Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
475
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Heraldik. III. 2.

475

Churhüte, nemlich eine rothe Pnrpur-SammetueMütze, mit einem schlechten nicht ausgeschnittenenoder ungeschupten breiten Hermelin Gebräme und obenauff ein Hermelin Zopff ..."

Dem Freiherrn Albrecht von Waldstein wurde dieHerrschaft Friedland durch Diplome d. d. Wien 12. März1624 zum Fürstenthum und d. d. Wien 4. Januar 1627zum Herzogthum erhoben. Seitdem bedeckte er seinenSchild mit dem oben beschriebenen Herzogs hüte.

Wir verfolgen nun die Geschichte der Laubkroneund zwar lediglich in soferne sie als Rangabzeichenauftritt.

In dem Wappenbüchlein des Virgüius Solis von1555 und in dem Wappenbuch des Herolds Francolinvon ca. 1562 sind nur die Wappenschilde der König-reiche (soweit sie nicht eigenthümlich geformte Kronenhaben) mit der Laubkrone bedeckt.

In Jost Amanns Stamm- und Wappenbuch (1589)kommt nur ein mit der Laubkrone bedeckter Schildvor derjenige, des Königreichs Böhmen, welcher dortfälschlich mitRömischer König" überschrieben ist.

Im 17. Jahrhundert geht die Laubkrone in denGebrauch der Fürsten und Grafen und abermals 100Jahre später in den Gebrauch der Bdelleute über.

Um diesen Entwerthuugs - Process zu verstehen,müssen wir uns gegenwärtig halten, dass die meistenReiche, so namentlich das Kömische Reich und Ungarnihre eigenthümlich geformten Kronen hatten, welcheallein in den Wappen der betreffenden Reiche gebrauchtwurden. Die Laubkrone war eine Krone zweiten Ran-ges, welche in ihrem Werthe zu erhalten, kein Monarchm Deutschland ein Interesse hatte.

Die Kurfürsten und Herzoge aber hatten ihr eige-nes Attributi) in dem hermelinverbrämten Hute (vgl.oben No. 493), das sie der Laubkrone vorzogen, dahergeht die letztere sofort auf die Fürsten und Grafen über.

Wolfgang Ernst Graf von Isenburg-Büdingen geb.1560 f 1633 führt auf seinem Siegel an einer Urkundedes Jahres 1613 seinen Wappenschild welcher lediglichmit einer Krone (5 sichtbare Blätter) bedeckt ist.

Siegel des Johanniter-Ordens-Meisters Johann Mo-ritz Fürsten zu Nassau 1652-1679 (an einer UrkundeVon 1653).

No. 496.

In den Wappen-Abbildungen zu Christyn's Juris-prudentiu heroica (Brüssel 1668) wird dem Fürsten re-gelmässig die Laub kröne zur Krönung des Schildeszugetheilt z. B. dem Fürsten Carl Eugen von Aren-berg und dem Fürsten von Bournonville (Fürsten-Diplom des Königs Philipp v. Spanien d. d. Madrid12. Juli 1658).

Das Siegel, mit dem Graf Johann Dietrich vonMuggenthal Domherr u. Scholasticus in Salzburg einenWappenbrief d. a. 1677 (siehe oben Seite 365) besie-gelt, zeigt den mit einer schönen Laubkrone bedecktenSchild (ohne Helm) welcher von zwei Schildhaltern ge-halten ist.

Bereits unter Kaiser Leopold wird die Laubkroneals ritterliche Krone bezeichnet:

Die Holländer Andreas de Graeff und dessen SohnCornelius erhielten von Kaiser Leopold ein Adels-Aner-kennungs-Diplom d. d. Wien 19. Juli 1677; in demWappen der Familie wird eine Laubkrone zwischenSchild und Holm geschoben:scutum videlicet ex spe-ciali nostra erga vos gratia ac muuiflcentia Coronaequestri aurea, eae, quae galeis torneariis imponisolet, simili, coronatnm....."

Eine im J. 1700 angelegte Sammlung gemalterWappen 2 ), welche grösstentheils (leider) aus Stamm-büchern herausgeschnitten sind, enthält u. A. 7 gräf-liche bezw. freiherrliche Wappen, welche wahrschein-lich von Einem Maler 3 ) herrühren, jedenfalls abergleichzeitig gefertigt sind. Eines derselben ist mitder Ueberschrift:Francis Joseph Baron de Notthafft1670, : ' ein anderes mit der UnterschriftFran. cuaDom.cus Igus Comes a Pölling 1670 ä Besancim 1 ver-sehen Wir erhalten dadurch den Aufschluss, dass diebetreffenden 7 Persönlichkeiten sich im Jahre 1670 inBesancwi befunden haben. Sänmitliche Wappenschildesind (ohne Helme) mit Kronen bedeckt, welche ab-wechselnd ein Blatt und eine Perlenzinke oder auch diereine Laubkrone zeigen. Darunter belindet sich nunauch das W T appen derGräften von Wolckenstain",leider hat der alte Wappensammler gerade hier die In-schrift des Stammbuchblattes fortgeschnitten. DerSchild ist aber mit einer Krone bedeckt, welche ausfünf (sichtbaren) Blättern und dazwischen 4 Perlenzin-ken besteht.

Schumacher (Wapen - Kunst S. 32) bemerkt überden zu seiner Zeit (1694) herrschenden Gebrauch:

Die offene Kronen gehören vor FürstlicheGräffliche und andere Herren-Standes Personen, wie-wohl in Teutschland . . . die Fürsten lieberden Fürstenhut als eine Krone haben, obgleich das Hauss Lüneburg aus sonderbarer unbekann-ter Ursache eine offene Krone brauchet."

Der Heraldiker Trier sagt 1714:

Die alte Königliche Krone (Laubkrone) wird indem Schild und auf dem Helm sowohl von dem hohenals niederen Adel geführt.Heut zu Tag werden dieseCronen nicht mehr von Königen geführet. Die geist-

1) Der Hut des Herzogs von Burgund wurde vonyapriel TeUel (1467) auf 60,000 Kronen geschätzt,^iblioth. d. literar. Vereins in Stuttgart VII. S. 150).

2) Gegenwärtig' im Besitz des Herrn Geh. Rech-nungsrathes Warnecke.

3) Aus derselben Mache ist ein Wappen der Frei-herren von Weichs hervorgegangen, ein entsetzlichesProduct. Die Flügel des Helmkleinods sind an denSchulterblättern des Helmes angebracht, da wo mauden Engeln Flügeln ansetzt. Der französische Malerwusste offenbar mit den Helmkleinoden nicht Bescheid.Diess mochte den andern deutschen Grafen und Herrennicht gefallen haben, wesshalb sie ihr Wappen nachder Landesart malen Hessen.