Geschichte der Heraldik. III. 2.
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stehen gewöhlich die beyden mittelsten gerade unddas dritte und vierte auf der Ecke sehen sich einan-der an."
„Bey dieser wenigen Zuverlässigkeit (meint v. Me-ding) muss das Vertrauen sehr wegfallen, welches manbis daher ins Fürstenische Wappenbuch gesetzet
hatte
')
3. Capitel.Die Vermehrung der Helme.
Nachdem die quadrirten Wappenschilde in Deutsch-land Eingang gefunden hatten, dauerte es noch einegeraume Zeit, bis man sieh dazu entschloss, dem eineMehrheit von Wappen enthaltenden Schilde die ent-sprechende Zahl von Helmen aufzusetzen und so dieWappendarstellung zum Repositorium aller an eineEamilie gediehenen Schild- und Helmzeichen zu machen.Dieser Gedanke liegt anscheinend sehr nahe und dochsieht man die Wappenkunst lange Zeit im vergeblichenKampfe gegen die Schwierigkeiten der Wappenhäufung,selbst dann noch, als im Grunde das Auskunftsmittelbereits entdeckt war. Ich habe oben (S. 200) nachge-wiesen dass schon 1361 ein Siegel vorkommt welcheszwei conforme Helme auf einem Schilde enthalt. Andiesem Auskunftsmittel ging die Wappenkunst mit ver-bundenen Augen vorbei. Wir können uns die Sachenur so erklären, dass der einstweilen noch fortdauerndemilitärische Gebrauch des Kleinodhe'.mes mit den Be-schränkungen die er dem Wappenbrauche auferlegte,der künstlerischen Entfaltung des Wappenwesens imWege stand. Es war eine Unmöglichkeit, gleich-zeitig mehr als einen Helm zu tragen; der Wappenherrwelcher über mehr als einen Helmschmuck verfügte,musste eine Auswahl treffen. So lange der militärischeGebrauch noch den eigentlichen Zweck des Wappensbildete, mussten die aus jenem sich ergebenden An-schauungen und Begriffe auch den aussermihtärischenWappenbrauch beherrschen.
Dieser Zustand dauerte bis gegen das Ende des14. Jahrhunderts. Von dieser Zeit an wird es üblich,dem Schilde einen zweiten Helm aufzusetzen, wenn derbetreffende Wappenherr einen solchen besass.
Ausnahmen kommen allerdings auch jetzt noch vor.
Siegel IV. C. des Hans von Vinzelberg an einerUrkunde von 1492. Umschrift: „S . Hans . van . vin-tzelbg." 2) Tj ebei . dem Wappenschild (Tartsche) stehtein Helm mit Bocksrumpf zwischen zwei Hörnern, da-rüber noch ein zweites Kleinod (ohne Helm): Krone,darin drei Federn, womit wahrscheinlich der Helm-schmuck angedeutet werden sollte, den wir auf einemanderen Siegel des Geschlechts 3 ) wahrgenommen haben.
No 466.
1) In der Vorrede zu Tbl. III. S. Vif.w 2) Nach einer Zeichnung aus dem Nachlasse von*■ A. Vossberg im kgl. Geh. Staatsarchiv in Berlin.
3 ") Veigl. S. 2G1.
Weiter wollen wir noch erwähnen das Siegel desOtto von Sänne (altmärkisches Geschlecht) an einerUrkunde des J. 1399 *) wo der Raumerspamiss wegender einzige Helmschmuck mit dem Schildzeichen ver-einigt ist.
No. 467.
Das Wappen der v. Sänne bilden zwei schrägge-kreuzte Fähnchen. In dem vorliegenden Siegel ist derSchild mit dem Helmschmuck (Federnkleinod zwischenzwei Fähnchen) bezeichnet.
Unter den Wappen mit zwei Helmen ist eines derältesten das folgende, wo die Helme nebeneinander ge-stellt, in eine Richtung blicken.
Wappen des Hanns Phling von ca. 1400 imSt. Christophori-Bruderschaftsbuch. Das Bild des vor-deren Helmes ist nach Franzenshuld ein weisser gold-besaamter Lilienbusch, das gekrönte ITC ist das Zeicheneiner Bruderschaft oder eines Ordens, vielleicht auchdas am rechten Obereck befestigte Schildchen, welches
Franzenshtild für das Wappen der Frau des HannsPhling hält B )
4) Nach einer Zeichnung aus dem Nachlasse vonF. A. Vossberg im Kgl. Geh. Staatsarchiv in Berlin.
5) Nach der lithographirten Abbildung im Jahr-buch II der k. k. herald. Gesellschaft Adler in Wiendurch Herrn Paul Schahl in Berlin in sehr gelungenerWeise verkleinert ziiikographirt.