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Geschichte der Heraldik. III. 3.
Diesen für jede Gelegenheit besonders erdachtenSehimpfwappen stehen aber dauernde persönlicheWappen, Lieblings Wappen oder eine erwählte Leib-farbe (persönliche Lieblingsfarbe) gegenüber, die denechten Wappen erheblich näher stehen.
Ein persönliches Lieblingswappen des Königs Eduarderwähnt Shakespeare:
Eduard.
Bin ich geblendet, oder seh' drei Sonnen?.Richard.
Drei lichte Sonnen, jede ganz vollkommen;
Sieh, sieh! sie nahn, umarmen, küssen sieb
Als ob sie einen heiligen Bund gelobten
Sind jetzt Ein Schein, Ein Licht nur, Eine Sonne.Eduard.
Ich denk', es mahnt uns, Bruder, in das Feld,Dass wir, die Söhne Held Plantagenets,Ein jeder strahlend schon durch sein Verdienst,Vereinen sollen dennoch ihre Lichter.
Was es auch deuten mag, ich willhinfüroDrei Sonnengötter auf der Tartsche tra-gen.Eichard.Nein, lasst sie weiblich bilden : denn, vergönnt,Ihr mögt das Weibchen lieber als das Männchen ').
Der im J. 1440 neu gewählte König Friedrich IV.liess sein Wappen in folgender Gestalt verkünden:Zwei Schilde
1) der Reichsadler, mit dem Kreuz auf der Brust.
2) In Blau ein goldener Querbalken, dar-unter ein Löwenkopf.
Zeuge hiefür ist der Rath des Kaisers Sigmund,Friedrich v. Landskron, welche in die sogenannte „Re-formation des Kaisers Sigmund" *) ein eigenes Kapitel„von dem Wappen des gewaltigen Künigs ist fürbaszu meieken" eingerückt hat. Sonderbarer Weise wurde
1) König Heinrich VI. dritter Theil 2. Aufzug1. Scene.
2) Zuerst ist diese „Reformation" abgedruckt infolgendem Werke:
„Hie nach volget ein C'ronica von allen kayaernvnd künigen die feyder xpi (.Christi) gepurd ge Regiertvnd gereyebfnet haben welich C'ronica gar kuruzweilignüczhch vnd lieplieb zu hören ist."
Am Ende: „Getreckt vnd vollendet von Johanneßämler zu Augspurg nm treitag nach fant Gallen tagAnno etc. in den lxx vj iare ; "
In der Chronik selbst wird über die „Reformationgesagt:
„Zuletzt ward geordnet ein concily gen Basel, damachet er (keyser Sigmund) ein refomation, wye fichin der heyligen cristenheyt furo halten solt. welche re-formation von wort zu wort eygenlich iii difen buchgefchriben steet, wie wol die nit beftätt ward durchverachten vnd fperren der häubter. Gott der herrordne die heyligen kirchen in einen standt der im lob-lichen fey. Amen."
Der Verfasser selbst äussert sich viel aufrichtigerüber seine Schrift:
„Nomen Poete.
Man foll wißen alles dz in den puch gefchribensteet hab ich friderich von lancironij ein dienervnd knecht der gemeinen cristenheyt vnd rate vnfersallerdurchleuchtigisten herren keyfer Sigmundes, vndhoher meister vnterweifung gunst vnd willen dife Ord-nung gemacht von lateyn zu teutfeh zu einem beken-nen. . . ."
bisher dieses Wappen immer auf K. Sigmund bezogen,obwohl der Verfasser nicht nur von dem „gewaltigenKunig" spricht, sondern auch in einer Anmerkung so-gar deu Namen Friedrichs nennt. Er schreibt:
Nomen Regis.
„Item er sol heißen Friderich von Lantnaw. daser Friderich genant ift, jft darumb das er reychlichalle land zu frid feezt mit krefften. . . ."
Friedrich v. Landskron erhöht den Werth seinerAussage durch Angabe seiner Quelle: Also ist esverkündet worden, alsvorsteet^). Unzweifel-haft handelt es sich hier um eine von den Reichsherol-den vollzogene Ceremonie, deren Augenzeuge Friedr.v. Landskron gewesen sein wird.
Die ganze Abhandlung über Friedrichs Kjinigswap-pen, die in der Hauptsache eine mystische Auslegung,desselben ist, möge in ihrem Wortlaute hier folgen:
„Von dem Wappen dess gewaltigen Künigs ist fürbaszu mereken.
„Es ist auch zu wissen vmb das Wappen das erfüren sol, vnd was der Adler an dess Reich paner be-zeichnet vnd das Creutz, das do mitten aufge-recht gefürt sol werden.
„Dess ersten des Reychs Zeyehen, der Adler ist ineinem guldin Veld bezeichnet Gott den Herren, dessSunnen dar scheint vnd der nacht ru, von dein alleFrucht entspringt.
„Der Adler bezeichet vns die hohen Adelschafft, diewir so gar von Himel darein bezeichnen, Verkündungauif dem Erdtreych der Nacht als er schwartz ist, dovns Johannes ewangelist so erheben in dess Adlersweys ermant.
„Aber das Gold, in dem Adler gefiguriert ist, be-teutt vns die klaren gütlichen schöne, vnd Kosperkeitdes scheinenden ewigen Glantz, Klarheit vnd allerkosperlicher Lauterkeyt: also wenn man das sieht aufdem Veld, so sol man erkennen die plafsmierungdess heyligen edlen Zeichens.
„Das Creutz, das mit dem Zeichen getragen wirdet,würt bezeychnet die hohe Marter Cristi in der derMensch so erheb erlediget ist von allen Panden durchCristi Marter. Wann wir so erheben getaufft seyenzu vnserm rechten Erbrecht, ergeben seyen ewigenFreuden, das in der Angesicht das Creutz jedermanbedencken sol. Diss gibt Krafft, Mut vnd guten wil-len wider alle vnser Veinde; es macht krafftloss alledie, die wider gotlich Ordnung stellen vnd richten mitFräuelbeyt.
„Das dritt Zeichen, das zu derlincken seytengefuhrt sol werden, ist plob Himelfar, der grösserTeil geteilt mitten mit einem guldin Strich, oben mitzweyen Leo Köpffen, vnnd vnden mit einem. DerHelm mit einem geprüsten Leo zu sprung gericht,auss einem Kosenkrantz die rot sind. Die Leo habenFeurin Flammen grymlich vnnd zorulich gestalt. Alsoist es verkündet worden, als vorsteet.
„Nun wollen wir haben ein Leuterung, so merekent.Die Himelplob bedeut vns liebe vnnd mynn zu derstatten Ewikeyt der Himel.
„Der guldin Strich mitten bedeut vns das kosparedel Wesen Gotes, das mit vnser zuuersicht das zu-bekennen starck vnd krefftig macht. Darumb vns derLeo zu Hilff gegeben ist, der last die feurin Flammin
3) Die Schrift ist also jedenfalls nicht vor 1440geschrieben. Die Fassung der auf König Friedrichbezüglichen Stellen scheint auf der frischen Eindruck"der Königswahl hinzudeuten.