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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 2.

Ingelstatter Wapen, das Thier (Panther) blauw,die Ohren, Zung vnd klahen rot, in weissem Schilt."

Reischach. ein schwarzer Eber mit weissen Zänen-vnd roter Zungen in weissem Felde.

Cameraw, ein roter Eber mit weissen Zänen vndroter Zungen vnd grünen bürsten."

Schweinfurter Schilt, ein weisser Adler mit roterzung vnd klahen, in schwartzem Felde."

Haylbrun, ein schwartzer Adler mit gelbem Schnabelund füssen, eine rote Zung in weissem Feld."

Brandenburger Wapen, ein roter Adler mit gelbemSchnabel füssen vnd strich durch die flügel, in weissemFelde."

Henneberg, zwen halb schwartz Adler mit rotenKronen in gelbem Felde etc."

Alban von Clausen, ein schwartzer Schwan mitrotem schnabel vnd füssen, in gelbem Felde."

(Brandenburger Wappen)ein roter Greiff mitgelbem schnabel, Zungen vnd förder füssen."

Der heraldische Autor Trier giebt (1714) folgendeRegel:

Es geben ferner die Wapen-Kündiger von denThieren diese Regel, dass ihre Zunge, wenn dieselbeausgeschlagen ist, und die Bewehrung, wodurch mauZähne und Klauen versteht ingleichen bey den Vögelnder Schnabel, Füsse und Klauen, bei den Fischen aberdie Zunge, Zähne und Floss-Federn anders tingirt seynsollen als der übrige Leib. Und zwar pfleget man ins-gemein ermeide Extremitäten gülden zu mahlen, eswäre denn, dass entweder das Thier oder das Feld be-reits gülden wäre, da man sie roth mahlet, und wenneines von beyden gülden, das andere aber roth ist, sonimmt man blau. Doch leydet diese Regel alsdannihren Abfall wenn man Nachricht hat,, dass die Extre-mitäten von Alters her andere Tincturen gehabt, alsin welchem Fall es billig bei dem Herkommen bleibetund solches im Blasoniren muss gemeldet werden. Wenndas Thier eine Crone führet so haben die Extremitätenmit derselben gemeiniglich einerley Tinctur."

2. Capitel.Die Orientirung; der Wappen.

Die naturgemässe Orientirung des Wappens ist dienach der rechten Seite. Der dreieckige Kampfschildzeigte sicherlich niemals ein nach der linken oder hin-teren Seite gewendetes Bild. Die Wappenkunst hatsich jedoch nicht unbedingt an diese Regel binden kön-nen, vielmehr wurde schon frühzeitig bei der Gruppirungmehrerer Wappen, die zu einander in eine Beziehunggebracht werden sollten, das natürliche Erfordernissden Ansprüchen der einheitlichen künstlerischen Ge-samtwirkung untergeordnet.

In der Erasmus-Kapelle der Pfarrkirche zu Teistenin Tyrol hängen drei runde Wappentafeln aus dem An-fang des XVI. Jahrh , welche als ausgezeichnete Holz-schnitzwerke im Hochrelief und mit lebhafter glänzen-der Polychromie die Aufmerksankeit des Kenners ansich ziehen. Tinkhauser i) giebt die nachstehende Ab-bildung einer derselben. Die Inschrift lautet: £jic ieitber ebl rmb ccft b,cmns von celsperg, er ift gcftorben bcspfti^entag cor rmfcr lieben fratnett nctFünbuitg 1V03 (1503)."

Das viergetheilte Wappen rechts gehört den Welsper-gern, das linke denen von Weisbriach.

No. 461.

1) Mittheilungeu über Denkmale der mittelalter-lichen Kunst im Pusterthale in Tyrol in den Mitthei-lungeu der k. k. österr. Centralcommission für Baudenk-male XIII. S. XXXI. - Das Gliche verdanke ich derGüte Sr. Excellenz des Freiherrn v. Helfert.

Ist das Wappeu der hinzukommende Theil einerDarstellung, so ist die Orientirung der Letzteren mass-gebend für die Richtung des Wappens.

In dem auf S. 180 abgebildeten Siegel III. B. 3.des Grafen Friedrich v. Fürstenberg an einer Urkundedes J. 1291 ist der Inhaber nach links reitend darge- -stellt, seine rechte Seite ist uns zugewendet und dem-gemäss blicken die in die Pferdedecke gestickten Adlernach links, d. h. nach derjenigen Richtung, in welchersich das Pferd fortbewegt. Auch der Adler im Schildscheint links zu blicken.

Als Curiosum folge hier das Siegel III. B. 3. desPfalzgrafen Ludwig I. von Zweibrücken - Veldenz(1453-1489).

No. 462.

Der Pfalzgraf trägt eine Tartsche, deren scharfesEck unnöthiger Weise nach links gewendet ist. Gleich-wohl sind die Löwen des 1. u. 4. Feldes nach rechtsgewendet 2 ).

2) Aus dem Anzeiger für Kunde der Deutschen Vor-zeit. 1856. S. 204. Das Cliche verdanke ich der Direc-tion des Germanischen Museums.