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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 2.

No. 454.

Der obere Rand ist entweder ganz gerade, odersanft geschwungen, oder in der Mitte gekerbt. Deruntere Band ist in der Begel halbrund, oder in derMitte (der Kerbung des Oberrandes entsprechend)gekerbt.

Die heraldische Tartsche ist, wie ihr Vorbild, nachaussen gewölbt. Diess wird durch eine der Längsthei-lung ähnliche (diese jedoch nicht bedeutende) bogen-förmige Schattirung angedeutet.

No. 455.

Aus dem Ansbacher Wappenbuch.

Aus einem zur Schau getragenen erblichen Abzei-chen der Familie wird das Wappen ein ideelles Besitz-thum derselben, ein seinen Sitz in der Vorstellunghabendes Sinnbild; nicht das Wappen selbst, sondernnur eine Wappen darstellung ist sinnlich wahr-nehmbar.

Die heraldische Tartsche.

Die vor Mitte des 14. Jahrh. in der Bewaffnungs-technik auftauchende Tartsche, die wir oben i) genaukennen gelernt haben, war bisher das Beich der Wap-penkunst verschlossen geblieben. Wir kennen nurwenige Fälle nach Mitte des 14. Jahrh. in denen dieTartsche als Wappenschild behandelt ist. Dieser neueKampfschild war in seiner ursprünglichen Form zumWappenschild auch durchaus nicht geeignet. Nochweniger passte freilich die gezackte Tartsche von ca.1440 zum strengen Wappenstyl.

Es wurde nun in der zweiten Hälfte des 15. Jahr-hundert unter Zugrundelegung der Tartsche ein neuerwappenmässiger Schild erfunden, der sich von demhalbrunden Schilde hauptsächlich durch die Bildung desvorderen Seitenrandes unterscheidet. Derselbe verläuftvom Schildesfusse aus in einer starken Schwingungnach oben und bildet mit dem Oberrande, der zuweilenin der Mündung gebrochen ist ein scharfes, nasenför-miges Eck.

Der hintere Seitenrand ist entweder bis zum Schil-desfuss ganz gerade gezogen, oder die Schwingung isteine viel sanftere als die das vorderen Bandes.

Tartsche nach Martin Schongauer.Wappen aus einem Wappenbriefe des Königs Sigis-mund für Jacob Budolf von Ysna. 2 )

No. 456.

1) Es steht zu der Entwickelung der Tartsche invölligem Widerspruch, wenn die Herren v. Eye u. Falkebehaupten, dass die (heraldische) Tartsche auf demGrabstein des Hanz v. Herzheim f 1497 den Kampf-schild in seiner einf ac h s te n Form zeige. Als nocheinfacher bezeichnen sie allerdings die DeggeudorferTartsche (Vergl. die Abbildung auf S. 328) der Schildauf dem Herzheimer Grabstein ist eine heraldischeModifikation des wirklichen Kampfschildes, der übrigens1497 längst nicht mehr existire.

Die Wappenkunst, welche bei aller Strenge desStyls eine ausgesprochene Feindin der Schablone ist,

2) Aus dem Werke: Kunst- und kulturgeschicht-liche Denkmale des Germanischen Nationalmuseums.Eine Sammlung von Abbildungen hervorragender Werkeaus sämmtlichen Gebieten der Kultur, zusammengestelltund allen Freunden der deutschen Vorzeit gewidmetvon A. Essenwein. Gedruckt von W. Drugulin zuLeipzig. Boyal-Form. Das Gliche verdanke ich derGüte der Direction des German. Museums in Nürnberg.