Geschichte der Heraldik. III. 2.
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5. Capitel.
Wappenkunat und Geschmack zur Zeitdes Kaisers Friedrich III.
Dem Regestenwerke von Joseph Chmel verdanken■wir die Kenntniss einer grossen Zahl der von demKaiser Friedrich III. verliehenen Wappenbriefe, die ichdurch Auszüge aus anderen Urkundenwerken auf dieZahl von etwa 400 gebracht habe. Diese Sammlunggewährt eine vortreffliche Grundlage zur Beurtheilungder Wappenkunst zur Zeit des genannten Kaisers. Eswöge wenigstens der Versuch gewagt sein.
Die Wappenkunst zu Kaiser Friedrichs III. Zeitenhat von dem Wappen keine andere Vorstellung, als siedie Malerei auf dem Papier, oder das Siegel gewährt.Dies erkennt man namentlich daran, dass sie den Helm-schmuck als ein einseitiges Bild auffasst.
Da die Schilde damals immer nach der rechten Seitegelehnt wurden und auf das Eck zur Linken des rechts-gewendete Helm aufgesetzt wird, so wenden uns diemenschlichen Figuren ihre linke Seite zu. Nur dieseSeite wird bei der Beschreibung der Wappen berück-sichtigt
So heisst es in einem Wappenbriefe d. (1. Graetz27. October 1406 für Hieroiiymus Segs litzer:
darauf ein moreuprustpilde an hennde, in rotebecleidet habende vmb das haupt ein plawe vnd weissenfliegende pinden vnd in dem tenkgen oren ein gel-bes oder goldfarbes ringlein.
Ebenso wird in einem Wappenbriefe von 1465 ge-sagt: „habend in denkgn ore einen guidein ring."
Ist von der „gerechten" und der „tengken" Seiteeiner solchen Figur die Bede, wie in dem folgendenFalle, dann darf man annehmen, dass die Figur en facegestellt ist.
Wappenbrief d. d. Wien 13. Nov. 1471 für PeterTurbrech:
„M. n. e. f. geteilt in der mitte vberzwirich in zweiteil das vnder teil rot vnd das ober weyfs vnd in bei-den teiln des fchilts vber fich auf ein turhanthabauch in zwey teil geteilt rot vnd weisz vnd in dengemelten farbn ineinander verwechselt. Vnd auf demfchilt einen helme gezirt mir einer roten vnd weissenhelmedecken darauf ein parhawbt manspild mit einemkrawsen har, becleidet in rot nach der leng ab die g e-r _echtseytten weys habende in der band vor imein rot turhanthab vnd die tengk seyten rot vndln der hand ein weyfs turhanthab vnd vmb sein hawbtein pindn halb rot vnd halb weyfs."
In Bezug auf die Farben macht sich schon einigeVerwilderung bemerkbar. Grobe Verstösse gegendas Gesetz der Farbenpaarung kommen jedoch nochselten vor.
z. B. Wappenbrief d. d. Neustadt 1. Juni 1467 fürUlrich Lehkucher:
„Mitnamen einen plawen fchilte geende aufz demgründe des fchildes ein f w a r c z e s halbes fwein gefchieketmit den vordem füfsen zu dem fprunge vnd auf demSchilde einen helme mit einer blawen vnd fwarzen«elmedecken geczirt, datuf zway puffenhörnere vnd inmitte eines yedes puffenhoru ein plawe leisten vnd dieandern zway das vnder vnd Oberteilen swarcz."
Schlimmer ist die Verwendung der Natur-farbe die nur in allzuvielen Fällen beliebt wird.
In einzelnen Fällen haben wir nur eine verblümteFarbenangabe vor uns, z. B. wenn die Rede ist vonglühenden (statt rothen) Hufeisen oder einem him-melblauen Schilde.
Folgende Thiere werden z. B. in ihrer natürlichenoder .eigenen" Farbe verliehen: der Löwe, Steinbock,
Hirsch, Dachs, Igel, Wolf, Pelican, „Gutzgauch", Eis-vogel, Kranich, Sperber, Auerhahn, die Natter.
