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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 5.

gleichzeitiges Entstehen der beiden Wappen zur Zeitdes genannten Bischofs. —

Die Farben der Regensburger Stiftsfahne waren,wie wir oben gesehen haben, von Alters her roth-weiss.Da nun diese Farben in sehr vielen Wappen vorkom-men und bei einfachen Theilungen die Hülfsmittel derUnterscheidung sehr rasch erschöpft sind, so wurde dasTheiluugsbild in ein später sogenanntes Ehrenstückverwandelt. Die Züricher Wappenrolle giebt einensilbernen Schrägbalken in Roth (das spätere Wap-pen) unter gespitztem silbernem Schildeshaupt. DieseComposition ist das vollständige Widerwappenvon Strassburg, als dessen Wappen die genannte Quelleeinen rothen Schrägbalken in Silber unter gespitztemrothem Schildeshaupte giebt.

Diese Uebereinstimmung deutet darauf hin, dassdie Bisthumswappen von Regensburg und Strassburggleichzeitig und im Einvernehmen der beiden betheilig-ten Kirchenfürsten festgestellt worden sind —

In Brixen wurde nach 3 jähriger Sedisvacanz imJ. 1250 Graf Bruno von Kirchberg zum Bischof erwählt,der im Gegensatze zu seinem Vorgänger mit dem Grafenvon Tyrol eiu gutes Einvernehmen pflegte i) Unter ihmwird es geschehen sein, dass der tyrolische rothe Adlerin Silber, mit dem Krummstabe als Beizeichen belegt,in die Stiftsfahne aufgenommen wurde. Die ZüricherWappenrolle zeichnet die Füsse des Adlers schwarz ausund auch Conrad v. Mure hebt diese in seinem gleich-zeitigen Clipearius hei Beschreibung des TyrolerWappens ausdrücklich hervor:

Fert aquilam Tyrolis clipeus prestante ruboreQue nigri pedis est alias albente colore.Der genannte Bischof Bruno von Brixen hat auch,wie oben erwähnt, bereits ein Helmkleinod geführt, dasimmer nur das Bedürfniss eines solchen Herrn ist, derpersönlich mit Schild und Helm zu kämpfen liebt.Dieses Kleinod war eine weisse Inful mit zweien„Zöpfen", jeder Zopf oder Spitz geziert mit einem Buschvon Pfauenfedern 2 ). Der Bischof ist jedenfalls Schöpferdieses Kleinods, denn er rechnet wohl genan die Zeitaus, seit welcher er dasselbe geführt hat, aber er sagtnicht, dass er es von seinem Vorgänger überkommenhabe. Gleichwohl bedurfte er der Zustimmung seinerChorherren und Dienstmannen, als er das Kleinod 1286seinem Brudersohne Grafen Konrad von Kirchbergschenkte. —

Das in der Züricher Wappenrolle vorkommendeWappen des Bisthums Speyer — silbernes Kreuz inBlau — dessen Farben mit dem Schilde des Grafen vonLeiningen, namentlich auch in der Anlage als Wider-wappen übereinstimmen, dürfte ebenfalls um die Mittedes 13. Jahrhunderts entstanden sein. Damals regiertein Speyer ein dem Leininger Grafenhause entstammterBischof: Heinrich II., erwählt 1245 f 1272.

Das runde Siegel der Stadt Bruchsal vom J. 1277enthält bereits den Kreuzschild von Speyer.

Eine ähnliche Bewandtniss dürfte es mit dem Wappendes Bisthums Worms nach der Züricher Wappenrolleein silberner Schlüssel in Blau— haben. Die Grafenvon Saarbrücken, welche einen silbernen Löwen inBlau führten, waren Domvögte von VYorms3). —

1) Ehelina, die deutschen Bischöfe II, 511.

2) Vergl. Urkunde Nr. 2.

3) 1158 Conradus prepositus, Nibelungus vicedomi-nus et thesaurarius etc. ceterique primores et canoniciWormatiensis ecclesie de Domo . . . per consensumet manum domini nostri episcopi et Symonis comitisde Sarebruke nostre majoris domus advocati (Hont-heim I. 585).

