Geschichte der Heraldik. III. 3.
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schiessen, das ist der Zorn dess herten Gerichtz Gotesvber alle Maineyd Cristen, die do verprent vnd zerstörtwerden: Als Gristns jhesus auch ward gekrönt miteiner dumih Cron in dem Streit seines Leidens vndseiner Marter, also vnder dem grimmigen Leo, sehenvnnd vinden wir ein Krön von Rosen bezeychnet vmbFreud, die vnf begegnet in diser Zeit. Wann sicherBeyen wir getrew an Got, so stercken wir vnser LeibVnnd Gut durch das groß Heyl: wir zerstören alles Vn-heyl vnd vinden in dem künfftigen Zeit Seligkeyt, vnndwirdt vns Got ein milter Vater vnd erkennen was wirbegeren an Sei vnd Leib."
Ueber das Kreuz bemerkt Gebhardi *), ein nam-hafter Historiker des vorigen Jahrhunderts:
»Kaiser Friedrich III. gab das weisse Kreuz imrothen Felde (1468) seinem neuen S. Georgen-Orden,weil solcher die Reichs-Gränze gegen die Türken ver-theidigen sollte, und wie es scheint, machte er 1490aus diesem Kreuze auch ein neues Reichswapen; dennMan findet an seinem Grabe zu Wien in der oberstenStelle das VVapen mit dem Kreuze . . . Dieses ist miteiner gegipfelten Kaiserkrone bedeckt, und es scheinet,dass es das Wapen Germanieus 2 ) andeuten soll, weiles neben den kaiserlichen und italiänischen Schilderngestellet worden ist. Friedrichs Nachfolger verwarfenaber dieses Wappen, wenigstens findet man es auf kei-nem späteren Denkmal, ausser auf einem Siegel Maxi-milian des ersten vom J. 1495."
_ Wir haben gesehen, dass diesem Theile des Frie-drich'schen Königswappens eine Neuerung nicht zuwunde liegt. Anders steht es mit dem Schilde, derzur Linken stehen soll, für dessen Annahme ein äussererAnjass_ nicht auffindbar ist. Es scheint, dass schon K.Friedrich bei seinen Lebzeiten dieses Wappen fallenliess, da es sich unter den Wappen, die sein herrliches«rabmal schmücken, nicht vorfindet. —
In der Beschreibung des Leichenbegängnisses desMarkgrafen Johann von Brandenburg, Viee-Königs vonValencia im J. 1525 werden dessen Leibfarben er-wähnt, die in der Fahne, dem Helmschmuck und aufdem Schild zur Schau getragen wurden.
„Darnach kam ein fan von dreien S. G. seeligenFarben, als weiss, gelb und praun, darin gemalt S. G.■Keumen, vf franzosisch, diese nachvolgendt wort be-deutend: „es ist mein glück". Disen Fan trug ein Edel-mann, genant Don Johan Lorence de Villa Ratza.
„Nach disem wurd durch den Michel Charkh ge-tragen ein Stechhelm, getziert mit weissen, gelben undpraun Federn.
„Diesen volget nach Don Melchior de Boria, der™ n g ein stechschilt von den dreien Farben, wie der ge-?*nt fan, auch mit denselben obgemelten Reumen „es«t mein glückh."
„Nach disem kam ein pferd mit einer Deckh, weiss,gelb und praun, darin gemalt stund, der mer gemelt,. • Reum; dies pferd führten Don Fernando de He-r <>dio und Don Juan, Fabst Alexanders Sone" *). —
Heinz v. Luttern (Lütter) zu Loshausen (f 1559),
Anfangs im geistlichen Stande und Priester, vertauschte
«tt Zeit der Reformation diesen Stand mit dem Degen.
silK ^ nrte ' n einem gleich gespaltenen zur rechten
'bernen zur linken güldenen Schilde, eine zur rechten
1) Geschichte der Reichsstände I, 336.
