und zwar iedenain Stundt lang Vor und Nachmittag in dem Stockheinspörren lassen. Hinnach daß Wappen durch denWürth wiederum aufmachen zu lassen. Seint etc. Re-gensburg den 11. Decbr. 1762."
Hof-Rath.
Wegen dieser wiederaufgerichteten Wappentafelentstanden 6 Jahre später Differenzen mit dem benach-barten Bayern. Ein Protokoll d. d. Barbing 3. Mai1768 erzählt:
»Johann Biersackh unnd Jacob Spitlpaur beede ge-meins führer zu Dechbetten bringen gehorsamblichenan, was massen am verwichenen Freytag den 29. Aprilder geriebt Haydauische Ambtmann knecht von Münt-raching mit 2 Männern von Burgweinting Abents umb5 Uhr in das Dorf Dechbetten zu dasigen WUrthshause
kommen vnnd Sye beede Führer dahin berueffen . sodanihnen eine gerichtliche Ambts-Zötl vorgelesen habe,crafft dessen die am Würthshause geheffte hochstüffti-sche Wappen Tafel herabgenommen werden solle, Wo-rauf ermelter Amtsknecht Sye führer gefragt, wan diseAlda aufgemacht worden, vnd wie lang alda hange?Deme Sye geantworttet, wie daß solches in vorleztenkriegs Zeiten beschehen, über diß gedachter Amtknechtvermeldet ob Sye diese selbst guetwillig herabthuenoder ob Er solche selbst abnemen müsse, deme Sye ge-antwortet, Sye unterstehen sich nit dise abzunemen,Worauf ersagter Ambtknecht eine Laitter herzue ge-bracht, auf solcher hinaufgestigen, vnnd erwehnt hoch-stüfftische Wappen Tafel herabgerissen, dise denen beysieb gehabten Männern gegeben: vnnd gesagt, sye sol-len es nacher Muntraching bringen, Woryber Sye füh-rer forth: vnd nacher Hause gangen."
Der Pfleger, Christ. A. Molitor übersendet diesesAnbringen mit Schreiben vom 3. Mai 1768 dem Hof-Rath zu Regensburg, welcher dem Kurfürsten ClemensWenceslaus, der zugleich Bischof von Regensburg war,folgenden Immediatbericht erstattete.
„Rever?^ et Seren??! etc -
„In dem letzteren Churbayerischen Krieg wurde indero Hochstiftisch-gefreyten Dorfschafft Dechbetten undzwar in der dasigen Tafern eine Tafel mit dem Reichs-Adler und Hochstiftischen Wappen zu den Ende ange-hänget, damit die dasig hochstifftische Unterthanen vondenen eingetrungenen Kayserl. Trouppen von allerBrand - Schätzung und anderen Executionen verschonetbleiben möchten und dieß um so billiger als diese Dorff-schafft mit denen übrigen dreyen in Vertrag de anno1604 enthaltenen nach eigener Geständnüß des Chur-bayrischen Ministerij die Creif- und Reichs Steuern zutragen hat. Diese Tafel wurde aber von dem Chur-bayerisch -Müntrachingischen Amtknecht mit Beyhilffzweyer bayerischen Bauern herabgenohmen und durchleztere nacher gedachten Muntraching gebracht, wiedieses aus der C'opial Anlag mit mehreren zu entnehmen.
„Welch abei mahliges unternehmen mit gleichgültigenAugen nicht angesehen werden kan und eben dämmenerforderlich seyn will dieses so unglimpflich, als wider-rechtliche Verfahren Sr. Churfurstl. Drtl. in Bayern zuSalvirung der Hochstifftischcn Gerechtsame, dan Zurück-stellung der Tafel vorstellig zu machen.
„Ob nun aber Euer Churfurstl. Drtl. nicht selbstenein Schreiben an Dero Durchlauchtigsten Herrn Vetternzu erlassen gdgst. geruhen oder es von Dero hiesig-weltlichen Regierung befolgen lassen wollen hirinfallsgeben Wir nicht die allermindeste Maaß, sondern thuenzu Churfurstl. höchsten Hulden uns unterthgst. gehbst.empfehlen. Regensburg den 7. May 1768.
Euer Churfurstl. Drtl."
(folgen die Unterschriften: Carl Graf von RecordinDomdechant Statthalter; Joseph Maria Reichsfreih. vonLerchenfeldt Dom Probst; Johann Carl Frhr. von VöhlinDom Scholasticus u. s. w.)
[Rand-Bescheid:]Prod. den 26. May 1768.
„Es ist allerdings die abermalen angemaßte ChurBayerische Abuehmung einvermelter Tafel eine solcheThathandlung, welche stillschweigend nicht übergangenwerden darf, bevorab aber Ihro Churfürstliche Durch-laucht höchsteigenhändig selbsten an des Herrn Chur-fürsten von Bayern Dero Herrn Schwager dieserthalbenschreiben, halten Höchstdieselbe vorerst rathsamer zuseyn, dass von Ihro weltlichen Regierung fordersamstan hochgedachten Herrn Churfürsten die gütliche Re-medur gesonnen werde. Sign. Ehrenbreitstein ut supra.
Clemens Wenceslaus Churfürst."
Damit sind die Acten zu Ende.