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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 2.

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Es kommen aber auch Ausnahmen vor, die an-scheinend nicht auf obige Weise erklärt werden können,2- B. in Siegeln die nur ein Wappen, links orientirt,enthalten.

Das schildförmige Siegel IV. A. 1. des Heinrichvon Langenburg vom J. 12221) ze igt den bekanntenLangenburger Schild: getheilt, oben ein Leopard, untengeschacht. In dem Siegel ist der Leopard nach linksgekehrt.

In dem Rücksiegel III A. 2. a. der Gräfin Marga-retha von Luxemburg vom J. 1270 2 ), welches den Luxem-burger Schild zeigt, ist der Löwe nach links gekehrt.

Vielleicht liegt dieser Darstellung die stolze Ab-sicht zu Grunde, das Siegel als ein solches zu bezeich-nen , welchem die erste Stelle an Urkunden gebühre:das Wappen des ersten Siegels wendet sein Gesicht dennachfolgenden Siegeln zu.

Nicht in jeder Gruppirung von Wappen werdendie Schilde einander zugekehrt, namentlich dann brauchtdiess nicht der Fall zu sein wenn ;die Darstellung nureine Schaustellung der Wappen bezweckt, die einemHause zustehen.

Siegel des Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburgan einer Urkunde des J. 1418 s ).

NO. 463.

Der Löwe ist hier ganz richtig nach rechts gewen-e *- Dagegen müssen, wenn die Schilde gegeneinandergelehnt sind, in jedem Falle auch die Figuren ein-ander zugewendet sein.

Bei quadrirten Schilden, die zwei Wappen ver-schränkt enthalten und bei mehrfeldigen Schilden, rich-tet sich die Stellung der Figuren nach der Gesammt-urientirung der Darstellung, die Thiere sollen ein-auQ er nicht zugewendet werden *)."

Die Links-Orientirung einzelner und einzeln stehen-der Wappen erklärt sich zuweilen durch die specielleBestimmung der Darstellung.

1) Fürst Hohenlohe, sphrag. Aphor. S. 12 No. 37.

2) Ebenda S. 80. No. 213 b.

») Monumenta Zollerana I. S. 534. Das Clicheverdanke ich dem Kgl. Geh. Hausarchiv zu Berlin.jt *) Rudolphi(S. 119) schreibt:übrigens, so erinnertgerr D r . Spener billich den Fehler, welcher bey uns,» aen. quartierten Schilden gar gemein ist, nenilich dieseiv re it dem Qe sicht gegen einander zu setzen, wannüb! « in zweven Feldern repetirt werden, weiln solche«jwe Gewohnheit nicht wenig Unordnung und Unge-der tJ* erre g et > absonderlich in denjenigen Schilden,en Felder wieder absonderlich abgetheilet werden,,7 e ' ln .dadurch öffters die rechte Theilung in die lincken"na die lincke in die rechten verkehrt wird."

In Bibliothekszeichen wird das Wappen dem Titeldes Buches zugewendet. Werden Wappen auf Buch-einbänden angebracht, so sind dieselben nicht demBücken sondern der offenen Seite des Buches zuge-wendet.

Wappen des bekannten Nürnberger Patricierge-schlechts Löffelholz von einem Bucheinband des15. Jahrh. im Germanischen Museum zu Nürnberg 5 ).

No. 464.

In Kirchen werden die Wappen dem Orte zuge-wendet, dem man Ehrfurcht erweisen will. Gatterer 8)sagt:

Man findet Denkmäler, sonderlich in Kirchen, wodie Schilde gegen den Hauptaltar, oder auch gegen einin der Nähe befindliches Marienbild gelehnet sind. Daes hier auf eine Art von Ehrfurcht ankommt, so ist eskein Wunder, dass auch das Visier des Helms gegeneine solche Gegend, welcher man Ehrerbietung schuldigzu seyn glaubt, gekehrt ist, gesezt, dass solches auchden heraldischen Regeln zuwider seyn sollte."

Selbstverständlich ist es, dass die Richtung desHelmes, wenn derselbe nicht ins Gesicht gestellt ist,der Richtung des Schildes folgt.

5) Aus dem Anzeiger für Kunde der deutschenVorzeit 1870. S. 122. Das Cliche verdanke ich demGermanischen Museum in Nürnberg.

6) Ahriss 8- 121.