326
Geschichte der Heraldik. III. 1.
ritterschaftliche Verbände allmählig entstehen sehen.Die Mitglieder dieser Gesellschaften waren in der Regelverpflichtet ein Ordenszeichen, auch Gesellschaft ge-nannt , beständig zur Schau zu tragen. Die Fürstenpflegten die Gesellschaft an befreundete oder verdientePersonen in mehreren Exemplaren zu ertheilen, welcheder Beschenkte nach Belieben weiter vertheilen konnte.Auf diese Weise erlangten einzelne ausländische Ordenin Deutschland eine nicht unbeträchtliche Verbreitung.
Die zu Geislingen am 21. Ljcbr. 1380 gestifteteRittergeselisehaft zum heil. Wilhelm bestimmte überdas Abzeichen:
„Und hie by ze ainem wortzaichen vnd erkantnisssol vnser ieglicher der ritter ain bild in er santWilhalms mit guldinen baingwanden, gürtein vndspiefsstangen, vnd ie der kne c ht mit silberinen baing-wanden , mit gürtein vnd mit spiessstangen. Vnd sustsoll er gewappent sin mit ainem blawen wappenrockvnd ainem guldin stern an der brüst vnd ain blaw feulinan dem spiess mit ainem guldin stern." 1 )
Die Ritterschaft von Cleve schloss im J. 1381die Gecken-Gesellschaft; der Eingang des vom12. Novbr. des genannten Jahres datirten Stiftungsbriefes 2 )lautet:
„Wy alle diegeene die onse segele aen desen briefgehangen hebben maken kont allen luden end bekennen,dat wy mit gueden voergekaeren raede onss selffs endomb sonderlynge gunst end vruntschap, die mallich vanons tot den anderen heeft end nu vortme die genslikenhebben sal, onder ons eyne geselscap gemaket hebbenend der auerkomen syn, die men heiten'sal die geselscapvan den gecken, in forme end manieren as hiernaegescreuen steit. Is to weten dat yderman van ons ge-sellen draegen sal eynen geck von siluer gemact offanter gesticket op syne cleide'), soe wie oer des bestgenüget; end soe wievan ons des geckes dagelix nyetendroege, den sal end mach die ander van ons gesellen,soe ducke als hie dat siet, peinden voer drie aide grotetornoise."
Ludwig Herzog in Schlesien und Herr zu Brieg,Oberster Hauptmann und Geber der Gesellschaft mitdem Rüdenbande giebt seinem Schwager dem Mark-grafen Johannes von Brandenburg, Burggrafen vonNürnberg durch eine Urkunde d. d. Frankfurt amDienstag nach Allerheiligen 1420.*)
„die genante gesellschaffte mit dem Rüdenpand zutragen vnd geben im auch gewalt vnd beuelhen im mitcrafft dicz brieffs, dieselben gesellschaffte mit dem Rüden-pand in den dreyen landen Swaben, francken vnd Beyernfurder andern zutragen geben vnd erlawben in solchermasse, als wir selbs als ein oberster Haubtman tunmöchten, Also, wem er die gibt zutragen, daz derselbe
1) Württembergische Vierteljahrshefte 1881. S. 3.
2) Lacomblet, Urkundenbuch Bd. III S. 755.
3) Ausführlicher wird das Ordenszeichen in eineralten Nachricht beschrieben:
„Die Biosan ost Simbolum was, eenen glieck,aenhebbende een Kappe, een Reoxken Eschiquete ä" urgenten de gueules, met bellen d' Or geele Koussens, SchwarteSchanen en een vergolde Schottel met fruyt in de handen,die de Braedern musten draghen gestickt okt gebordeurtop hun Kleedt."
Das Ordenszeichen also stellte einen Narren vor,der eine von Silber und Roth geschachte Kappe mitgelben Schellen und schwarze Schuhe hatte und einevergoldete Schüssel in der Hand hielt. (Weddigen, P. F..Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie u.Statistik I. Bd. 1. Heft S. H.)
4) Phil. Ernst Spiess. archivische Nebenarbeiten IS. 102.
