Geschichte der Heraldik. III. I.
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fall geratheii lassen: das Amt der Bitter, das Schildes-amt (wie Wolfram von Eschenbach sagt) wurde auchvon Knappen ausgeübt , vielleicht weil von den Herrendie Kosten des Ritterschlags gescheut wurden. DieBitterwürde wurde mehr und mehr eine Auszeichnung.Nicht mehr der Schild sondern der Schwertgurt war dasEhrenzeichen des Bitters.
Eine Art von Schilden hatten diejenigen Krieger,welche mit dem Bitterstande nichts zu thun hatten,schon in früheren Zeiten geführt. Otto v. Fremng er-wähnt diese Thatsache gelegentlich s. ,a. 1155 (vergl.oben S. 9).
Dazu kommt, dass solche Leute, welche unter Ver-zicht auf die angeborene Eittermässigkeit einer bürger-lichen oder bäuerlichen Nahrung sich zuwandten, denGebrauch des Schildes beibehielten.
Einen solchen Eall erzählt schon Wolfram vonEschenbaeh. Gawan will nach einem Kampfe, der seinenSchild untauglich gemacht hatte, das Abenteuerdes Schatel merveil bestehen und erhält dazu von seinemWirthe, einem Pergen, dessen Schild geliehen.
Der Gebrauch der Schilde war in jener Zeit auchdesswegen eine Nothwendigkeit, weil die Städter meinem Kampfe gegen rittermässige Leute sich keinerungleichen Waffen bedienen konnten, ohne sich m Nach-theil zu versetzen.
Es ist sicherlich ein ganz naturgemässer Vorgangwenn dem Beispiele der Einschildritter, die ursprünglichauch keine Sonderwappen geführt hatten, im Anfange des14. Jahrhunderts die wehrhaften Personen in Stadt undLand folgten, welche aus dem Kriegerstande kein be-werbe sondern ein Werk der Noth gemacht hatten, —wenn diese Personen die Waffen, die sie zum Schirmeihres Gemeinwesens trugen, vor allem den Schild, mitAbzeichen schmückten, ,. , . ..
Auf diese Vorgänge zielten die Spottgedichte, <ne«ich seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts inder Literatur breit machen. , .
Das älteste mir bekannte Stück dieser Art ist aassatyrische „Ehrenlied« des Peter Suchenwirt „Von nernSumolf Lappen v. Ernwicht.'i) Ich lasse diei.Wappenbeschreibung* hier folgen.121 mich pitten umb den namen sein
und daz ich chünd der Wappen schein
von leberwürsten ist der rant
ein futtersakch in rant pant. 2 )125 in einem schilt ein (von?) habestro
ir zarten frawen nu seit tro
daz ich in hab czu velde pracht.
sein heim glast aus hoher acht
seint ich es muzz chunden doch180 ein grozzer hafen sawrkoch
glest anf dem heim wunichleich
daz er die cziehen sein bestreich
da haymen an der sunnen.. Eine ganze Sammlung solcher Spottwappen enthalt«er Bing des Heinrich Wittenweiler, •) eines Dichters
T 1) Primisser kannte dasselbe noch nicht. An dasficht gezogen hat esG.E.Friess aus einer Handschritt«n Cisterzienserstift Schlierbach. Sitzungsberichte derPhilos.-histor. Classe der Kais. Akademie der Wissen-schaften Bd 88 Jahrg. 1877.
2) rampant. . ,'„*** -t
^ 2) Bibliothek des Uterarischen Vereins in Stuttgart■Bd. 23. A. v. Keller sagt über den Dichter:. „Heinr. Wittenweiler ist ein vielseitiger unter-richteter Mann des Bürgerstandes, der auf den rohen,sich überhebenden Bauernstand mit unerschöpflicherSatire und Ironie herabfährt, ganz in der Weise, wie<üe gleichzeitigen Fastnachtspiele vielfach thun.
des 15. Jahrhunderts. Die Dichtung ist eine förmlicheTravestie des Bitterwesens und verhöhnt den Bauern-stand in unbarmherziger Weise.
Der „Bing" besteht aus drei Theilen:
Daz erste lert hofieren
Mit stechen und turnyern
Mit sagen und singen
Und auch mit andern dingen.Schauplatz der Handlung ist das Dorf Lappenhausen,darin viel esler Bauern (ein häufig vorkommendes Wort-spiel) sind. Die Schilderung der Bauern ist abscheu-lich, ebenso wie Namen und Wappen:
Der erst was unser Triefnas
Ein held recht sam ein giesfas;
Des wappen warend gablen zwo
In einem mist, der was er fro
Der ander Chuoncz von Stadel hies,
Ein helde sam ein waldmies.
In seinem schilt gemalet was
In grünem veld ein toter has.
Der dritte Chunczo was genant
In allen schänden wol erkant.
Er fuert für seynew wappen
Zwen hulczin chrieshaken.
Dem vierden sprach man junkher Troll
Ein cheker sam ein anchenzoll;
Daz sein zaichen was ein rechen,
Der sich ungern Hess zerprechen.
Der fünft was Hainczo mit der gaiss
Ein eselman vnd rrittigmäiss,
Dem hiet der pharrer wappen geben
Drey nuss an einer Weinreben.
Der sechste hiet den namen Twerg,
Ein hochgeporner auf dem perg,
Des wappenrok gemalet was
Mit dreyn fleugen in eim glas.
Den sibenden so nennet man
Her Eysengreyn ein snauferman
Er fuort auf seinem drüssel
Neun löffel in einer schüssel.
Der aht der häist, alz ich es mäin
Graf Burkhart mit dem überpäin,
Der liess ym machen seyneu wappen
Mit zwain ruoben häiss gepraten.
De neunden ich euch tauften wil,
Er haizzet Pencza Trinkavil.
Daz er do in dem schilte truog,
Daz warend rinder in eim phluog.
Der zehend lept nit ane schaden,
Er häisst her Jächel Grabinsgaden;
Der fuort von seiner alten gpürt
Vier rindrin chäis auf einer hürd.
Des einlften namen sey man gwiss!
Der was her Büfli Lekdnspiss
Er war des torffes mäiger
Sey wappen warend äyger
Jr chläinet was das alles best
Ein kalb in einem Storchennest,
Daz fnortens gemaincleich in dem her
Durch junkfrawn Mätzen zuht und er.
Ein Heinrich von Wittenwile genannt Muller burgerzu Lichtensteig kommt in einer St Galler Urkunde von1426 war (Pfeiffers Germ. N. F. VIII) Adelsfreiheit,Besserung des von Kaiser Sigmund 1434 verliehenenWappens und Bewillung sich von und zum Lesler nennenzu dürfen, für Hans Georg Witweiler der BechteDr. Landschreiber der Herrschaften Bregenz und Hochen-e gg dessen Vater ebenfalls Landschreiber zu Bregenzcewesen d. d. Innsbruck 9. März 1627 von Erzherz.Leopold (v. Goldegg II, 193).