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Geschichte der Heraldik. III. 2.
No. 465.
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Wappen derPflugk aus dem Ansbacher Wappenbuch.
Die Kegeln der Wappen-Orientirung waren in derZopfzeit kaum noch verstanden, jedenfalls hei der Ver-knöcherung und Entartung der Wappenkunst als einstörendes Element empfunden. Wir schliessen hiereinige kennzeichnende Aeusserungen an, mit denen dieseRichtung der Zopfzeit abgethan sein mag:
Schumacher (1694): „regnlariter müssen alle Bildernach der rechten Seiten des Schildes gewendet stehen.dagegen fast alle Mahler, Kupferstecher und Müntz-Formenschneider in Teutschland pecciren, und aus einerimaginirten Wohllassenheit, die Gesichter derer Thiere,die an der rechten Seite stehen, nach der Lincken wen-den , da doch die Chur- und Filrstl. Lüneburgische,Bayerische und anderer Herren it. Königl. DänischeWapen niemahls weder auff Müntzen oder sonst änderstgezeichnet werden, als dass die Gesichter alle zur rech-ten Seiten gewendet seyn."
Budolphi (1698): Die Kegel dass die Thiere nichtnach der linken Seite stehen sollen ist bei den Teutschen„so wenig in Achtung gekommen, dass man vielleichtohne sonderliche Schwierigkeit, von dieser Art so vielals von jener aufbringen könnte. Und halten sie eshierinnen eben so, als mit dem Helm, den sie nachihrem Belieben bald rechts bald links kehren, unge-achtet anderer Nationen darbey viel scrupuliren wollen.Wievol mau dieses auch der Mahler Irrthum zuschreibenkönnte, weiln gewiss bey den meinsten. wo nicht garbey allen links-gekebrten Thieren der lincke Fuss vor-zustehen pfleget, welches keine undeutliche Vermuthungerwecket, dass solche Figuren allein aus Unachtsamkeitumgekehrt worden, als welches in den Kupferstichengar leicht geschehen kann."
Junaendres: „Ob man gleich vergehen wollen, alswann der linke Schrägbalken eine Anzeige dererjenigenwäre, so nicht aus rechtmässigem Eh-Bette entsprossen,so ist doch diese Meinung mit unverweifikheu Exem-
peln längst widerlegt worden. Andere haben es bessertreffen wollen, wann sie vermeinet, dass nicht der linkeBalken, sondern ein solcher Faden, ein unbetrüglichesKennzeichen dergleichen unehlichen Geburt wäre, denenich aber statt aller andern ein einiges Exempel an demalten Bambergischen Wapen entgegen setze. Von die-sen ist bekannt, dass es in güldenen Feld einen schwar-zen Löwen führe, über welchen ein schmaler silbernerrechter Schräg - Balken durch den Schild läuft. Ichfinde aber in einer geschriebenen Chronik, dass in demMarggräfischen Kriege 1558 die zwei Bischöffe in Fran-ken Bamberg und Würzburg nebst der Stadt NürnbergSalva guardia aussgegeben; da dann sich dieser dreyenStände Wappen neben einander illuminirt befunden,und zwar mit diesem besondern Umstand, dass derBambergische Löve auf die linke Seits aiehet und einensilbernen von der linken gegen die rechte Seite durchdas Schild gehenden Schräg-Stab mit der linken vordemPranken hält. Wie sich nun die ohgedachte Meinunghierher gedachte Meinung hierher gar nicht applicirenlässt, so dünket mich, es erhelle daraus genügsam, dassder linke Schräg-Stab oder Faden so wenig, als derlinke Schräg - Balken was nachtheiliges anzuzeigenpflegte. Wollte man mir gleich einwenden, dass esnur um des Wohlstands wegen von dem Form-Schneider,angesehen die drey Wapen neben einander in einenhölzernen Stock geschnitten sind, also gestellt worden,damit der Löwe den andern beyden Wapen das Gesichtund nicht den Bücken zukehren: so muss ich zwar be-kennen, dass sich Unwissende diese Freyheitgerne zu nehmen pflegen, welches aber diejenige,so solche Wapen führen, auf alle Weise zu verhinderntrachten sollten, indem ein jeder, so von der Heraldicnur was weniges verstehet, gar wohl weiss, dass esnicht gleich viel ist, ob eine Figur gegen die rechte,oder gegen die linke Seite siehet; Allein dieser Brief,wovon ich hier rede, ist mit dem authentischen Siegelversehen, allwo der Löwe in eben solcher Positur als indem Holzschnitt erscheinet. Zudem würde man schwehr-lich dergleichen Veränderung mit diesem Wapen habenvornehmen dürfen, wann der linke Schräg-Faden so wasnachtheiliges, absonderlich in Teutschland bedeutensolte. In Frankreich aber mag es wol eine andere Be-schaffenheit damit haben."
v. Meding bemerkt ganz im Sinne der Zopfzeit„dass oftmals bey den in den vier Ecken um ein Haupt-wappen gesetzten vier Ahnen, es sich zuträgt, dass dieWappenbilder eines solchen auf der rechten Seite stehen-den Wappens um die Mahlerey oder Kupferstich zuzieren linksgestellet, und dadurch verunstaltetwerden." *)
Ferner: „Ich hatte nemlich bereits angemerket,dass im gemeldeten (Fürst'schen) Wappenbuche fastalle in jeder Reihe oben an stehende Wappenbilder in-soferne sie mehr als einer Stellung fähig sind, wie die-ses z. B. bey Thieren der Fall ist, linksgekehrt stehen.Herr Wolfram (Rechtsconsulent in Braunschweig) gehetweiter und zeigt, wie man bey der unrichtigen Stellungder Wappenbilder in gedachtem Wappenbuche systema-tisch zu Werke gegangen sey. Bier sind seine eigeneWorte (in einem Briefe an von Meding): „Ueberhauptkommen die unrichtigen Stellungen in diesem Wappen-buche blos daher, weil man gern die Symmetrie hatbeobachten wollen; wenn daher sich fünf Wappen ineiner Reihe befinden, wie in dem ersten und zweytenTheile des Wappenbuchs, so steht das mittelste geradeund von den andern vieren sehen sich immer zwey undzwey an. Finden sich vier Wappen in einer Reihe, so
1) Nachrichten von adel. Wappen II. S. 942.