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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 1.

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Der Ritterschlag auf dem Schlachtfelds, von denFürsten noch im Anfange des 16. Jahrhunderts geübt,war eine durchaus mechanisch gehandhabte Formsachegeworden, denn der ehrenreiche Schlag wurde ohnePrüfung auch solchen ertheilt, die bereits früher dieBitterwürde erlangt hatten. Michael von Ehen-heim empfing seiner eigenen Erzählung nach zwischen14881505 sechsmal den Eitterschlag, fünfmal aufSchlachtfeldern 1

Die Kaiser pflegten unmittelbar nach ihrer Krönungzu Rom auf der Tiberbrücke eine grössere Anzahl vonPersonen zu Rittern zu schlagen. Beurkundungen übersolche Creirungen wurden nicht ertheilt, sie werdenaber zuweilen in Verbindung mit anderen Gnaden-beweisen urkundlich erwähnt.

Kaiser Ludwig schlug 1328 zu Rom auf der Tiber-brücke den Edeln Mann Conrad von Trimberg zumPitter und gab ihm 100 Mark Silber zu Ritter-Steuer,wofür er ihm 30 Mark Geldes von dem Umgeld vonGelnhausen versetzte und ihm erlaubte das Schul-theissenamt daselbst von Lothar v. Isenburg an sichzu lösen.')

Zu Rom am 13. Juli 1433 beurkundet Kaiser Sig-mund, dass er nach Empfahung der Kaiserlichen Kronean dem h. Pfingsttage nächstvergangen auf der Tiber-brücke, unter allen Andern, der eine grosse Mengegegenwärtig war, den Caspar Schlick zu dem erstenRitter geschlagen und zu seinem Obersten Kanzlerwirdiglich erhoben habe.

Noch Kaiser Friedrich III. schlug nach seinerKrönung zu Rom auf der Tiberbrücke bei 300 Fürsten,Grafen, Herrn und Edelleute zu Rittern.

Der alte Spruch, den Wiguleus Hund citirt:Ritter, ber feynb rncrerlcy\. Des (jetltgcn (Srabs bic iPürbigficu

2. S. Catherinen perg 2 ) uub finftern Sterns bte(Eb,emreften. ,

3. Jluf ber EYberprucfh.cn in Krönung eines Äom.Kay. bte Seften

4. 3n Stürmen, Schlachten :c. bic ©eftrengeftenbezieht sich auf den Zustand bis Ende des 15. Jahr-hunderts. Als seit Max I. die Kaiserkrönung zu Romunterblieb, starb auch die Kategorie der besten Ritteraus, an ihre Strelle traten dieRitter ohne Mühe",welche wie Hund weiter sagt, gemacht wurden, wennein Römischer König erwählt wurde, oder öffentlichPahnlehen lieh.

Im 16. Jahrhundert wurde von der Reichsregierungdie Ritterwürde käuflich gemacht; es scheint zwar, dassnoch immer eine Ceremonie mit der Eintheilung derder Ritterwürde verbunden war; die Hauptsache aberwar der Ritterbrief, dessen Taxe eine verhältnismässighochgegriffene war.»)

In dem Ritterbriefe K. Rudolfs IL d. d. Pressburg,16. Febr. 1582 für Hans Fernberge r, Stadtcomman-danten zu Wien heisst es:

Wir haben nun genediglich angesehen, das Adenlichherkomen, Wesen unnd die red'tliche aufrichtigeThatten, damit wir Unsern getrewen lieben HannsenParnberger von Aur, Unsern bestellten Obristen undStatthauptmann zu Wien erkennen. Haben demnachmit wolbedachtem muth .... obgedachtem HannsenFernherger nicht allein zu Unserm Kaiserlichen Rathgnedigelich gewirdigt an und auffgenommen, sonderauch in den Standt und Orden der Ritterschaft geseztund nach altem herkomen und geprauch zu Ritter ge-macht, Thun das, nemmen auff und wirdigen Ine hiemit

1) Oetter Wappenbel. V. S. 166.

2) D. i. Ritter der heil. Chatharina auf dem BergeSinai, wo die Reliquien verwahrt wurden.

