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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. ü.

Wappenbrief d. d. Augsburg 9. Mai 1.074 für HansKrämer:

H n. e. weissn fchilde steende darinn in klymmein gelber leo mit aufgetanem mawl aussgerackterzungn vnd aufgewortfem fwancz habende an seinemhalls ein swarcze munichs gugel. Vnd den helme ge-ziert mit einer gelben vnd Cwarczen helmendeckendarauf auch ein halber gelber leo in einer swarezenlnunichskutten mit der gugel vnd sunft gleich gefchicktals in dem fchilde."

Ein etwas wunderliches, aber keineswegs verwerf-liches Bild enthält das tilgende Wappen:

Wappenbrief d. d. Graetz o. März 1473 für HansWolfflin.

M. n. e gelben scliilde darinn einen wol ff seinernatürlichen farbn habende in seinem maul einenvisch, siezende darauf ein junckfrawbild mit zerstrew-tem bare in rot becleidet den wolff mit einer ketten inbeid hende gefasset vnd den heim gezirt mit einer gelbnvnd roten helmedecken, darauf ein junckfrawbild mitgelbem zertrewtem har on fuss in rot becleidet habendein irer rechten hand einen visch seiner naturlichenfarbn."

Einen spiessbürgerlichen Geschmack bekunden HausJacob und Augustin Luttenwang die in dem \\ appen-brief d. d. Neustadt 12. Novbr. 1467 mit einem Kachel-ofen begabt werden:

11. n. e. roten f. steende darinne auf einem weissenfuess ein gescheibter weifser kachelofen mit syniheln(sinwein, runden?; vnd grünen kecheln oben mit einempraiten weissen gupfe vnd auf dem fchilde einen helmemit einer roten vnd weissen helmdecken geezirt miteiner gelben gewunden fliegenden binden, darauf einweifser gefcheibter kachelofen mit feinem fuess gleichgefchikchet als in dein fchilde."

Heinrich und Hermann Bomgarten erhalten 1474(7. Mai Augsburg von K. Friedrich) in Both einapfel-grabs pferd zu dem drab geschickht, vornen an denStirnen mit dreyen eingehurn hörnern."

Ein Hans Klingenfus erhielt 1471 (10. Juli, Re-gensburg) einen Steinbock mit vier Hörnern. 1 )

Ein Monstrum halb Einhorn, halb Fisch erhieltendie Gebrüder Ulrich und Hans Symonis (Graetz,20. Juni 1468)2).

Als ein entschiedener Fortschritt der Wappenkunstist der Gebrauch anzusehen, den man jetzt in umfang-reicher Weise von der Farbenverwechselungmacht. Ich möchte glauben, dass die meisten undschönsten Wappen dieser Art im 15. Jahrhundert ent-standen sind.

Aus der Fülle der von Kaiser Friedrich III. ver-liehenen Wappen mit verwechselten Farben hebe ichnur einige Beispiele aus.

1)M. n. e. weissen fchilt darinne einen fwarezenklyinenden stein pockh mit vier hörnern zweyvnder fich vnd die andern zwey vber fich gekeret, vndauf dem fchilt einen helme gezieret mit einer weil'senvnd swarezen helmedecken, darauf das Vorderteil einshalben swarcze steinpocks mit ausgerackten fussen vndvier horner zwey hinderfich vnd zwey weys vber fichgekerend.De novo in forma metiori mit den leheu."

2) r M. n. e. f. geteilt in zwey teil vber zwirichvnden fwarcz vnd oben weifz in demselben weissen teilain halb klymend fwarcz aiugehürn mit gelffunderzungn und vnder fich in das fwarcz teile des fchildesgefchikchet als ein weisser krumber vifch-fwancz vndauf dem fchilde einen helme gezirt mit einer weil'senvnd fwarczn helmdecken darauf zwifchen zwaien weifsenaufgetanen flügeln auch ein halb klymend swarcz ain-gehürn mit gelfunder zungn."

