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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 1

Die letzte Zeile bildet eine Beminiscenz an eineweit zurückliegende Zeit, die ich mir (wenn Keller'sZeitbestimmung richtig ist) eben nur durch die Belesen-heit des Dichters erklären kann.

Später wird ein Wappen mit einem Spruch be-schrieben :

Die wäppen fourt man in vil gachAuf hohen chämeltyren nach,Jr zaychen was ein chronter lowMit einem sprach: Mir niemant tröw.Sehr bezeichnend ist es, dass in diesen Spottge-dichten lediglich der Wappenbrauch der Bauern lächer-lich gemacht wird verhindern konnte man denselbenauch nicht! während der viel allgemeinere Wappen-brauch der Bürger auch nicht mit einem Worte desleisesten Tadels getroffen wird. In der That war dasWappen für die Bewohner der Städte etwas so Not-wendiges, dass es gar nicht entbehrt und durch einAuskunftsmittel nicht ersetzt werden konnte

Einmal war das Wappen das Siegelbild per excellencegeworden; die Bürger konnten für ihre Bechtsgeschäfte,für ihren Handelsverkehr, an dessen Umfang undVielseitigkeit die Bechtsgeschäfte des landgesessenenAdels nicht entfernt hinanragten, des Siegels nichtentbehren.

Sodann wurde der mit dem Wappen geschmückteHausschild als Wegweiser für Einheimische und Fremdeum so unentbehrlicher, als geschriebene Häusernamenvon den Meisten doch nicht hätten gelesen werden können.Sehr richtig bemerkt Walter Scott (Braut von Lammer-moor)Auch waren zu jener Zeit manche unsererjetzigen Knausereien nicht üblich, und man ersetztenoch nicht durch ein paar geschriebene Worte jenesymbolischen Darstellungen, welche nicht nur lehrreichsind, sondern auch den Kunstjüngern eine bescheideneEinnahme gewährten. Es war nicht erlaubt, über eineWirthshausthür oder auf das Schild neben ihr, nurdiealte Elster" oderder Türkenkopf" zu schreiben unddurch diese mageren Worte den geschwätzigen Vogeloder den beturbanten Kopf zu ersetzen."

Dr. Bömer-Buchner x ) erblickt sogar in diesen Haus-schilden die ersten Spuren von Bürgerwappen,indemdie Eigentümer nach dem Schild ihres Hauses sichnannten, und solches als redendes Wappen annehmen ....So hatte Wicker Frosch (in Frankfurt a. M.) 1335 dasSiegel mit drei Fröschen, von seinem Stammhaus in derMainzerstrasse."

Ich meinerseits möchte jedoch daran festhalten,dass im Allgemeinen das Zeichen des Kampfschildesdas Ursprüngliche ist, und dass die Hausschilde eine inzweiter Linie stehende, dem Gebrauche des Wappensin den Siegeln coordinirte Anwendung des Wappensdarstellen.

Anderseits ist es unzweifelhaft, dass durch diesenbeständigen, öffentlichen Gebrauch der Wappen, durchdas gegebene Beispiel die Annahme von Wappen ver-allgemeinert worden ist.

Auch andere zufällige Umstände traten förderndhinzu. So legte die Pfisterzunft zu Luzern, zu welcherausser den Bäckern auch die Müller und Pastetenbäckergehörten, im Jahre 1408 eine Kodel an, welche mit denWappen aller damaligen Mitglieder der Zunft, 69 ander Zahl, geschmückt wurde. Ein erheblicher Theil derWappen dürfte erst bei dieser Gelegenheit angenommenworden sein.*)

Soviel scheint festzustehen, dass der Wappenbrauchder Bürger und Bauern in Süddeutschland, namentlich

der Schweiz seinen Anfang nahm und sich in raschenSchritten nach dem Norden Deutschlands verbreitete.