Im geloben sol, der gesellschafft genuck zu tun, vndalle Jare ein schock Behemischer grossen an der Hymel-koniginue Marie vnser lieben frawen kirchen vnd Stifftezu langenczenn . . . . on Widerrede zu geben."
Kurfürst Friedrich II von Brandenburg stiftete amSt. Michaelstag 1440 eine Gesellschaft zum Lobeder Jungfrau Maria, später nach dem Zeichen derSchwanenorden genannt. Im Stiftungsbriefe findetsich folgende Beschreibung des Gesellschaftszeichens ver-bunden mit einer Deutung desselben:
r Eine selschapp vnnser liuen frowen die wy dragenIn sodaner Andacht vnd meynunge. Dat vnnser hertteIn bedrachtinge vnnser siinde In bitter vnd weedagen 8 )glick als in einer premttzen sin schall, vnd wy furderder gnaden vnd hulpe der Jungfrowen marien, dy sievns verworuen hefft vnd der wy teglickes behuuen Invnnsen hertten nicht vergetten, vnd dat wy ok vnnseende wenn wy van dusser werlde scheiden touorne glikedem s wannen bedencken schollen vnd vns dorto richten,also dat wy in der dwelen') der vnschuld gefundenwerden."
Dann heisst es: „disse sellchapp als wy dievtgesecht hebben, schall ein Juwelck dy dor Jnnen is,degelicken dragen" : dieses Gesellschaftszeichen, welcheswir ausgesucht haben, soll ein Jeder, der in der Gesell-schaft ist, täglich tragen.')
Verständlicher und genauer ist die Beschreibung ineiner Urkunde des Kurfürsten Albrecht vom J. 1484:„Nemlich vnszer lieben frawen bild vor der prust, ineinem Mon vnd Sonnenscheyn hangende, mit dem grusz :gegrüsset seys tu. der weit frnwe. In der geselschaftsein auch premzen, die vmb den hals hangen, vnd darinpluttige herzen gepeynigt werden, dasz wir vnszereherzen mit premzen waren vnd rechtfertiger rewe, beychtvnd busz also kestigen sollen, das wir gleich als einweisse vnbefleckte hantzwehel, die vmb den schwanen,der vnter dem frawen bild hanget, gewunden ist, mitVbung gutter werk vnsers herrn Jesu Christi, das diefransen der hantzwehel bedewten" etc. 8 )
Die von dem Kurfürsten Albrecht von Brandenburgbestätigte, dem heil. Aegidius und den 14 Nothhelferngeweihte Bruderschaft zu der heyligen H,eydebei Cadolzburg in Franken hatte als Zeichen „ein silbereHyndten oder Wild an einem creutz, alles eins lotsschwer." In diese Brüderschaft wurden übrigens „frumredlich lewt die da nit vom adel" aufgenommen.')
In der erneuerten Verschreibung der Gesellschaftvom Aynkürn vom 30. Aug. 1466 heisst es: Es sollauch ein jeder die gesellschafft stäte tragen bey einerpeen vier grosch. i°)
Erzbischof Berthold von Mainz stiftete im J. 1497„eine Bruderschaft und Gesellschaft, die wir S.MartinsBruderschaft nennen;" dieselbe wird in dem Stiftungs-briefe auch „Gesellschaft der Ritterschaft" und Ordengenannt. Ein jeder Bruder soll „von synen vier Anchenzum Schylt und Helme vom Adel gebohren seyn." „Sohaben wir yn . . . eyn Cleynat lassen machen und zu-tragen verordnet, das wir nennen die Gesellschaft
5) Hochdeutsch nicht Weh tagen sondernSchmerzen.
6) dwelen = T u c h, welches um den Schwan ge-wunden ist.
7) Stillfried übersetzt in seinem Buch vom Schwanen-Orden S. 37 diese Stelle ganz falsch: „diese Gesellschaftwie wir sie eingesetzt haben, soll ein Kleinod (Juwel!!)welches hierin (gemalt) ist, täglich tragen."
8) Stillfried 1: c. S. 55.
9) Sam. Wilh. Oetter, Nachrichten von CadolzburgS. 132 ft.
10) Anzeiger für Kunde d. d. Vorz. 1882. S. 297 ff.