Geschichte der Heraldik. II. 5.
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die Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels kenntein Wappen der Pfalz nicht: an der Stelle wo sie diesiehen Fahnenlehen im Gebiete des Sachsischen Hechtesaufzählt, sind sieben Schilde beigesetzt, aber der Schildfür Pfalz Sachsen ist leer gelassen 1 ).
Nun erscheint plötzlich im J. 1313 Albrechts desEntarteten Schwiegersohn, Herzog Heinrich von Braun-schweig-Grubenhagen als Inhaber der Pfalz Sachsen fürdie es ihm beliebt hat, ein besonderes Siegel 2 ) zu führenmit der Umschrift: f Sig. Dei. Grat. Heinriei PrincipisPalatinatus Saxoniae. Am Schlüsse der betreffendenUrkunde sagt er: Tho einer apenbaren Betügung düsserDinue hebben we Hartoi/e Henrich tho Brunswick undein Herr des Falantzes tho Sassen mct Uses PalantzesInseeuel, dat*) we hebbet van dem Mike, beseqelt düsseBref.
Zu dem besonderen Pfalzsiegel nnisste der Herzogselbstverständlich auch ein Pfalzwappen haben. Nunenthält das Siegel einen Adler, zu dem wir die Farbenaus den späteren Darstellungen leicht ergänzen können,Der hier zum ersten Male erscheinende Adler der PfalzSachsen ist golden im blauen Felde.
Den Schlüssel zur Erklärung dieses Wappenbildesliefert uns die oben iS. 283) mitgetheilte Aussage desMatthäus Parisiensis, dass Heinrich Raspe in seinerEigenschaft als Römischer König einen golde-Adler in Blau geführt habe. Zur Zeit des HerzogsHeinrich konnte es an Augenzeugen der Begebenheitenunter dem König Heinrich noch nicht fehlen. Mankannte den Königsschild desselben, aber man bezog ihnnachträglich nicht mehr auf das Reich, dessen Wappensich inzwischen in Bild und Farben consolidirt hatte,sondern auf die Pfalz Sachsen, von welcher HeinrichRaspe, wie wir oben gesehen haben, sich an zweiter
Stelle titulirte! —
Auf den simultanen Gebrauch von Wappenthier(schwarzer Löwe in Gold) und Heroldsbild (zwei blaue
1) Die Herausgeber der Tauschen Denkmäler (Heidel-berg 1820) meinen freilich, der Maler habe die siebenFahnlehen mit den sieben Heerschilden verwechselt (!)und desshalb das Wappen von Pfalz Sachsen leer ge-lassen weil auch der siebente Heerschild leer ist. Uocnist eine solche Verwechselung einem Zeitgenossen kaum
zuzutrauen. _ , . /-»„„„j,,-,,/,/«
2) Sam Wilh. Octter, 2. Versuch einer Geschichteder Burggrafen von Nürnberg S. 507. - Die Siegel desgenannten Herzogs zeichnen sich überhaupt durch unge-wöhnliche Umschriften aus. Ein 1322 vorkommendesSiegel hat folgende Umschrift: Det. gm . . . ■ Umricipritcipis. Saxanie. et. ducis. Brunswicsen. quoque. et.palatini. p'imogeniti. AI. ducis gut. M. 0. t>. Jj. £.X. IX. anno obiit. Das Todesjahr seines Vatewtt*auch in einem Siegel von 1320 angegeben, fcea-ecretvon 1816 hat die Umschrift: t Est ex.^nrico secretum. auod. tibi, dico." -.0. v. ^»"»^ÄfSdDie Siegel des herzoglichen Hauses Braunschweig und
Lü "Ä S Artikel M beziehe ich auf Pclantz (pala-tiumf nicht auf das Insigel. % «•&E ,B 553&
und die Burg Lüneburg waren Allod.albesitz, J^rdem Weifen Heinrich dem Löwen nicht fiW™werden konnte als er von seinen Herzogtümern ent
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SUP %il! U, SoS;J t E"Reichs,ehnbarkeit der PfalzSachsen kann hiernach nicht befremden.
