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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 6

scheu Grafenhause nicht ungewöhnlich. Sehen wir dochdas Pelzwerk sogar in Verbindung mit einein unheral-dischen Siegelbilde im vorhergehenden Siegel (No. 398)eines weltlichen Herrn, des Grafen Egeno I. von Frei-burg an einer Urkunde des J. 1316'J, wodurch er dieHerrschaft Freiburg an seinen Sohn, den Grafen Con-rad abtritt. Das Siegel zeigt die Mutter Gottes mitLilie und Kind, auf einem Sessel sitzend, innerhalb einerEinfassung von Pelzwerk, wie der Schild der Grafenvon Freiburg.

Günther von Werle. Domherr zu Magdeburg, führt1309 ein spitzovales Siegel mit der Umschrift: fS Gun-teri . Dei. Gra Dni . De . Wie * Canonici. S.. Magde-bugn . Ecce. Bild: ein Heiliger - durch die Inschriftim Siegelfelde als Scz Maurici. bezeichnet in derHechten eine Kreuzfahne, mit der Linken den Werle'-schen Schild in Kniehöhe vor sich haltend 2 ).

BudolfGraf von Wertheini Domherr zu Würzburg,führt 13-23 ein rundes Siegel mit der Umschrift: fSDn . Rudolfi . De . Wer .... Can. Herb. Bild : derWertheim'sche Schild 3 j.

Auch die Bischöfe, selbst wenn ihr Stift im Besitzeeines Wappens war, nahmen erst sehr spät ihr Fami-lien- und noch später das Stiftswappen in ihr Siegelauf. In den Amtssiegeln der Bischöfe von Würzburgkommen erst seit Mitte des 14. Jahrhunderts Wappen vor.

Heinrich von Bülow, Biscbof von Schwerin, führtin seinem runden Portraitsiegel von 1344 ein Schildchenmit dem Bülow'schen Wappen 4 .

Johann von Isenberg, Bischof von Meissen 1342 -1370, führt nur in seinem Rücksiegel einen .--child (nichtdas Stiftswappen) Sein Nachfolger Conrad v. Walhausen(f 1375 führt in seinem grossen Hauptsiegel zwei ganzgleiche Schilde mit seinem Familienwappen. DessenNachfolger Johann v Jenzenstein (1376) und NicolausZiegenbock (vergl. S. 147 Siegel No. 125) sind die ersten,welche Stifts- und Privatwappen im Siegel führen.

Später werden die Wappen auch in den Siegelnder Bischöfe mehr und mehr zur Hauptsache.

Kleineres Siegel des Bisehofs Johann V. von Meissenaus dem Geschlechte der v. Weissenbaeh, f 1487 8 ).

No. 399.

Die Livländische Beimchronih (1296) bezeugt, dassdie Ritterbrüder vom deutschen Orden beim Eintritt indenselben ihr Erbwappen ablegen mussten:2008 die gotes ritter al zehant

ir zeichen legeten sie dar niderdas swarze criuze enptiengen sie wiedervon dem diutschen hfise2029 die ir zeichen legeten nieder

und daz criuze enpfiengen widerswertbruoder wären sie genant.

1) Fürst Hohenlohe, sphragist. Aphorismen S. 58No. 169.

2) Meklenburgische Siegel So. 221.

3) Aschbach, Gesch. d. Grafen von Wertheim IITaf. VI

4) Meklenburgische Siegel Xo. 179.

5) Cod. dipl. Sax. lieg. II, III.

Die Regel des deutschen Ordens") bestimmt inCap. XIII:

.....Andere cleidere . di fi uswendig tragen .

füllen fein von geistlicher varbe. Die ritterbruderesullin weise mentele tragen zeu eyme czeichene derritterschefte Doch füllen sie an anderen cleideren .von anderen bruderen nicht fein vnderscheiden. Wirsetzen das ein iclich bruder an mentelen . an kappen .an wapenrocken ein fwarcz crueze trage do mite h'ufwendig beezeige das her fey ein sunderliehes gelytdisses ordenes Belcze kurfen vnde decken . sullen nichtanders seyn denne von fchefenen und czegenuellen."

Ferner in Capitel XXIV:

.....So beuele wir des befcheidenheit . der do

obirste vnder den bruderen ift . an den dingen di zeuder ritterfchaflt gehören . an hestien . an wapene . anknechten an anderen dingen di den bruderen zeu stritegehören vnd gevuegen . vnd irloubit sint . das mit rateder witezigistn bruderen des landes . do man ynue ur-lougit oder mit den di do kegenwertig fint . ab manane schaden de anderen brüdere . nicht mogte gebeiten .iclich dirre vorgenanten dinge . ordene . vnde seteze.Doch sal man das vleisichlichin behalden . das manfetele vnde zcöume . vnd fchilde mit golde ader mitfilbere adir mit anderer werltlicher varbe gemalet. anenotdurft icht vure . Setele . fcheffte . vnde fchilde sullinobirdecke nicht baben. Speiisen di gevegit sint . dimögen fi mit hulften decken . durch das fi desterfcherfer fint . zeu der viende wunden . . ."

Der Meister hatte u A.einen turkopil, der synenfchilt vnd fe n fper vüret."

Ferner bestimmt Capitel XXI Das nirne kein bruderingefegil habe ane die amptlüte:

Wir setzen ouch das kein bruder ane di den amptbeuolhen sint . irne kein Ingesegel habe . noch briuefende . noch di besee . di im von ymande sint gesantane des obirsten urloub".

Da die Ritterbrüder ein Siegel nicht führen durften,so entfiel für sie jegliche Gelegenheit, das Erbwappenzu benutzen.

Laxer waren in dieser Beziehung die Bestimmungendes Johanniter - Ordens, dessen Mitglieder nicht gehin-dert waren, Siegel mit ihrem Erbwappen zu führen.

Siegel des Friedrich von Lochen, Hauptmann derMark Brandenburg, 1347 bis 1354, als Johanniter-Ritteran einer Urkunde von 1336.

15. Capitel.Dag Y!'it|»|M'Hr<-Hit der Städte.

Aus der Entwicklungsgeschichte der Wappen ergiebtsich die nothwendige Folgerung, dass für die Städte einBedürfniss, sich ein Wappen zu erwählen, ursprünglich

6) Die Statuten des deutschen Ordens. Nach demOriginal-Exemplar herausgegeben von Dr. Ernst Hennig.Königsberg 1806. 8".