Geschichte der Heraldik. II. 5.
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Dar nach der biderbe tuomvogt reit:ich sage iu wie er was gekleit.es fuort der ere gernde manvon Scharlach eine kappen an.dar ob so fuort er einen huot,der was von pfäns vedem guotgemachet deswär meisterlich:er was von berln koste rieh.
Sin roc von einem pfelle was,des varw was gruen alsain ein grasir sult für war gelouben mir,da was von golde üff manie tiergemachet, daz vil liehte schein
Des Domvogtes Rüstung wird später wie folgt be-schrieben :
Gezimirt was der biderbe man
als ich iu wol gesagen kan.
ein rüsch von pfansvedern guot
fuort üf dem heim der höehgemuot,
den aller hande untugende vlöch.
diu rüsch was wol eilen hoch
gebunden üf den heim sin
mit einer risen guot sidin..
Der biderbe leit umbe ere not.
von einem samit, der was rot
was sin wäpenroc gesniten.
dar an was howen niht vermiten.
ein isen als ein eichin blat
der höfsch da mit in howen bat:
da mit wart er gehouwen gar.
sin decke was alsam gevar.
Er warp vast umbe der minnen solt.
der schilt was niderthalben golt,
daz ober teil was pelzvech gar.Wir ersehen hieraus, dass um jene Zeit das Wap-penwesen der geistlichen Fürstenstaaten noch schlechtgeordnet war. Lediglich die weiss und roth senkrechtgetheilte Fahne erinnert an das Bisthum Regensburg.Das Gefolge des Domvogtes führt dagegen als Uniform-Schild denjenigen ihres Anführers und die Helme derEinschildritter sind, wie wir aus anderen Anführungendes Dichters wissen, mit „sonderlichen" Kleinoden ge-schmückt.
Und in der That konnte es auch in jener Zeitnicht anders sein. Die erste Hälfte des 13. Jahrhundertkannte nur das Familienwappen, das von dem Vaterauf dem Sohn vererbte, und von wirklichen Combattan-ten geführt wurde.
Dieser Zustand begann jedoch gegen die Mitte des13. Jahrhunderts allgemach sein Ende zu erreichen.Die geistlichen Fürsten fingen an, eigene Wappen zuhilden, mit denen sie die Ritter, die unter dem Gefolgeihrer Fahnen ritten, bewaffnen konnten.
Noch ein anderer Umstand dürfte zu dieser Neuer-ung einen dringenden Anlass geboten haben: der Si,e-gelbrauch der Städte. Seit den letzten zwanzigJahren war es zur Gewohnheit geworden, dass- dieStädte ein Siegel führten, welches nach der klarenKorm des Schwäbischen Landrechtes von dem Landes-herrn bestätigt werden musste. Die meisten oder dochsehr viele Städte führten in ihrem Siegel das Wappendes Landesherren. Wo aber solches nicht vorhandenWar, wird man eine gewisse Nöthigung empfunden ha-ben, zur Bildung eines Wappens zu schreiten.
Die Züricher Wappenrolle (2. Drittel des 14. Jahr-hunderts) enthält die Wappen von 27 geistliche Für-stenstaaten, die sich von den Wappen der weltlichenHerren dadurch in auffälliger Weise unterscheiden, dassSie nicht als Schildzeichen sondern als F ahnenbildergegeben sind, vermutlich desshalb, weil sie der Samm-ler der Wappenrolle in dieser Form kennen gelernt
hatte, — weil es den geistlichen Fürsten nicht zukam,einen Schild zu tragen.
Von diesen Wappeu weisen mehrere durch ihreBeschaffenheit auf die Mitte des 13. Jahrhunderts, alsdie Zeit ihres Ursprunges hin.
Die Bischöfe von Bamberg führten in ihrer Fahneden hohenstaufischen schwarzen Löwen iu Gold mit demBeizeichen eines .Schrägfadens, der über den Löwenhinwegging, — vielleicht eines der ältesten Bisthums-Wappen, die wir in Deutschland haben.
Es konnte dieses Wappen um so mehr nur mitBewilligung des Kaisers angenommen werden, als auchein benachbarter weltlicher Herr, der Burggraf vonNürnberg, den hohenstaufischen Löwen im Schilde führte.Die Aunahme hat etwas für sich, dass für diesen erstdie bambergische Concurrenz die zwingende Veran-lassung geworden ist, seinen Schild mit dem roth-weissgestückten Rande als Beizeichen zu versehen. Wenndem so wäre, so würden wir mit dem ersten Vorkom-men des burggräflicheu Wappens auch das ungefähreDatum für die Entstehung des Bamberger Histhums-Wappens erhalten. Nun kommt dieses burggräflicheWappen gerade in dem Jahre 1235. dem ich schonoben 1 ) eine grosse Bedeutung für das Wappenwesenzugemessen habe, zum ersten Male vor!
Anderseits erwuchs durch die Concurrenz der Burg-grafen für den Bischof von Bamberg die Notwendigkeitauch seinerseits den Löwen mit einem Beizeichen, dashier in der Form eines Schrägfadens gewählt wurde.zu versehen.
In der fraglichen Zeit war Ecbert aus dem Stammeder Herzöge von Meran Bischof zu Bamberg. Dieser,stand im ,T. 1208 im Verdacht, an der schändlichen Thatdes Pfalzgrafen Otto von Witteisbach, dem meuchleri-schen Morde des Königs Philipp theilgenommen zu ha-ben. Er floh vor dem Racheschwerte des Königs Otto,dem die That zu Gute gekommen war. Erst K. Fried-rich IL rief Ecbert 1214 auf den Stuhl zu Bambergzurück, der sich später des kaiserlichen Vertrauenswürdig zeigte, und 1237 als Statthalter des Kaisers zuWien verstarb.
Zum ersten Mal. wird der eine hohenstaufische Wap-penlöwe gegen den andern gehetzt worden sein, alszwischen dem Burggrafen Friedrich und dem Bischofvon Bamberg Streitigkeiten wegen TheiLung der Me-ranischen Erbschaft entstanden *) —
Die Erzbischöfe von Salzburg führten in ihrer Fahneeine aus Hohenstaufen und Oesterreich combinirtesWappen: gespalten gold, roth, vorn ein schwarzer Löwe,hinten ein silberner Balken.
Schöpfer dieses Wappens dürfte der durch seine Reichs-treue bekannte Erzbischof Eberhard IL sein, welchervon 1198 bis 1246 auf dem erzbischöflichen Stuhle sassund lieber selbst den Bann auf sich nahm, anstatt dempäpstlichen Befehle gemäss den Herzog Friedrich vonOesterreich zu exeommuniciren. —
Das Wappen des Bisthums Passau ist ein rotherWolf in Silber. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts(1232—1250) war Rüdiger von Randeck Bischof inPassau, dessen Familie einen rothen Wolfskopf (späterals Löwenkopf gezeichnet) im silbernen Schilde (Z. W.B. Nr. 393) führt. Dies deutet meines Erachtens auf
1) Siehe S. 242. Man vergleiche im Uebrigen dieAusführungen S 264 ff.
2) Zwischen Juni und October 1249 wurden Eber-hardus de Sluzelberch, Hermannus comes de Hennen-berch, Wolframus de Zabelstein vom Bischof Heinrichzu Vertheidigern des Stifts gegen den BurggrafenFriedrich von Bamberg gewonnen.