Pfähle in Gold) in dem Hause des Markgrafen vonMeissen ist bereits oben (S. 78) hingewiesen.
Nach dem Dobriluger Copialbuch führte MarkgrafHeinrich der Erlauchte in seinem Reitersiegel von 1240und 1248 mit der Umschrift: Henricus Dei . Gratia .Misnensis . Et . Orientalis . Marchio, einen Schild mitden Pfählen (das Copialbuch sagt im Sinne seinerZeit: signum dominii de Landesberg).
Heinrichs des Erlauchten jüngerer Sohn Dietrich,der erste Markgraf von Landsberg führt nach der-selben Quelle in seinem Reitersiegel von 1267 mit derUmschrift: S. Thecdorici . Dei . Gratia . Marchionis .De Landesberg, im Schild den Löwen. Auf dem Helmführt er den alten Helmschmuck. 4 )
Eine Verbindung von Wappenthie* und Herolds-bild zur Wappeneinheit (wie bei Anhalt) kommt beiden Landesfürsten nicht, wohl aber in Siegeln meissnischerStädte vor.
Das Siegel der Stadt Freiberg in Sachsen vom J.1227 enthält in einem Thorgebäude einen gespaltenenSchild vorn den Löwen von Meissen, hinten die Pfahl-theilung').
In den siebziger Jahren des 13. Jahrhunderts kamdie Mark Landsberg durch Kauf an die Markgrafen vonBrandenburg,
Heinrich I. ohne Land Markgraf von Branden-burg (f 1318) hinterliess einen Sohn Heinrich IL,welcher im J. 1327 kinderlos starb und eine TochterSophie, welche um 1327 dem Herzog Magnus dem From-men von Braunschweig vermählt wurde und diesem dieMark Landsberg zubrachte. Am 10. Mai 1327 Urkun-den gemeinschaftlich die Wittwe Heinrichs I. Agnes,und deren Schwiegersohn Magnus Dux de Brunswick etMarchio in Landesberg 6 ). Kaiser Ludwig der Bayerbelehnte Herzog Magnus und dessen Gemahlin Sophiesowie eventuell den Herzog Otto von Braunschweig imJ. 1333.
Im J. 1358 führt Herzog Magnus in seinem Siegel:„zwei Leoparden darunter (wegen Landsberg) einenSchild mit zwei Pfählen." 7 )
1347 5. Juni verkaufte Herzog Magnus die MarkLandsberg an den Landgrafen Friedrich von Thüringen,Markgrafen von Meissen. 8 )
Auf dem oben geschilderten Wege wurde die Pfahl-theilung zum Wappen der Mark Landsberg. —
Durch die früher gelieferten Nachweise über denEintritt der Wappen-Erblichkeit erledigt sich die ofterörterte Frage, welches Wappen die Grafen von Sig-maringen geführt haben mögen.
Wirersehen aus der folgenden Stammtafel, dass geradein dem entscheidenden Zeiträume die Grafen von Sig-maringen zugleich Herren von Helfenstein waren unddass die Trennung der Linien zu einer Zeit erfolgte, inder ohne zwingende Gründe zu einer Änderung der Wap-pen nicht mehr geschritten wurde. Unentschieden wirdes jedoch bleiben müssen, ob der Elephant in beidenLinien in übereinstimmenden Farben geführt wurde.
Graf Gottfried von Sigmaringen führt in seinem(jedenfalls schildförmigen) Siegel IV A. 1. vom J. 1231monogrammatisch zusammengeschoben, rechts einen hal-
4) Das Copialbuch sagt: habentem galeam incapite, in cuius cono stat quasi in stipite quedam con-glomeratio pennarum ut videtur de pavonibus ad mo-dum cuiusdam perizomatis (Gürtel??), in quo in stipiteapparent tres tractus ab ante et tres ab retro.
5) Cod. dipl. Saxoniae II. Haupttheil, 12. Band
Taf. 1.
6) Biedel cod. dipl. IL 2. S. 40.
7) v. Schmidt-Phiseldeck, die Siegel des herzogl.Hauses Braunschweig und Lüneburg S. 26. No. 175
8) Biedel 1. c. S. 198.