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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 5.

15 waz künege och belehnet sinzuo dein harnasche min.die bringenz al bereite her.riterschaft ist min ger/Diese letztere Aussage stimmt mit der Urkundevon 1180 wegen des Herzogthums Westfalen darinüberein, dass es nicht die Fahne des Beliehenen, son-dern des L e h ensherr en ist, mit welcher die Be-lehnung ertheilt wurde.

Der Sachsenspiegel sagt:

Der keisser liehet allen geistlichen fürsten lehnemit dem scepter 1 ), Allen wertlichen fürstenvahne lehne lihet her mit der vahue. Kein vahue lehnemuss her haben iar uut tag ledig."Ferner:

Siben vahenlehen sint ouch in dem lande zu SachsenDas hertczogkthum zcu Sachsen vnd der phalencz DieMarcke zcu Brandenburg die lantgraueschaft zcu dorin-geu Vnd die Marcke zcu Missen, die Marcke zcu lusiczvnd die Graveschaft zu aschersfleben."

Die bekannte Heidelberger Handschrift des Sach-senspiegels, welche wohl dem Ende des 13. Jahrhundertsangehört, giebt als Illustration zu dem letzteren Artikelsieben Wappenschilde, hinter deren jedem eine einfar-bige Fahne ohne jeden Wap penschmucksteht, ein deutlicher Beweis, dass es damals noch nichtBrauch war, in die Lehnsfahneu Wappen zu setzen.Auch die übrigen Bilder der Handschrift, welche eineBelehnung darstellen, zeigen nur einfarbige, wappenloseFahnen.

Jeden Zweifel beseitigt die dem 14. Jahrhundertangehörende Glosse zum Sächsischen Land- und Lehn-recht, welche verschiedene Reichsfahnen und darunterauch die Lehnsfahne in folgenden Worten beschreibt:

Tom drüdden heit he eine vane, dy (bedütet, datwerlike vorsten deme ryke so gefolghet hebben vndgedynet. Hirumme so lyet he en er leen mitder vane vnd dat is vanleen genant. De vaneis) vor rot vnd hindene gel. By deme roden isupgenomen dy wäre liue, dy he tho gode hebben schal.By deme gelen is upgenomen dy rechuerdicheit, dy hevnder dötliken lüden hebben «chal, vnde den dot, denhe den bösen anleggen schal. Wen gele varvve be-teckent den dot*).

Aus dem Obigen ergiebt sich, dass es bis ins 14.Jahi hundert Landeswappen, die von der Kaisermachtanerkannt waren, nicht gegeben hat. Erst gegenEnde des genannten Jahrhunderts wurde die inzwischeneingetretene Entwicklung des Wappenwesens von Reichs-wegen in Berücksichtigung genommen und in die Lehns-faline das Wappen des betreffenden Landes gesetzt.Wir werden diese Neuerung zu seiner Zeit eingehenderbehandeln.

13. Capitel.

Dan Wappenrei-ht der Frauen.

Da der Frau eine thätige Rolle bei Kampf undRitterspiel nicht zugetheilt ist, so war für sie dereigentliche Verwendungszweck des Wappens nicht vor-

1) Kaiser Ludwig der Bayer ertheilt die Regalienmit Scepter, Kuss und Ring

dem Abt Hermann von St. Gallen am 10. März 133^,dem Abt Cuno von Ellwangen am 3. Aug. 1335,dem Abt Chunrad Weruher von Murbach am 31. Mai1342.

2) Das Eingeklammerte ist aus der Glosse zumLehnrecht IV, das Uebrige aus der Glosse zum Land-recht III.

handen. Indess fehlte es auch den Frauen nicht anGelegenheiten, das Wappen des Vaters, des Gemahlszur Schau zu tragen.

So wird ein dem väterlichen Wappen entlehnterSchmuck der von Damen bewohnten Zelte öfters erwähntz. B. im Porcival des Wolfram von Eschenbach :278,11 einhalp an des küneges rincüber eins prunnen ursprincstuont ir poulün ftf dem planals oben ein trache in sinen klftn15 Mets ganzen apfels halben teil,den trachen zugen vier wintseilrebt aiser lebendec da flügetrotz poulün gen den lüften züge.da bi erkandez Orilus:20 wan siniu wäpen wären sus.ferner im Wigalois des Wirnt v. Gravenberch10837 Ein gezelt daz was gelieretDa frou Lade inne sazDaz nie dehein gezelt baz10840 Von pfelle wart gezieret,Mit golde geparrieret.Dar uf stänt ein guldin tierVon edelem gestein fier.Dar obe flouc ir liehter van10845 Da was daz selbe tier anMit vil luterm goldeGebildet als si wolde.Bald nach Einführung der Wappen-Erblichkeit wirdes in Deutschland üblich, die seit Urzeiten gebräuch-lichen Damensiegel mit Wappenschmuck zu versehen.

Ich lasse daher unter eine ansehnliche Collectionvon Frauensiegeln folgen, welche. wie ich hoffe, einvollständiges Bild der Entwicklung dieser Siegel gebenund den Einfluss des Wappenwesens in den verschie-denen Epochen seiner Entwicklung darthun.

Die Siegel der geistlichen Frauen, sowie der Kaiser-und Königinnen, welche für die vorliegende Frage nichtbelehrend sind, mussten hiebei grundsätzlich unberück-sichtigt bleiben.

Bei den Siegeln aus der ersten Hälfte des 13. Jahr-hunderts macht sich eine gewisse Scheu gegen Ver-wendung des Schildes auffallend bemerkbar. Man scheintes damals nicht für angemessen gehalten zu haben inDamensiegeln Schilde anzubringen, weil die Damen vomSchildes am t ausgeschlossen waren. Aus dieser An-schauung heraus lässt Wolfram von Eschenbach imParcival eine Dame folgendermassen sprechen:414, sprach diu juncfrouwe werther Vergulaht, truege ichz swertlöund waer von gotes gebot ein man,daz ich Schildes ambet solde häniwer striten waer hie gar verzagt was ich äne wer ein magt,wan daz ich truoc doch einen schilt,20 üf den ist werdekeit gezilt:des wapen sol ich nennen,ob ir ruocbet diu bekennen,guot gebaerde und kiuscher siteden zwein wont vil staete mite25 deu bot ich für den ritter minden ir mir saudet da her in:anders schermes het ich niht.Dieser allgemeinen Zeitrichtung konnte um so-leichter Rechnung getragen werden, als in jener Zeitder Schild noch keineswegs einen unlöslichen Bestand-theil des Wappen bildete.

Diese Sehen musste übrigens der neueren Entwick-lung des Wappenwesens gegenüber, bald schwinden.Denn alle diejenigen Figuren, welche einen Rahmen(Schild) zur Voraussetzung haben, vor allem die be-liebten Heroldsbilder, die zusammengesetzten Wappen