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Geschichte der Heraldik. III. 2.
und Bewegung einen gewissen leidenschaftlichen, ge-reizten Ausdruck: Haupt flächig, Schnahel gewaltsamauseinander gezerrt mit hervorgestreckter manchmalhakiger Zunge, der (fast gebrochen) krumme Hals miteinem Kröpfe sich sträubend, am Genick herab einzelnausladende Federn, neben der Halswurzel entschiedenemportretende Schultern, die Sachsen über die Halb-kreislinie eingepogen mit 3 bis 4 Höckern und S-förmi-gen Haken, die Schwungfedern radförmig emporgerich-tet mit Zwischenfäden. Stellung der Fänge im rechtenoder sogar stumpfen Winkel, die Waffen krampfhaftund knöcherig verdreht; Schwanz mit allerlei Hakenund Häkchen breit ausladend.
6. In der Reformationszeit (1493-1555) istDürer als Hauptvorbild anzuerkennen und im Ganzenfolgt er seinen Vorgängern, aber seine Zeichnung istmaßvoller und die Haltung seiner Adler bei allerStraffheit sozusagen vornehmer, ruhiger; der Schnabelnicht so gewaltsam auseinander gebrochen, die Zungemit oder ohne Stachel, der Hals nicht so kropfig undder Winkel zwischen den Fängen bald spitz - baldrecht- oder stumpfwinklig, diese aber dabei gehöriggestreckt.
7. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhun-derts (1555-1618) zeigt sich schon. . . die ver-schrobene und weder adler- noch gut wappenmässigeStellung mit förmlichen Froschschenkeln.
Der Löwe.
Noch charakteristischer ist die Zeichnung des senk-recht steigenden Löwen, welche derselbe Gelehrte wiefolgt historisirt'):
1. Im Zeiträume des reinen Styles unterden Staufen (1137-1273) zuoberst das Haupt, zu-unterst die linke Hinterpranke, die linke Vorderprankewagrecht , die rechte zwischen ihr und dem Haupte inder Mitte, also beiderseits etwa einen Winkel von 45<>bildend und die rechte Hinterpranke mit der rechtenVorderpranke gleichlaufend demnach der Winkel zwi-schen den beiden Hinterpranken ein stumpfer; der Za-gel am Rucken emporgestreckt mit einem dicken in derMitte und einem solchen am rechts (körperwärts) um-gebogenen Ende; der Pelz schlicht oder nur am Halsemit lockiger Mähne. Der Rachen ist geschlossen odernur massig geöffnet, doch ohne ausgestreckte Zunge.
2. Im zweiten Zeiträume des reinen Sty-les unter den Habsburgern (1273—1350); Ge-stalt und Stellung im Allgemeinen wie zuvor; der Pelzwird kraus und zottig wie auch der Zagel, welcher üb-rigens auch ganz kahl vorkommt; es kommt nun dasAusstrecken der Zunge auf, die Weichen werden schlank ;die rechte Hinterpranke geht aus der gleichlaufendenRichtung mit der rechten Vorderpranke in die mit derlinken über und der Winkel zwischen den zwei Hinter-pranken verkleinert sich zu einem rechten.
3. In der Zeit des reichen Styles unterCarl IV. (zweite Hälfte des 14 Jahrhunderts) ist diePrankenstellnng - der zwei mittleren gleichlaufend —entschieden, doch beginnt nun das Haupt aus der senk-rechten Achse mit der linken Hinterpranke zu weichenund sich etwas links zurückzuliegen.
4. Im 15. Jahrhunderte artet der neue Styl inden Verfall der Wappenkunst aus (?): in der erstenHälfte zunächt (1400—1440) treten die linke Hinter-und rechte Vorderpranke in eine Schräglinie und dasGenick mehr links zurück, die Krallen werden mehrfingerförmig, der Winkel des Rachens weiter geöffnet.
Unter dem Kaiser Friedrich III. sodann (1440 —
1493) ist die Veränderung im Verhältnisse der einzel-nen Theile zu einander vollständig entschieden, indemnun die Hauptachse nicht mehr senkrecht steht, son-dern schräg gelegt ist, und das obere Ende die-ser Hauptachse nicht mehr das Haupt, sondern dierechte Vorderpranke bildet. Rechtwinklich zu jenerHauptachse sind nun 1) oben einerseits die linke Vor-derpranke gestellt und anderseits (links) das Haupt;2) unten aber rechts die rechte Hinterpranke undlinks die Wurzel des Zageis, welcher sich dann wiefrüher über dem Rücken emporrichtet; doch erscheinenseine Büschel wie um denselben gewickelt und züngelnlebhaft bewegt wie Flammen; die Krallen länger,knorriger, krampfhaft gebogen und mehr auseinandergesperrt, die Brust kropfförmig hervorgepresst und derRachen so übertrieben auseinander gezerrt, dass derOber- und Unterkiefer kaum noch zu einander zu ge-hören scheinen. —
Die Heroldsbilder sind zwar angesehen als Zeicheneines hohen Geschlechtsalters, aber dem Geschm a ckedes Zeitalters, welches gefüllte Wappenschilde liebte,entsprachen sie durchaus nicht mehr. Daher werdenallzueinfache Wappen dieser Art zuweilen mit Zusätzenversehen.
No. 458.
No. 45!).
No. 458. Heinrich v. Sydow zu Hanseberg; Siegelan einer Urkunde von 1354.
No. 459. Henning Sydow; Siegel an einer Urkundevon 1449.
In einem undatirten, vermuthlich aber im Jahr1665 von dem Herzog Ernst Bogislav von Croyverfassten, für den grossen Kurfürsten bestimmtenheraldischen Gutachten 2 ) äussert jener , dass „an derganzen Symmetrie" des kurfürstlichen Wappens nichtsmangele, ausser den Feldern für Magdeburgund Cleve, doch könnte das erstere durch Zufügungeines Adlers in verwechselten Tincturen gar leicht ver-bessert werden!
In farbigen Darstellungen tritt die sogenannteDamaseirung wirksam ein. Ich begnüge mich mit derAnführung eines einzigen Wappens aus dem Grünen-berg'schen Wappenbuche, wo z. B. ein Schild, welchereinen rotheu Schrägbalken in Silber enthält, in folgen-der Weise damascirt ist. (Siehe folgende Seite No. 460).
Die Bewehrung.
Seit Kaiser Friedrich III. wird die sogenannte B e-wehrung — unter welcher ich die abweichende Tin-girung aller Nebentheile verstehe — in der Regelnur in den heroldsmässigen Blasonirungen erwähnt,desto eifriger aber von den Malern der Wappenbücherbeobachtet. Unter beiläufig 400, meist kanzleimässigenWappenbeschreibungen aus der Zeit des genannten
1) Jahrbuch XIV des Adler S. 26 f.
2) Acten im Königl. Hausarchiv zu Berlin.