Wappenbrief d. d. Neustadt 26. Febr. 1466 für Con-rad und Jacob Ferg:

Mit namen einen schilt getailet nach der lengedas vorderhalbteil gelb oder goltfarb vnd das hin-derhalbteil plab, darinne ein adler mit seinen aufge-tanen flugleir. auch nach der lenge ab verwechselt vndausgeteilt mit des Schildes färben vnd auf dem scliildeein heim mit einer gelben oder goltfarben vnd plabenhelmedekehen geeziert, darauf ein gelbe oder golt-farbe coron entspringende daraus ein adlerhaubtbisz an die brüst auch nach der lenge ab gelb vndplaw."

Wappenbrief d. d. Graetz 10. Octob. 1466 für dieGehrüder Wilhelm und Heinrich Schentz.

Mit namen einen fchilde getailet vberzwirich dasvndertail gelb vnd das ober teile fwarcz darinn einklymender hirfs verwechselt mit des fchildes färbenhalb gelb vnd halb fwarcz vnd auf dem fchild einenhelme mit einer gelben vnd swarezen helmedecken ge-eziert darauf ein halber gelber klymender hirfs."

Wappenbrief d. d. Neustadt 9. Decbr. 1465 fürConrad und Hans Weiss, Gebrüder.

Mit namen einen sohild getailet vberzwirich, dasvnderhalbteil gelb mit einem halben schwartzen hier-schen gehürn von sechs zinnen auch vlierzwirichs vnddas oberhalb teil des Schildes swartz darinn auch einhalb gelb hirschgehi'irn von sechs zinnen geschikcheta s das vnder dau auf dem Schilde einen heim getziertmit einer gelben vr.d swartzen helmdekchen darauf einzwifach aufgetan fiügel von färben vnd hirssenhörnorngeschikchet vnd ausgeteilt als in dem scliilde."

Wappenbrief d. d. Andernach 2. März 1475 fürHans Snell.

M. n. e. f. geteilt aus dem vordem obern egk indas hinder vnder teil das ober blab vnd das vnndergelb vnd in ir iglichem ein lilien verwechselt mit desSchildes färben vnd den helme gezieret mit einer gelbnvnd blaben helmendecklin darauf ein zwifach aufgetanflug von färben teilungen vnd lilien geschikht als indem fchilt."

Wappenbrief d. d Neustadt 27. Januar 1455 fürHans Koppler.

Mit namen einen Schilde nach der lengen halbswarcz vnd gelb vnd in yedem teyle drey rosen oben-ander steend verwechselt mit den färben dez Schildesvnd auf dem Schilde einen heim getzirt mit einerswarezen vnd gelben helmdecken, darauf ein swarczauff getan fiügel vnd darinn auch drey gelw rosenobenander steend."

Wappenbrief d. d. Neustadt 17. Mai 1466 für dieGebrüder Stephan und Jörg Plum.

Mit namen einen schilt geteilt nach der lenge abein teil weisz das ander rot vnd in yedem teile desSchildes von grund auf einen stamen mit eiuem asstvnd zu obrest ein plume von fünf pletlein ein stamweisz der ander rot verwechselt in des Schildes färben,dann auf dem Schilde einen hellme getzirt mit einerweissen vnd roten helmdekchen darauf zway puffen-hörner ains rot das ander weisz."

Ein wahres Muster eines Pflanzenornaments findenwir im Wappen der Augsburger Wirsung oder Wür-sing. Die Figur hält Hildehrandt, wohl hauptsächlichdes Namens halber, für einen stylisirten Kohl-kopf. (Vergl. unsere Tafel 10 No. 11). Das Wappenist zu Augsburg 16. Mai 1474 dem Georg Wirsung ver-liehen und wird im Diplom beschrieben :

M n. e. Schilde geteilet in der mitte nach derleng, das Vorderteil gelb vnd das hinder swarcz, darinnein gründe ein dreiecketer perg verwechselt mit desSchilds färbe steende darab in beiden farbn ein pawmmit aussgespraitten wurtzen auf yeder seittn ein ge-