Geschichte der Heraldik. III. 3.
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stehenden Biber im blauen Felde als Wappen führendürfe" i).
Nicht immer wurde jedoch die kaiserliche Gunstbe-zeugung nach ihrem Werthe gewürdigt.
Als der Stadtschreiber Lazarus Ehrenberg vun Gör-litz von seiner Mission zum Kaiser Sigismund — welche30 Wochen gedauert und der Stadt 229 sco. 5 gr. ge-kostet hatte — einen Wappenbrief als kaiserlicheBelohnung für das Verhalten der Stadt gegen die Hus-siten zurückbrachte (1433). fand er in der Heimathschlechten Empfang. Der Rathsschöppe Laurenzius Ar-nold bemerkte: „ey lieber Stadtscbreiber, hättet ihr ge-bracht einen Esel mit gülden Hoden als ein Backofengross, der wäre uns viel angenemmer gewest denn dasWappen 2).«
In ähnlicher Weise urtheilt Spangenberg in seinem■Adelsspiegel (I. Theil S. 206):
»Hierbeneben tragt sichs auch wol zu, das offtgrosse Herrn jre Diener 3 ), Stallmeister, Köche, Plate-ner, Hoifschneider, Hufschmide, vnd dergleichen, so et-Wan lange bey jnen gedienet, sich wolgehalten, auchWol werth weren, das ihnen eine billiche ergetzung dar-<ur geschehe, nur mit blossem Adels Tittel, vnd ei-nem schönen g e m a h 11 e m W a p e n, S c h i 1 d t vndHelm begnaden, oder bey andern hohen Potentatensolebes, vnd das sie etwan roth Wachs zugebrauchenWacht haben sollen, ausbringen, vnd damit abweisen,denen sampt jren Weib vnd Kindern viel besser mitVerehrung einer gewiesen Summa Gelds oder Landgü-tern, ohne solche grosse Tittel geholffen were. Wieich denn derer selbst etliche gekandt, die jhres Adelsnernacher mehr spott denn ehre gehabt, dieweil sienicht so viel gehabt, davon sie jren Adelsstand auchnur ein wenig ansehenlieher für andern gemeinen Leu-ten, Bürgern oder Bawern haben füren können."
Es kam auch wohl vor, dass sich Personen, die aufuas Wappenverleihungs-Geschäft von Einfluss waren,durch Verheissungen „lieb Kind" zu machen vesuchten.00 erzählt die Zimmerische Chronik:._ »Uf dem reichstag zu Speir anno 1541, waren graf/laug von Montfort und her Johann Nanrs von^essanz kaiser Carls commissarii. Begab sich ein-rni "S, das sich der N a u r s gegen grauf Hau gen
, 1) v. Memminger, Beschreibung des Überamts Bi-berach. Stuttgart und Tübingen 1837. 8° S. 99 nachT - Pflummern, Annaleu der Reichsstadt Biberach. M. S.).
2) Dorst, Allgemeines Wappenbuch I, 136._ 3) Man vergleiche z. B. folgende Urkunde vom 27.Febr. 149G:
, »Dem erwirdigen Bertolden etzbischouen zu Menntz<les heiligen römischen reichs durch Germanien ertz-canntzler vnnsern lieben neven vnd churfürsten.
»Maximilian von gots gnaden römischer kunig zua 'len tzeitten nierer des reichs etc._ »Erwirdiger lieber neve vnd churfurst. Wir habenüannsen Strattner, vnnserm valckner, aus gnaden vndv nab seins verdienens willen, einen wappenbrief nachJnnhalt diser hireingeslossen copey frey zu schennckenjnd zu geben zugesagt. Und begern an dein liebe mit
«yss, ,j u vvellest denselben wappenbrief ferttigen vnd
e ^?'g e ln, vnd so der bereit ist, vns den furderlich zu-fi° n. damit wir den dem benanten vnnserm valckner
unter antwurten mugen, Daran tut vnns dein liebegut gefallen. Geben zu Swebischen Werd, an
ambstag vor dem sontag Reroiniscere anno etc. Lxxxxvj»nnserr reiche des römischen im eylften vnd des hun-gnschen im sechsten jaren.
