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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 3.

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In den scandinavischen Königssiegeln kommen Kro-nen als Siegelbild oder als sphragistische ßeizeichennicht selten vor. Ich kann hier auf dasjenige verweisenwas ich früher in Bezug auf Schweden (S. 257) undDänemark (S. 275) gesagt habe. König Erich Menvedvon Dänemark, der den Thronsiegel - Stempel seinesgleichnamigen Vaters fortbenutzte setzte in denselbenals Beizeichen um seine Siegel von denen seinesVaters zu unterscheiden zwei Kronen. Demnächsterscheint 1301 in dem Seeretsiegel des Königs Ericheine vereinzelte Krone als Siegelbild.

König Magnus Erichson, der im Jahre 1319 alsdreijähriges Kind Schweden und Norwegen erbte, führtauf seinen Münzen die Krone in bedeutsamer Dreizahl,auf der anderen Seite das Wappen der Herrscher ausdem Stamme der Folkunger, beide ohne Schild.

Wenn die Krone, was unbestreitbar, das Symboldes Königthumes ist, so deutet die Dreizahl auf eindreifaches Königreich. In der That nennt sich MagnusKönig von Schweden, Norwegen und Schonen.

Nicht ganz abzuweisen ist indess eine Beziehungauf St. Erich, den Nationalheiligen Schwedens, eine Be-ziehung, die durch die Siegel des Domcapitelsvon Upsala geknüpft sein mag.

Das f Sigillvm . Capitvli . Ecclesie . Vpsalensis .von 1275 enthält in einem gotbiscben Chor das Bild desersten Patrons der Domkirche, St. Laurentius mit demRost in der Hechten ein Buch in der Linken. Dasgleichzeitige Contrasigill mit der Umschrift Scs .Ericys . Hex . Et . Martir, enthält das Kniebild desHeiligen, mit der Krone bedeckt, in der Kechten denReichsapfel, in der Linken ein Scepter haltend.

Das Secretsiegel des Domcapitels zu Upsala (Se-cretvm . Capitvli . Eccl'ie . Vpsalensis .) vom J. 1310enthält einen gothischen Chor, in welchem der Patronder Domkirche St. Erich (als solcher auch durch eineInschrift S . ERICVS bezeichnet) steht, in der Rechteneinen Scepter haltend, auf dem mit Nimbus umgebenenKopfe eine Krone. Neben dem Chor im Siegelfelderechts und links noch je eine Krone.. Ich will es jedoch dahingestellt sein lassen, ob etwaeine .diesem Siegelbilde zu Grunde liegende Ueberliefer-ung die ursprüngliche Veranlassung zur Wahl der dreiKronen gegeben, oder nur nachträglich zur Deutungund Zueignung de3 Wappenbildes die Handhabe ge-boten hat.

Die Entwicklung ist nunmehr eine rasche. Von<=4 Grossen des Reichs, welche König Magnus verbannthatte, wurde ein Schwestersohn des Letzteren, HerzogAlbrecht von Meklenburg nach Schweden gebracht undseine Wahl zu Stockholm am 30. Novbr. 1363 durch-gesetzt. Der neue König überwindet den Folkunger inder Schlacht heiEnköping 1365, Magnus ertrinkt 1374.

In dem Secretsiegel des Königs Albrecht erscheinennun zum ersten Male die drei Kronen in einer voll-kommen heraldisirten Form als schwedisches Reichs-Wappen. Der Schild enthält die Kronen zu 2, 1 ge-stellt ; auf dem Helm sind zwei Stierhörner angebracht,<ue aussen mit Fähnchen besteckt sind 1 ).

Es war noch ein Sohn des Königs Magnus am Le-ben, Hakan, der König von Norwegen, vermählt mitMargaretha Tochter des Königs Waldemar von Däne-mark. Hakan starb 1380 und hinterliess seinem Sohneuiof die Reiche Norwegen und Dänemark. Doch starb

,. !) Abgebildet bei Hans Hildebrand, heraldiska StU-Uier. I. Dflt Srßnalr» i>.'lr.o. n «.<. Q 91

auch Olof bereits im J. 1387 als Letzter vom Mannes-stamme der Königlichen Folkunger.

