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Geschichte der Heraldik. III. 2.
nach, nicht zwey, drey oder mehr Helme (wie dieTeutschen auf gebracht) sondern nur Ein Helmsamt der Helmzier gesehen. Nachdem aber K. Philip-pus II Portugall zu Hispanien gebracht, hat er we-gen Castilien Arragon und Portugall, drey Helme zufuhren angefangen. Den andern Herren wurden zweenHelme erlaubet."
Eine künstlerische Schwierigkeit wurde durch dieVervielfachung der Helme erzeugt i es entstand häufigein Widerstreit der Bedingungen der Darstellung. DieStellung des Helmes, war früher lediglich durch dieBeschaffenheit des Kleinods bedingt; jetzt wurde derGesichtspunkt der Gesammt-Orientiruug überwiegend.Zwei Heime mussten einander zugewendet werden,gleichviel, ob die Kleinode zu einer Profil-Darstellunggeeignet waren oder nicht.
Die klaren Regeln in Bezug auf die Stellung derHelme wurden noch weiter in Verwirrung gebrachtdurch eine wie es scheint aus den westlichen Reichenimportirte Wappenmode.
Vorgeschrieben war eine bestimmte Stellung derHelme für den Orden vom Goldenen Vliess. S. v. Bir-ken berichtet dass es nur den Königen und Monarchenerlaubt gewesen sei, ihre Helme vor sich sehendauf dem Schild zu stellen. Die anderen Herren, denenzwei Helme erlaubt waren, mussten dieselben zugewen-det in das Profil stellen. „Und hierüber hat K. Philip-pus II. so scharf gehalten, dass er einem SpanischenHerrn zu Madrit, den er öffentlich hierwider handelnsähe, alsobald befehlen lassen, das Wappen zu andern,damit diese Ungebühr nicht zur gewohnheit würde."
Matthias Quad aus Kinkelbach') sagt 1609: „Et-liche haben ein newe superstition vff die bahn bracht,sehen sehr darauff, ob der Helm vff dem Schilde vor-sichtig stehe, ob er zur linken oder rechten sich hinneige, ob es ein offener oder ein geschlossener Helmsein, Item wie viel Helmen vff dem Schilde stehen unddergleichen mehr."
Was Quad hier als Modesache hinstellt, wolltendie französischen Heraldiker mit ihrem schrecklichenBeglementirungs-Eifer wieder in bestimmte Kegeln fas-sen, — auf der Basis der Rang-Skala. Aber das istglücklicher Weise ein Punkt, an dem sich unsere Vor-liebe für französisches Wesen regelmässig stösst. VonBussing (1713) werden diese „Regeln" in sehr gelunge-ner Weise abgethan:
„Andere quälen sich über die Positur und Stell-ung der Helme, wollen, dass man nur der grösstenHäupter ihre in die Fronte, der übrigen aber etwasschieff über die Seite setzen solle, aber der gemeineGebrauch, so allhier Meister ist, nimmt nichts als die-ses in Acht, dass, wenn mehr, als ein Helm vorhanden,man den mittelsten in die Fronte setzet, und die übri-gen Rechts und Lincks gegen diesen kehret. Ist abernur einer und man will ihn schieff setzen, kehret manihn billig nach der Rechten, weil es vor diesen einAbzeichen der Unechten gewesen, dass ihre Helme überdie Lincke schielen müssen."
Ritdolphi (1698) sagt über den letzteren Punkt.
„Ferner, wollen auch einige Ausländer, dass derunehelichen Kinder Helme, zum Zeichen ihrer Geburt,
nach der lincken Seiten sollen gekehrt werden.....
Es wird aber bey den Teutschen auch auf dieses nichtgesehen .... sondern man siehet beedes, in der Stell-ung als Oeffnung, mehr auf die Zierde, und eines jedeneigenes Gutbedüncken, als auf eine gewisse Regel."
4. Capitel.
I»«m Cit-Haniuiltilil.
Ich weiss wohl, wenn ein Fratz
keinen Schildhalter unter den
Bären, Greifen und Schweinen
finden kann , so nimmt er einen
Hercules dazu
Oöthe, Götter, Helden und Wieland.
In Allgemeinen wird der Helm auf das hintere Eck
des Schildes — die Helm-Ecke - fest aufgestülpt. Nur
im Nordwesten Deutschlands, namentlich in Westfalen
wird der Helm meist nur lose aufgesetzt oder halb
schwebend dargestellt, und der Zusammenhang mit dem
Schilde durch Riemen oder Bänder vermittelt.
Siegel IV. C. des Grafen Johann V. von Nassau-Dillenburg an einer Urkunde von 1481 ').
No. 470.
Im früheren Mittelalter war der Schild energischnach einer Seite gelehnt, da es dem damaligen Ge-schmacke widerstrebte, denselben auf der scharfen Spitzebalanciren zu lassen; durch die Neigung nach einerSeite bekam der Schild eine feste Grundlage und eswurde ausserdem in dem oberen Eck des Schildes eingeeigneter Ruhepunkt für den Helm gewonnen.
Die spätere Entwickelung der Wappenkunst dage-gen drückt sich auffallend in .der Tendenz aus , denOberrand des Schildes mehr und mehr in eine wag-rechte Stellung zu bringen.
Die Wappenkunst des Mittelalters und der Re-naissance wendet dem Oberwappen, dem Helm undHelmkleinod eine ausgeprägte Vorliebe zu. Das Helm-kleinod nimmt hänfig in der Höhe die Hälfte der Dar-stellung ein Durchschnittlich ist das Verhältniss vomHelmkleinod zu Helm und Schild wie 6—4—5. Wennder Helm erheblich über diese Proportion hinausgeht,so wird die Gesammtwirkung dadurch beeinträchtigt,wie in dem nachfolgenden Wappen Seckendorf aus demAnsbacher Wappenbuch. (Siehe No. 471).
Das Ensemble wird vollendet durch den Aufbau derHelmdecken, welcher stets den Verhältnissen des Helm-schmucks angepasst ist. Ist der Abschluss des letzte-ren etwas kahl, so treten die Helmdecken ergänzendein.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts theiltsich die Decke auf jeder Seite in zwei Theile, von de-nen je einer nach oben der andere nach unten ge-schlagen wird.
1) In seinem Werke: Teutscher Nation Herligkeit.S. 27.
2) Aus v. Goeckingk Nassau Taf. V. No. 18.