»Ad mandatum domini Regis« proprium.",T,V/ i " le ?. Urkunden Briefe und Actenstücke Maxim. I.Wbhoth. des literar. VereinB in Stgt. X. S. 94).
anerbot, so er sein wappen bessern , wellt er imehierinen getrewlichen verholten sein; allegirt imauch vil exempla. Da antwurt im graf Hang, eswere von unuetten, er wellt sich seins alten wappensbehelfen und beniiegen lasen, da er aber das ihe ver-endern oder bössern sollt, wisser er nichs wegers, dann,seitmals er ain kirchenfanen im wappen, der kaiser hetin mit einem messuer oder sigristen begabt, der denfanen truege. Dise antwurt. name derNaurs zu gros-sem verdruss an, als ob der grave damit des kaisersgnade wellt verachten. Aber es blib domals darbei."
4. Capitel.IVfe neue Wappen entstehen.
Auf die Entstehung der Wappen sind mancherleiUmstände von Einfluss, die Beschaffenheit des Bodens,die Thier- und Pflanzenwelt, die uns umgiebt, das Le-ben und Treiben, die religiöse Richtung der Bevölker-ung und ähnliche Verhältnisse wirken in einem zahlen-mässig nachweisbaren Maße auf die Wappen der Be-völkerung ein Nationale und provincielle Eigenthüm-lichkeiten sind überall wahrnehmbar.
Dem deutschen Wappenwesen ist zum Beispiel diePflege der Helinheraldik in einem so hohem Gradeeigenthümlich, dass man jedes Wappen einer nachdem 13. Jahrhundert fortlebenden Familie, welches desHelmes mangelt als undeutsch bezeichnen kann.
Wie merkwürdig, dass gerade zu dem Wappen desKaisers ein eigener Helm nicht überliefert ist!
Als der schwarze Adler in Gold amtlich zum Kai-seradler erhoben wurde, bestand zwischen Helmschmuckund Schild noch keine solche Verbindung, welche es zurNothwendigkeit gemacht hätte, zu dem Schildzeicheneinen Helinschmuck zu erfinden. Es war noch ganzallgemein in Gebrauch, dass im Schild und auf demHelm verschiedene Wappen zur Schau getragen wur-den. Für das Bedürfniss des Reichsoberhauptes lagdie Sache noch viel einfacher, da dasselbe auf demHelme die entsprechende Krone zu führen pflegte. Sowar es nachweisbar bis Kaiser Heinrich dem Luxem-burger , der als König eine einfache Laubkrone, nachder Kaiserkrönung eine Bügelkrone zu führen pflegte(Balduineum). Unter Kaiser Ludwig IV. trat eineAenderung ein. Aus dem auf S. 215 mitgetheilten Be-lege wissen wir, dass derselbe einen heraldischemHelschmuck geführt hat (zwei Hörner).
Die genaue Beschaffenheit des Helmschmuckes er-fahren wir aus der Düringischen Chronik des JohannesRothe '): die Hürner waren golden mit goldenem Laubbesteckt.
Es ist dieses der (wenn die Züricher Rolle die Far-ben richtig angiebt) lediglich im Metall erhöhte Hehn-
4) Derselbe sagt: „Kaiser Conradt der machtedornoch den vitzthuin zu Doringen unde zu HessinLodewigen gnand mit dem harte zu eyme graven vonseynes slosses wegen Schowinburgk unde ander gerichtedie her hatte vor dem walde, unde wart do gnant dergrave von Doringen, unde gap om do die alden woppindes landes zu Doryngen unde zu Hessen das vor jarenhatte herzöge Burghard, der eyn herre yn Doryngeuunde yn Hessin was, den die Ungirn ader die Hünenbey Isenache erslugen, das war eyn bunther lewe vonvier roten und von vier wissen stucken yn eyme blawenfelde unde das zymbir uff dem helme mit hörnern undecleblettirn silbern, also is der romische keisser gül-den füret." (Düringische Chronik des Johann Rothe.Herausgeg. von R. von Liliencron. Jena 1859 S. 256).