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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 2.

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Schumacher (1694) bemerkt') daher für seine Zeitganz richtig :

Die geschlossene (Kronen) gehören vor SouveraineHäupter und Kron-Printzen, dahero wird man ausserBrandenburg, Oesterreich und Sa voy en nichtleicht finden, dass selbige von andern Chur- und Fürst-lichen Personen geführet werden, denn was die Meckeln-tmrgische, Eutinische und andere Müntzen betrifft, dascheinet es mehr ein Angeben eines Rathes und Be-dienten zu seyn, als sonsten etwas wichtiges zu bedeu-ten; Allein bei obgedachten hohen Häusern ist es etwaswichtiges, und bedeuten die BrandenburgischeKönigliche Bogen (wie mir von vornehmer Handmündlich und schriftlich Bericht ertheilet) die Preussi-sche Souverainitet, und seind selbige 8 an der Zahl,vom J. 1660 her würcklich geführet worden, . . . auffdie Weise . . . dass der Chur-Hut dennoch gantz zusehen und die Bögen ein wenig vom Hute erhoben,auch sich oben schliessen und mit einer Welt-Kugell>ezieret werden."

Diese Massnahme des Grossen Kurfürsten hattedie Folge, dass auch andere Kurfürstliche Häuser ihreHüte umformten. Zutreffend schreibt Bussing 2 ):

Nachdem einige souveraine Hertzogen angefan-gen, . geschlossene Krznen zu führen, hat man auchauf Seiten derer Reichs-Clmr-Fürsten (als die solchenniemahls weichen wollen, sondern sich allemahl unmit-telbar nach den Königen gerechnet) angefangen, dieMützen oder Chur-Hüte mit einigen Bogen oben zuschliessen und den Reichs-Apffel mit dem Oreutz obendarauf zu stellen, also dass sie einer gefülleten König-lichen Krone gantz ähnlich kommen 3 )."

In der Kurpfalz führte der Kurfürst Johann Wil-helm (1690-1716) zuerst den neuen Kurhut mit vierBügeln ein. Auf einer Münze vom Jahre 1700 ist derHut noch [ohne Bügel, oben mit Perlen und in derMitte mit einem Reichsapfel besetzt. Eine andereMünze von 1707 zeigt vier kahle (nicht mit PerlenBesetzte) Bügel. Eine dritte Münze endlich vom J.1708 zeigt den Kurhut mit vier regelrechten Bügelneiner Königskrone.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fangennun auch die Fürsten an, sich des bisherigen herzog-lichen Hutes zu bedienen oder auch die Laubkrone miteinem Hute zu füllen.

Siegel des Johanniter-Ordens-Meisters der BalleiBrandenburg Georg Friedrich Fürsten zu Waldeck1689-92. (Siehe No. 498).

Hier sehen wir eine gefüllte Laubkrone.

Christoph Bernhard von Galen Fürstbischof vonMünster besetzt in einer Münze die in seinem Todesjahre1678 gesehlagen wurde, den Schild mit einem hermelinge-stülpten Hute ohne Perlen, jedoch oben mit einemReichsapfel besetzt. Seine Nachfolger (z. B. FriedrichChristian v. Plettenberg), führten eine Laubkrone mitHut, der oben mit Perlen eingefasst und in der Mitten »t einem Reichsapfel besetzt ist.

Da jedes Fürstenhaus lediglich seinem eigenen Gut-dunken folgen konnte, so waren die Unterschiede derHüte bald so verwischt und die Anwendung .derselben

No. 498.

!) Wappen-Kunst S. 29.

2) Heroldskunst S. 72., 3) Dagegen sagt Schumacher: dass die Kronenbü-U1, geldem Herrn Riemer in dem Anhange des Schatz-meisters der Complimenten p. 103 Anlass gegeben,ohne satsamen Grund allen andern Churfürsten solcheKoingl. Bögen beyzulegen, die doch selbige, so viel manweiss, weder auf Müntzen noch sonsten, niemals ge-brauchet, wie zu sehen an den alten C'hur-Sächss. An-gustns Johann Friedrichs und andern Thalern.....

eine so ungleichmässige, dass Trier im Jahre 1714schreiben konnte:

Viele Scribenten machen einen Unterschied in derForm zwischen Chur- und Fürsteuhüten, es ist aberwohl kein anderer zwischen beyden, als dass die letz-tern von Fürsten und die erstem von Churfürsten ge-führt werden. Diese Chur- und resp. Fürsten - Hütewerden offtmals ohne einigen Zierath von Perlen ge-funden , zuweilen aber sind ein oder zwey Bögen vonPerlen darauff gestickt. Man findet auch wohl vierBögen, wie solches auf vielen Chur-Pfältzischen, Land-gräflichen Hessischen und andern Müntzen gesehenwerden kann."

Schon 1694 hatte übrigens Schumacher Vorschlägegemacht, die einem Jeden, der sich für Rangabzeichenim Wappenwesen überhaupt erwärmen kann, sehr plau-sibel erscheinen werden. Er sagt, dass unter den Her-zogen- und Fürsten-Hüten derDignüät wegen keinUnterschied , es mag unten ein ausgeschnitten Herme-lin-Gebräme dran seyn oder eine Crone, wenn nur überder rothen Mütze zwey Perlen-Borten kreutzweise mitoder ohne einer Weltkugel zu sehen; Wenn sich Reichs-Hertzogen und Fürsten verglichen, dass ein Theil nurdas Gebräme, der andere die Krone führen wolten, sowäre auch hier ein Unterschied zu machen, allein solast mau es wie es gebräuchlich. Doch ist diesergeschlossene Fürstenhut viel höher und ed-ler zu achten, als eine offene Krone, wegender Landes-Fürstlichen Hoheit in Teutschland. Ge-meiniglich aber ist dieses auff den Scheide-Müntzenverwechselt, als nehmlich auf den Chur-FürstlichenMüntzen, die Fürstenhüte mit Perlen-Borten und aufFürstlichen Scheidemünzen die Chur-Hüte zu sehen....Doch will man allhier nicht streiten, ob nicht dieseroder jener aus gewissen Ursachen dergleichen fürenmöge, man setzet nur, wie es seyn solle, wo man kei-nen ausdrücklichen Befehl oder sichere Nachricht desChurhuts wegen hat."

Die Kaiserliche Kanzlei konnte auf diese Verhält-nisse nur insoweit Einfluss nehmen, als es sich um neu-gefürstete Familien handelte, deren Attibute hätten be-stimmt werden können. Sie scheint sich jedoch daraufbeschränkt zu haben, dem übermächtigen GebraucheSchritt für Schritt zu folgen.

Fürstendiplom K. Leopolds für den Grafen AlbrechtErnst von Oettingen d. d. Wien 10. Octob. 1644:

sich auch dos allen, sonderlich aber des Fürst-lichen Tituls, Krohn, Schild und Wappens allenthalbenmit allen Ehren, Regalien und zugehörigen Praeemi-