■*) Wie Köhler in den Münzbelustigungen (VI, 399)me Wet, hielt schon Prof. Rinck von Altdorf den mitg n er Kaiserlichen Krone bedeckten Schild mit demrei l 2e für das Wappen Germaniens.
o) j>_ j u i_ Minutoli , Friedrich I. Kurfürst vonBrandenburg etc. Berlin 1850. II. S. 51.
gelbe zur linken weisse Lilie zu seinem neuerdings an-genommeneu Wappen" '). —
Endlich im Anfang des 15. Jahrhunderts wurdedurch die Neuerung der briefmässigen Wappen - Ver-leihung der Boden geschaffen, auf dem die Sucht nachWappen-Aenderungen sich recht entfalten konnte, ohnedass die betreffenden Herren zu befürchten brauchten,dass ihre materiellen Interessen geschädigt werden könn-ten. Sie waren durch die Autorität des Kaisers unddie Strafclausel der Wappenhriefe gegen alle Weiter-ungen gedeckt.
Dem Standpunkte des Wappenwesens entsprechendwurde nun die unerschöpfliche Wappemiuelle für allemöglichen Wappenänderungen in Anspruch genommen,für Aenderungen der Farben, Krönung der Wappen-thiere oder der Helme, Vermehrungen mit alten, lediggewordenen oder neuerfundenen Wappen, Alles war zuhaben, — das war eine erfreuliche Perspective für dienach Neuerung dürstenden Wappengenossen.
Mit den unendlichen Petitionen um Besserung desWappens scheinen selbst die gestrengen Herren vomReichsregiment zuweilen ihr liespött getrieben zu haben.Die Zimmerische Chronik erzählt:
„Bei wenig jaren darvor (nämlich vor 1541) dosuplicierten die Haller von Nurmberg an das kai-serlich reichsregiment, zu Esslingen domals, uinh hesser-ung ires wappens, aber der alt Ulrich Varnbuler,canzler, der übergab die suplication und referiert derHaller begern mit denen Worten, sprechendt: „Gnedigerherr (vermählt den graf Ulrichen von Helfen-stain) es begern anderhalbe pfening bösserung ireswappens der und der gestalt." Das kont niemandsverston, biss die suplication verlesen, do warens diedrei Haller von Nurmberg."
Im 16. und 17. Jahrhunderte kamen in Vorarlbergdie Wappenbriefe in Aufnahme. Der Kaiser und dieErzherzoge belohnten treue Dienste nicht selten mitsolchen sehr zierlich auf Pergament geschriebenen undgemalten Wappenbriefen, zudem hatten auch die s. g.Comites palatini das Recht, derartige Briefe auszustel-len und Wappen zu verleihen. Doch liegen mehrereBeweise vor, dass die Familien diese Wappen schonfrüher geführt hatten, ehe die Wappenbriefe ausgestelltwurden, so dass durch letztere das Wappen eigentlichnur legal bestätigt oder confirmirt zu sein scheint 5 ).
Die älteste- Urkunde über eine Wappenbesserungmag die folgende sein, welche dem Geschlechte vonKnöringen von König Ruprecht zu Heidelberg am24. Mai 1404 ertheilt worden ist:
Wir Ruprecht etc. bekennen vnd dun kunt offenlichmit diesem brieff allen den, die yn ansehen oder hörenlesen, das für vns komen ist der ersame Egloff vonKnöringen tumprobst des Stiftes zu Spire vnser protho-notar . vnd lieber getrewer vnd hat vns erczalt von
des vorgenannten namens wegen von Knöringen, dazwie wol derselbe name zehen, XX, XXX, XL, L, C vndmer jare vnd als lange, das kein ander gedechtnissewere, schilt vnd heim gefurt betten als ander rittervnd knechte zu schimpffe vnd zu ernste mit namen:einen wyssen ring in einem swarezen felde vnd vff dem
heim einen wyssen ring uff einem roten küssen. Jedoch
so meynt der vorgenannt name von Knöringen den vor-genannten helme mit seinen cleinaten zu beßern vndbatt vns diemüticlichen von seiner vetter vnd brüderwegen, daz wir dem vorgenannten namen von Knöringen
4) Strieder, hess. ßelehrten-Gesch. Bd. 16. S. 137.
5) Lorinser, Gedenkblätter der Familie LorinserS. 40.