Das'Bisthum Lavant, welches unter dem Erzbis-thum Salzburg stand, hat sich nach dem SalzburgischenMuster ein Wappen gebildet: schrägrechts getheiltgelb-roth , oben ein schwarzer Löwe, unten ein sil-berner Balken oder Schräglinksbalken. Ob Lavant oderGurk das ältere Wappen, ist schwerlich zu ermitteln,jedenfalls kommt das beschriebene Wappen bereits alsdasjenige des 1342 verstorbenen Bischofs Hanno vonLavant im grossentheils gleichzeitigen Nekrologium derWiener Minoriten') vor.

Zu den älteren. bereits in der Züricher Wappen-rolle vorkommenden Bisthumswappen gehört dasjenigevon Seckau; dieses Stift, welches erst im J. 1219 vondem Erzbischof Eberhard von Salzburg errichtet wurde,führt in Roth einen weissbekleideten Arm, dessen Fingerin der Züricher Rolle zeigend gestellt sind Da dieReliquiarien der katholischen Kirche häufig wie solcheArme gebildet sind, so mag in dem Arme eine An-spielung auf den Stiftsheiligen oder eine besonders ver-ehrte Reliquie der Seckauer Kathedrale enthalten sein.Es ist gewissermassen der Finger des Heiligen, der dieKirchenvasallen auf den Weg zur Verteidigung derKirche hinweist.

Das Wappen des Bisthums Paderborn, welches dieZüricher Ro'le noch nicht kennt: ein goldenes Kreuzin Roth, dürfte seinen Ursprung einem Grafen vonSchwalenberg verdanken. Aus diesem üeschlechte,welches zu dem Bisthum in alten Beziehungen stand— die Grafen von Schwalenberg waren Domvögte vonPaderborn — war Günther, allerdings nur von 1307bis 1310 Bischof von Paderborn, Die Anlage des Bis-thumswappens als Widerwappen weist bedeutsam aufden Neu-Schwalenberger Schild (goldener Stern in Roth).(Vergl. S. 234.)

11. Capitel.

Sjiecielle Nachweise über die Bildungder Iiandegwajpiien.

Die Radicirung der Familienwappen giebt sich baldnach Beginn des 14. Jahrhunderts in zwei Erscheinungenkund. Einmal trat, wenn eine Familie über mehr alsein Wappen verfügte, eine Deputirung der Wappen,die Zuweisung derselben zu einem Theile des Besitzes ein.

Andererseits wurde beim Anfalle einer Herrschaft,auch dann, wenn sich für dieselbe unter den früherenBesitz-Verhältnissen ein Wappen nicht hatte bildenkönnen, nach einem Wappen für dieselbe gesucht.

Die alten Pfalzgrafen von Sachsen ^ Sommerschen-burg) sind ausgestorben, gerade in der Zeit, welche dieGrenze bildet zwischen den persönlichen und den erb-lichen Wappen. Der Pfalzgraf Albert von Sachsen hängtan eine Urkunde vom J. 11G4 ein Reitersiegel s ), dessennormannischer Schild ganz glatt ist.

Die sächsische Pfalzgrafschaft ging nach dem Er-löschen des vorigen Dynastie 1180 auf die Landgrafenvon Thüringen über, die stets den Titel von der Pfalzführen z.B. der letzte Landgraf Heinrich im Jahre 1236:Heinrieus dei gracia Thuringie langravius Saxonie comespalatinus. Als derselbe im J. 1247 seinen Stamm be-schloss, ging Thüringen mit der Pfalz Sachsen aufdie Markgrafen von Meissen über. Albrecht der Ent-artete führt z. B. im J. 1306 den Titel Thuringie Lan-gravius et Saxonie Comes Palatinus.

Das Bedürfniss eines besonderen Wappens für diePfalz Sachsen war bis jetzt nicht hervorgetreten. Auch

4) Jahrbuch I des Adler S. 82.

5) Scheidt, Mantissa documentorum Tafel zu S. 568.