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Geschichte der Heraldik. II. 5.
Weilburg an einer Urkunde von 1344 mit dem Helm-schmuck der Grafen von Katzenelenbogen ').
No. 434.
Mattheus de Eoya genannt Flamigus und Herr vonGryan giebt am heiligen Grabe zu Jerusalem am hl.Christfeste 13;X> — wohl als Weihnachtsgeschenk —dem Kitter Hartmann v. Cronenberg auf dessen Bitteseinen Helm, nämlich den Kopf eines schwarzen Ebersin einer Krone 2 ), nach Belieben zu führen.
In einem so weihevollen Momente, an einem Orte,an welchem ehrfürchtiges Grauen den Pilger ergreift 3 ),denkt Herr Hartmann an seinen Helmschmuck! Viel-leicht war es aber gerade darum, weil er eine Erinne-rung an die unter solchen Umständen erlebte Weih-nachtszeit mit in die Heimath nehmen wollte. Ich findediesen Zug hochpoetisch. —
Heinrich und Johann die Geyller bewilligen 13">1Johann und Wilfing den Hagern, ihren Oheimen, dasGeyller'sche Wappen fortan zu führen. Die HagerHessen ihr bisheriges Wappen (weisser Wolf im schwar-zen Feld) fahren und nahmen den Geyller'schen roth-gelb-quadrirten Schild an 4 ). —
Hannemann Graf von Zweibrücken und Herr zuBitsch bekennt am 22. April 1365 von des Helmes we-gen mit den zwei Flügeln, oben weiss und unten schwarz,den er führe, dass er denselben Helm habe von seinemlieben Oheim Grafen Johann von Saarbrücken, der ihmden Helm gegeben und gegönnet habe seine Lebetagezu führen'). —
Durch Urkunde d.d. Genua 12. Febr. 1384 schenktKönig Jacob von Oypern dem Johann Rieter und dessenErben ein Wappen, die silberne Sirene im von Schwarzund Gold getheilten Schilde u. s. w. mit der Massgabe,dass Johann Bieter und dessen Erben dieses Wappenam Hofe des Kaisers, sowie aller Könige, Fürsten, Her-zoge, Grafen und anderer Herren sollten führen kön-nen •).
Die Sirene ist jedenfalls dem Helmschmuck des
1) Aus v. Göckingk, Nassau Taf. IV. No. 7.
2) Vergl. Urkunde No. 15.
3) Salomon Schweigger (Nürnberg 1608), ein evan-gelischer Prediger, schreibt: „als ich aber hinein kamin das Gewelb, kam mich vnd auch die Herren aus derGesellschaft ein solche forcht vnd schrecken an, dassvns alle Härlein gen Berg stunden, vnd vns bedüncket,wir schwebten zwischen Himmel vnd Erden, ja als we-ren wir von der Erden verzuckt, es erwecket auch einsolche hertzliche andacht vnd eyfer in vns, gegenChristo zum Gebet vnd Christlicher dancksagung, dassüber alle massen ist."
4) J. O. A. Freiherr v. Hoheneck , die LoeblicheHerren Stände dess Ertzhertzogthumb Oesterreich obder Ennss. I. Theil. Passau 1727. Fol. S. 249.
5) Vergl. Urkunde No. 25. — Es handelt sich hieralso nicht, wie Graf Stillfried (Alterthümer) irrthümlichangiebt, um den Kauf eines Wappenheinis.
6) Vergl. Urkunde No. 33.
Hauses Lusignan 7 ) entnommen, dessen Beziehungen zurMelusine bekannt sind.
Meine ursprünglichen Bedenken gegen dieses Schrift-stück vermag ich nicht mehr aufrecht zu erhalten. Dievom Standpunkte der Heraldik aus zu beachtendenMomente sprechen eher für, als gegen die Echtheit.Die Urkunde enthält keine einzige Formel derspäteren Wappenbriefe. Ein Fälscher würde —meiner Meinung nach — durch stylistische Wendungendie ihm geläufigen Vorbilder verrathen haben. Auch.in ihren bedeutenden sprachlichen Schwächen zeigt dieUrkunde — wenn ich mir den Ausdruck gestatten darf:die Naturfarbe.
Zur Prüfung des Schriftstücks in Bezug auf die Chro-nologie bietet eine Schrift des Herrn Staatsarchivar Her-quet in Aurich 8 ) die nöthigen Anhaltspunkte. Esheisstdanämlich, dass nach dem Tode des Königs Peter II, vonCypern (f 13. October 1382) der in Genua gefangengehaltene Prinz Jacob zum König ausgerufen wordensei. Die Republik Genua beeilte sich darauf, den Prin-zen und seine initgefangene Gemahlin Heloise vonBraunschweig in Freiheit zu setzen und mit dem neuenKönig einen Vertrag abzuschliessen (19. Febr. 1383).Von dem Dogen ^Vlontaldo mit königlichen Ehren über-häuft, schiffte sich Jacob Ende Juni mit seinem Ge-folge auf einer Flotte von 10 Galeeren ein, die unterdem Befehl des Nikolaus Maruffo stand. Eine Adels-fraction verhinderte jedoch die Ausschiffung namentlich,weil der König unter dem Schutze einer feindlichenMacht sein Land betreten wolle. Es heisst dann wört-lich:
„Maruffo kehrte wieder um und traf in Genua am29. Dezember mit seinen Galeeren ein. Nirgends wirdjedoch erwähnt, dass er den König wieder mit zurück-gebracht habe, wie dieses die cyprische Chronik Stram-baldi's ") meldet. Es scheint, dass Jakob I. sich an ei-nem in der Nähe Cyperns gelegenen Punkte so langeaufhielt, bis die Partei der Montolif vollständig unter-drückt war." Am 24. April 1385 landete der König zuCerines.
Da Strambaldfa Angabe durch unsere Urkundeunterstützt wird, erlaubte ich mir, diese dem HerrnStaatsarchivar Herquet mitzutheilen, worauf der ge-nannte Herr die Güte hatte, mir unter dem 12. Aug.1879 folgende Zeilen zu schreiben:
„Die mitgetheilte Urkunde hat für mich das lebhaf-teste Interesse. Ob sie echt ist, lässt sich wol nicht„ohne weiteres behaupten oder bestreiten. Zunächst„abstrahire ich von den heraldischen Ausdrücken, die„mir meist fremd sind. .. Auffallend und in den Syri-schen Königsurkunden nicht vorkommend ist die An-ngabe im Eingangsprotokoll: „decimus septimus latinus„rex", doch dürfte man meines Erachtens keine Unecht-„heit ableiten, namentlich wenn man Zweck und Adres-saten der Urkunde ins Auge fasst. Ein Beweis für„die Echtheit dürfte Datum und Ausstellungsort sein.„Solche spezielle Angaben dürfte doch ein Fälscher nicht„machen können. Den Secretär des Königs, Stephan de„Putheo habe ich übrigens in der Syrischen Geschichte„nicht finden können. — Ich glaube nun selbst, dass„sich Jacob in der angegebenen Zeit wieder in Genua„befand." —
Hans von den Brüdern, Walthers seligen Sohn vonden Brüdern Bürger zu Schwab. Hall, beurkundet am
7) Spener I, 205.
8) Karl Herquet, Charlotte von Lusignan und Ca-terina Cornaro, Königinnen von Cypern. Kegensburg1870. S. 66 f.
9) Diomedes Strambaldi schrieb seine Chronik im15. Jahrb. zu Nicosia.