3) Vergl. die 13. Capitel mitzutheilende Taxe.

zu unserm Kay. Rath, Sezen Ine in den standt undOrden der Ritterschaft, und machen Ine zu Ritter vonRömischer Kay. Machtvollkommenheit" etc. etc.*;

Bald finden sich in der Literatur Klagen über diedurch die Praxis der kaiserlichen Kanzlei herbeigefürteDiscreditirung der Ritterwürde.

D. Adam Weiss, Pfarrer von Crailsheim, erzähltin seinem Tagebuch vom Reichstage zu Augsburg 1530:*)

Duo senatores missi ad Comitia ex Ueberlingen,Curante Balthasare designato episcopo Constantiensi,equites aurati (Sabbato post Corporis Christi tantumopus absolutum) a Caesare creati sunt, haue unam obcausam, quod clerum Constantiensem exulantem (A. 1528)merito, in suo moenia reeeperunt. Egregium scilicetet auratis calcaribus dignum stratagema.Creavit item Amantium quendam in poetainlarvatum.(!)"

Graf Reinhard von &'olms°) (1563) sucht seinemTadel die Spitze abzubrechen:

Item dessgleichen, so hat man vorzeiten, wo einerin Schlachten, Stürmen, vnd ehrlichen Feldzügen ge-wesen ist, oder in Meerfart vnd dergleichen gefärlichenernstlichen vnnd mannlichen Sachen gebrauchen lassen,dieselbigen haben die Kayser geehret vor andern, vndzu Rittern geschlagen, vnd weiter mit einem zeichengeehret, als dass sie gelbe .Sporen führen sollen, dess-gleichen ihre Schwerter vnd Wehren gelb beschlagensollen . . . Das istaber nuhme brauch verächt-lich, dann man sieht, dass die, so jhr lebenlang beykeyner ernstlichen that nie gewest sind, auch wol imsinn haben, sich nimmer dahin zu gebrauchen lassen,dieselbigen geben jn solche ehr selber, ohne diejhenigenso solche ehr zu geben haben, oder geben sollen vnndzu geben gebürt. wie man wol sieht wie wir gemaltvnd gespengelt daher gehen, wie die Königs Kinder,Es handel einer mannlich vnnd ehrlich mit den thaten,so wird er wol von andern geloht und geehrt, vnd lassjhm das erzeygen geben, das ist vil ehrlicher vndrhümlicher, dann dass einer jm das selber gebe, besonderso einer das nicht erlangt hat, Ist gleich ein bracht,als mit dem newen Adel, die jhre tag nie nichts adel-lichs gethan haben, vnd doch einer solchen grossenbracht mit jren Wappen treiben, haben zwey oder dreiTurnirhelm, vnnd doch billich kaum einen verdient."

Marcus Wagner ') sagt:

Nun ist es nur eine gewonheit worden, das Keyservnd Könige mit blossem Schwerde diejenigen, so solchenOrden begeren, ein wenig vber die Achseln schlagen,vnd werden heutiges tages nur auff solche weise vielRitter on allen vnterscheid, nicht allein vnter denenvom Adel, sondern auch von Kauffleuten, vnd andernso etwas vor andern wollen vorehret sein. Darumb sichder Adel vmb solches Missbrauchs willen, zuförderst inSachsen jtzund des Ritterstandes schemet, vnd mehrzu Verkleinerung als zier des Adels deutet."

Inzwischen entwickelte sich eine neue Art vonRitterthum aus den Gesellschaften oder Brüder-schaften, die wir seit dem 14. Jahrhunderte an denFürstenhöfen, in Reichsstädten oder im Anschluss an

4) Bergmann, Medaillen I. 185 f.

5) Georgi Uffenheimische Nebenstunden S. 697.

6) Beschreibung vom Vrsprung anfang vnd her-khomen des Adels, Adellichen vnderhaltungen vndaufferlegtem gebürlichem heueich, wie sich der Adelseinem Tittel nach halten, vnd herwiderumb solle ge-halten werden. Alles mit berichtlichen vrsachen ange-zeygt. Gestellt vnd geordnet durch den WolgebornenHerrn Reinhart den Eltern, Grauen zu Solms,vnd Herrn zu Müntzenberg etc. Getruckt zu Frankfurtam Mayn M.D.L.XIII. fol. XX Blätter (Feyerahend),

7) Adelsspiegel (Magdeburg 1581) fast wörtlich ausBeiner Beineck (1576).