Ueber die Bürgerlichen Familien-Wappen in Vorarl-berg sehreibt Lorinser*)

Eine Eigenthümlichkeit der Bewohner Vorarlbergsüberhaupt, speciell der von Bludenz und Sonnenberg,besonders aber der von Montavon, liegt in der früh-zeitigen Annahme bürgerlicher Familienwappen, diemit einer grossen Pietät von den Nachkommen fortge-führt wurden. Die frühzeitige Annahme von Familien-wappen dürfte theils durch die frühzeitige Emancipationder Hofjünger in Montavon, theils durch die Nähe derSchweiz veranlasst worden sein. In der That warendie Bürger von Bludenz und die Hofjünger von Mont-avon derzeit freier und unabhängiger als der niedereAdel, der in der Eigenschaft von Dienstmännern vonden Grafen von Montfort belehnt war. Es wird selteneine der alteingebürgten Familien zu finden sein, welchenicht ihr eigeuthünüiches Wappen geführt hätte, undin den älteren Urkunden siegelten die Zeugen in derBegel nur mit ihrem Wappen, dem bisweilen die An-fangsbuchstaben ihres Namens hinzugefügt waren."

Im J. 1349 verkauft der Bauer Nicolaus Elers znWeitendorf mit seinen Söhnen Nicolaus und Heinrich (1),mit Zustimmung seines Bruders Johann (2) und seinesEnkels Erich (3) seinen Hof in Weitendorf an dasHeil. Geist-Hospital zu Lübeck. Bürgen sind Johannvon Pol, Bürger von Wismar (4), Peter von Malchow (5),Henecke Ulrichs Bauer in J Malchow (6), Henning Krosvon Timmendorf (7), endlich Nicolaus (8) und BartholdSchulte (9).

Die Personen, neben deren Namen ich einge-klammerte Zahlen gesetzt babe, besiegelten die Urkundemit den nachstehend beschriebenen Siegeln:

1) S. Hinriei . Weitendorpe . : ein Schild mit einerheraldischen Lilie, darunter drei Kugeln.

2) S. Johanna . Weytendorp .: derselbe Schild.

3) S. Erici . Weytendorp .: derselbe Schild.

4) S. Johannis . De . Pevle .: im Siegesfelde eineHausmarke.

5) S. Petri . De . Malchowe: im Siegelfelde eineHausmarke.

6) S. Johannis . Olrici .: Dieselbe Hausmarkewie Nr. 5 (da, wie oben bemerkt, der letztere Bauer inMalchow war, dürften Nr. 5 u. 6 Verwandte sein).

7) S. Menningi . Kros . : ein Schild mit 3 Krügen,redendes Schildzeichen (kros plattdeutsch noch heutefür Krug).

8) S. Nicolai . Scvlten: mit'einem Schilde auf welchemeine rechte Spitze und unter derselben im untern Ab-schnitte 3 kleine Herzen stehen.

9) Bertoldus . Schwlte: mit einem Hauszeichen.(Nr. 8 und 9 waren, wie oben bemerkt, Brüder.)*)

Bemerkenswerth ist noch, dass der Kaufactcoramdomino Johanne episcopo ecclesie Lubicensis" vor sichging.

In Wernigerode sind bereits 1373, 1375, 1400Bürgerwappen sphragistisch nachweisbar. 8)

Martin Ilow, ein Bauer, zog um 1525 nach Bostockwo er Bürger wurde. Er verkauft an den Herzog Alb-recht von Meklenburg den Burgwall zu Ilow und be-siegelt die betr. Urkunde mit seinemgewöhnlichenSiegel". Dasselbe beschreibt Lisch*): rundes Wachs-siegel mit eingelegter grüner Wachsplatte: im Kreisezwei kreuzweise über einander gelegte Haken, dereneiner am Ende einen Quergriff hat. Umschrift schlechtgravirt: ,,s.' o. martitt. yloroe."

1) Im Archiv f. Frankf. Gesch. u. Kunst. II. 188.

2) Gütige Mittheilung des Herrn StaatsarchivarDr. Fischer in Luzern.

3) GedenkbJätter der Familie Lorinser S. 39.

4) Meklenb. Jahrbücher XV. 76 u. 242.

5) Correspondenzblatt des Gesammtvereins 1886 S. 88,

6) Meklenb. Jahrb. VIL' 308.