Von Körpertheilen: der Hirscheinbug mit blutfar-bigem Schrot; ein Herz;
Ferner finden wir ein „apfelgrabs" Pferd, einen „ge-smogenen swargrabfarben" Steinbock.
Von Pflanzen: die Olive, Distelblume.Es kommt vor: ein Mühlstein seiner natürlichenSteinfarben.; Pflugeisen, Schwebscheiben, Hauen u.dergl. Geräthe ihrer natürlichen Eisenfarbe. SelbstZwickel, die als Heroldsbild keine natürliche Farbehaben, werden einmal als „eysenfarb" blasonirt.
Ziemlich häufig sind Bäche oder anderes Gewässer„ihrer natürlichen Wasserfarben.„
Einmal wird Grau sogar als Schildfarbe verliehen:Wappenbrief d. d. Graetz 13. Februar 1473 fürHans Federangler.
„M. n. e. f geteilt aus dem obern vordem in dasvnder hinder egke, das Vorderteil grabe vnd das ober rotin demselbn vnderm teil in grund ein weisser anglmit dem spicz vnder sich darauf in mitte des fchildeszwo weiss federn beid vber sich eine in das vorder obervnd die ander in das hinder ober egk geende vndenzusam gepudn vnd den heim gezirt mit roter vndgrab er helmedeckhn, darauf zwei puffenhorner geteiltin der mitte vberzwirich vnden weiss vnd oben rot.Sehr viele Wappen zeigen in der Wahl der Wap-penbilder eine Schlichtheit, die uns ganz vergessenlassen würde, dass das Wappenwesen schon eine drei-hundertjährige Geschichte hinter sich hat, würde nunnicht oft Eindruck durch die schablonenhaft aufgemachteHelmzier wieder verwischt.
Zu den besterfundenen, in jeder Hinsicht ganztadellosen Wappen gehören die folgenden.
Wappenbrief d. d. Regensburg 28. Juni 1471 fürHeinrich Rosst:
r M, n. e. plaben fchilt darinn ein weifse rosen mitfünf plettern, mitten mit einem gelben knöpf vnd vf demfchilt einen heim gezieret mit einer weifsen vnd plabenhelmedecken, darauf ein blaber guppfeter hüte miteinem weifsen stülp, entfpringende oben aus dem gupfein gupf von ftraufsenfedem Mab vnd weifs." de novoin forma meliori mit den Lehn.
Wappenbrief d. d. Innsbruck 17 Decbr. 1442 fürSigmund Ruckenhauser:
„Mit namen ain gelben schild darinne vier plabgeschrenckt lügen, vnd auf dem schilt ain heim geczirtmit ainer gelben vnd swarzen helmdecken haben daraufain swarcze Morin bisz an die prnst mit ainem gelbengeflochten zopphen."
Wappenbrief von 1465 (s. d. e. 1.) für die Gebrü-der Andre, Albrecht, Caspar, Balthasar und MelchiorPre tzner :
„Mit namen einen swarczen Schilde darinne vberegkab ein weisse leisten mit einer roten rosen vnd gelbenknöpfe darinne, vnd auf dem schilde einen helme ge-tzieret mit einer weissen vnd swartzen helmedekchendarauf zway puffenhorner das ain fwartz vnd das_ anderweisz dartzwischen auch ein rote rosen geschikcht alsin dem schilde."
Wappenbrief d. d Neustadt 12. Aug. 1467 für dieGebrüder Ludwig, Jörg und Hans Conratter.
„M. n. e. roten fchilde, darinne in der mitte nachder lennge ab ein weisse leisten mit dreyen roten stern-nen obeinander vnd auf dem fchilde einen helme ge-cziret mit einer roten vnd weissen helmdecken, daraufein manszpilde an fuesz mit gelben krausem hare vndin die zwo färb rot vnd weiss nach der lennge ab be-cleidet mit seinen in die hoch aufgoworffn armen ha-bende in yeder hennde einen roten sternne."
Das launige Element ist z. B vertreten durcheinen Löwen in der Mönchsgugel: