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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 2.

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auf dem einfachen Wappenschilde der Schenk vonSchweinsberg kommen, antwortet Estor: *)

Und da ist an dem, dass die Vögte zu Fronhausenmit den Schenken einerlei wapen ausser, dass sieden löwen linkswärts kehreten, und auf dem Helmeeinen geschlossenen schwarzen Flug, worauf des Schil-des wapen, bald auch zwen Flügel geführet. Als nunJohann Vogt, so zwischen den jähren 1567 und 1571verschiden, einen abwesenden söhn Carlen hinterlassen,von dem weiter nicht in erfahrung gekommen, jedochder lezte dises geschlechts gewesen; hat Caspar Mag-nus Schenck für sich und Philippen auch ReinhartSchencken als nächste Vogtische Stamms- und lehnfol-ger, mit den Vogtischen töchtern, Margareten, Chata-rinen und Marien sich zu Giessen den 21. Octob. 1585verglichen und zwar auf den Fall, wenn der schon indie 3 jähre abwesende und nicht auszufindende CarlVogt nicht wiederkommen sollte.

Gleichwol haben schon seiter 1564 die Schenckenden Vogtischen heim ihrem wapen beigefüget."

Einzelne Geschlechter welche Wappenvermehrungenvom Kaiser erwarben, wandten dieselben ausschliesslichm . n^berwappen" Z u und Hessen den Schild ganz un-verändert Wir führen hier auch spätere Beispiele an,da uns die Frage in der Folge nicht mehr beschäfti-gen wird.

Das Grafendiplom für Caspar Bernhard Freiherrnvon Rechberg d. d. Wien 20. Juni 1626 (Kaiser Fer-dinand II.) gewährte zu dem unveränderte Schilde dreiHelme:

_ n als nämlichen ein gelb oder GoldfarbenSchild darinnen erscheinen zween klimmende rothe Lö-wen, die Rücken gegeneinander knhrend, mit aufge-Worffenen in einander geschlungenen vnd oben bey denHäuptern wieder zertheilten vnd über dieselben ge-zogenen Schwäntzen, offenen Rachen und ausgeschlage-nen Zungen, zum Raub und Grimmen geschickt, obdem Schild drey offene adeliche an den Visieren undRanden herum verguldte Thurniers-Helm, zur rechtenmit roth und weisser, lincker Seiten aber schwartzvnd gelben Helm-Decken geschmückt, auf deren Mitt-leren ein Vordertheil eines gelb oder goldfarbenen für-jvert gekehrten Rehbocks mit rothem Gestämm oderGehürn, welches zusamt dem hievor beschriebenenSchild seiner Vor- und Ur-Eltern des Nahmens undStammes von Rechberg und Hohenrechberg von vielenund unfürdencklichen Jahren und er Graft Caspar Bern-hard zu Rechberg auch bisshero also gehabt und ge-jühret, auf dem andern aber zur rechten eine König-liche Crohn und ein rother Low mit unter sich gewun-denen Schwantz, in derselben hockend, dessen Haubtmit einer Kaiserlichen Krohne gezieret und hinter deme in roth zurück hinaus gekehrtes Pannier, darinnen«in klein ablängliches rundes und aussen herum mitvergulden Rollwercken bekleidetes weisses Schildlein,und in demselben drey ob einander uberzwerch ausge-streckt gehende rothe Löwen (dahero der Nahm vndStammen deren von Rechberg) Wappen Kleinod gewe-sen, und dann auf dem dritten Helm zur Lincken gleich-jalss eine Königliche Crohn darauf zwey mit den Mund-lochern auswerts gekehrte Buffels-Hörner, der das hin-ter schwartz, vorder aber gelb oder goldfarb ist, dar-unter wiederum ein rothes zurück fliegendes Pannier,darinn ein gelb oder goldfarbener Schild, mit dreyobemander stehenden schwartzen Ochsen - Joch derUraffschafft Illereichheim (als welches Ge-

schlecht vor vielen Jahren abgestorben) Wappens Klei-nod repraesentiren, erscheinet" 2j.

In dem Grafendiplom des Kaisers Franz von Oester-reich d. d. Wien 14. Juni 1816 für Niclaus Friedrichund Bernhard Albrecht Rudolf von Mülinen ist folgen-des Wappen verliehen:

einen aufrechten, oblongen, unten rund in eineSpitze zusammenlaufenden Schild, in welchem das altangestammte Familienwappen, ein schwarzes Mühlradin goldenem Felde, zu sehen ist Den Schild deckt einemit neun Perlen gezierte Grafenkrone, auf welcher fünfTurnierhelme mit offenen Rosten und ihren Hals-kleinodien ruhen, auf dem ersten ins Visier gestellten,mit einer schwartz und Gold kunstmässig vermischtherabhangenden Decke umgebenen goldgekrönten Helmebefindet sich ein goldenes Mühlrad Die übrigen vierHelme sind mit Gedächtniss-Figuren geziert, als: Aufdem zweiten Helme rechts steht ein einwärts gekehrterLöwe, an dessen Rücken sich vier goldene Spitzen,welche mit Pfauenwedeln besteckt sind, befinden so wieilmdie von Wandelsburg führten, hervor. Auf demdritten Helme links befinden sich die zwei einwärtsstehenden Schwanhälse mit Ringen in dem Schnabel,derer von Rappersehwyl; diese beiden Helme sindmit einer roth und goldenen Decke bekleidet. Dervierte goldgekrönte Helm, rechts mit einer gr'inen undsilbernen Decke, trägt sechs mit Gold eingefasste Berge,nach der Stellung drei, zwei, einen; der letzte ist mitdrei einwärts gebogenen silbernen Straussenfedern be-stecke^ und stammt von denen von Grünenberg her;der fünfte und letzte Helm links mit einer silbernenDecke zeiget einen blau und weiss quergetheilten be-kleideten wachsenden Mann ohne Arme, mit einem sil-bernen Stern an der Brust und einer Kappe von glei-cher Farbe auf dem Kopfe, des Geschlechts derer vonBubenberg. Die Schildhalter sind zwei weisse Schwäne,welche goldene Ringe mit einem Edelstein in dem Schna-bel halten und zu deren Seite zwei goldene Panierestehen, auf welchen, als ein besonderes Merkmal Kai-serlicher Gnade, der Habsburgische Löwe einwärtsstehend, befindlich ist. Unter dem Schilde steht aufeinem fliegenden Zettel der lateinische Denksprueh:Suaviter in modo, fortiter in re" 3 ).

Nach der Reichshofkanzlei - Taxordnung von 1659war eine gewöhnliche Nobilitation, welche Alles in Al-lem 224 Gulden kostete, nur auf einen Helm verstan-den.Eine Nobilitation mit 2 Helmen oder so zu eineralten Nobilitation, die sonst nur einen Helm hat, nocheiner per unionem oder durch neue Bewilligung kommt,wird obbesagte Tax vermehrt mit 148 Gulden."

Durch diese.etwas hochgestellte Forderung wurdeder Luxus mit Helmen beträchtlich eingedämmt, ver-schiedene Helmzeichen wurden vielfach um jene Aus-gabe zu ersparen, in ein Bild zusammengezogen, obzum Vortheil der Wappenkunst, will ich dahin gestelltsein lassen.

Verboten war eine Mehrzahl von Helmen für denOrden vom Goldenen Vliess. Hierüber berichtet S. v.Birken 4 ).

Seither aber die Rittertäge aufgehöret, werdendie Wappen der Gesellschaftere in ein Buch, welchessie das Königliche Buch (Liber Regia) nennen ein-getragen. Diese Wappen belangend, so werden aufden ersten und ältesten Schilden, damahliger gewonheit

1) Ahnenprobe S. 478.

2) Länig T. R. A. spie. sec. I 870.

3) Familien-Geschichte und Geneologie der Grafenvon Mülinen. Berlin 1844.

4) Sigm. v. Birken, in Fuggers Ehrenspiegel. Nbg.1668 S. 450.