Die Mutter Margaretha wurde nunmehr regierendeKönigin von Norwegen und Regentin von Dänemark;gleichzeitig wurde ihr von unzufriedenen Schweden dieschwedische Krone angeboten. In der Schlacht bei Fal-köping 21. Sept. 1389 wurde König Albrecht besiegtund gefangen genommen.

Alsdann wurde am 11. Juli 1396 vom SchwedischenRath im Beisein der Königin Margaretha der Sohnihrer Schwestertochter, Herzog Erich von Pommern zumKönig von Schweden erwählt. Am 20. Juli 1397 kamdie Union von Calmar zu Stande und die Krönung desKönigs Erich wurde vollzogen.

König Erich führt in seinem schwedischen Se-cret ein Kreuz, das belegt ist mit dem Kronenschilde.

Von den unzufriedenen Schweden wurde im Jahre1435 Karl Kuutson (Bonde) zum Reichsverweser erwähltund dem König 'Erich (f 1459 zu Rügeuwalde) fürimmer Treue und Gehorsam gekündigt.

Dieser Reichsverwesung gehört das auf unsererTaf. 7 abgebildete, dort aber irrig mitKönig Erich"überschriebene Reichssiegel vom J. 1436 mit der Um-schrift: Sanctus . ericus . fceoorum . gotfyorum . rej .SigiÜDm rcgtii Socrie. Das Siegel zeigt den heiligenErich, den Kronenschild haltend.

Aus diesem Verlaufe ergiebt sich, dass die dreiKronen nicht etwa das Wappen der zu Calmar geeinig-ten drei Reiche, sondern das durch Sagenbildung nach-träglich entstandene Wappen des heil. Erich 2) und sei-nes Landes Schweden sind.

Ein Factor der Wappenbildung, der nicht ganzübergangen werden darf, ist der Zufall und der Miss-verstand!

Die Stadt Freiburg im Breisgau benutzte für dievon ihr geprägten Münzen den Kopf eines Adlers alsMünztypus. Dieser Vogelkopf, volksthümlich alsRap-pen" (Rabe) gedeutet, machte allmählig dem wirklichenWappen der Stadt (rothes Kreuz in Gold) eine so ernst-liche Concurrenz, dass es seit Johann Sibmacher vonden meisten Autoren und Wappenbüchern als das Stadt-wappen bezeichnet wird. Ein anscheinend nicht in Ge-brauch gezogener Münzstempel vom J. 1620 enthältsogar einen vollständigen Raben als Münzzeichen').

Die Stadt Hall (Schwäbisch Hall) führt im 14. Jahr-hundert und später in ihrem Schilde pfahlweise zweiScheiben, die obere mit einem ledigen Kreuze, die unteremit einer Hand bezeichnet. Das Wappenbild istein redendes, es bezeichnet die Vorder- und dieRückseite eines Hallers (Hellers)*). Eine spätere Zeit,welche diese Bedeutung nicht mehr kannte, hat die Schei-ben in Schilde umgeformt, und aus ihnen, die ursprüng-lich vereint das Wappenbild ausgemacht hatten, zweiverschiedene Wappen gebildet, deren Ursprung zu er-gründen sich die Heraldiker vergeblich bemüht haben.Schon eine Münze der Stadt vom J. 1545 zeigt zweiausgebildete Schilde, der vordere mit dem Kreuz, derhintere mit der Hand bezeichnet.

Det svenska riksvapnet S. 21.

2) In ähnlicher Weise wurde in Schweden die Heer-oder Reichsstrasse Erichs - Strasse genannt. Auf dieseBenennung spielt der Umdichter von VolksmärchenJ. K. A. Musäus in der ersten Rübezahl-Legende an:Dieser Jagdenmüde, zog er wieder seine Ebrich-st rasse durch die Regionen der Unterwelt."

3) Notizen in Vossbergs Nachlass.

4) Die Giesser in München, eine Münzer-Familie, führten eine Hand mit Kreuz belegt im.Wappen.