Geschichte der Heraldik. II. 5.
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Albrecht der fürst reich
Auf ain reiches tuch gel
Manigen swarczen Adaler
Hies wurchen nach seiner pet
Dieselben er het
Wappenrokh und degkh
Von Nazzaw der kekch
Des wappenklayt man markht
Geweben und gewarcht
In derselben varb und gestalt
Und wie die helde pald
Warn geczymiert
Wil ich das lassen peleiben hie.Nun ist es auch sofort vergessen, dass der Reichs-adler ein verhältnissmässig neue Schöpfung ist.
Albrecht v. Scharffenberg giebt im Jüngeren Titureldem Kaiser Lucius von Rom folgendes Wappen:5644 Den adelar den gantzen mit keiserlicher kröne
Von golde schilt den glantzen der sol in um-bezirkelt habe schone
In raben varwe sieht man in nu dringen.Im Balduineum sehen wir die Fahne des KaisersHeinrich VII. (als König der VIII ) sehr häufig abge-bildet, vor und nach der Kaiserkrönung. Sie ent-hält überall nur den einfachen schwarzenAdler in Gold. Der einzige Unterschied, welchender Maler machte, besteht darin, dass Heinrich alsRömischer König die einfache Laubkrone, alsKaiser«ine Bügelkrone trägt M
Zu den Zeiten Kaiser Ludwigs des Bayern gegen1330 sehen wir plötzlich wieder den Doppeladler auf-tauchen. Ob hier eine Ueberlieferung in Bezug aufdas Kaiserwappen Friedrich II. nachwirkt, oder ob derDoppeladler gewissermassen zum zweiten Male erfundenworden ist, bleibe dahin gestellt.
Im J. 1328 siegelte die Reichsstadt Friedberg nochmit dem einfachen Aar. An einer Urkunde vom J.1334, durch welche die Streitigkeiten zwischen Stadtund Burg Friedberg geschlichtet werden, hängt einSiegel mit der Umschrift: „t Sigillum * Civitatis * In* Frideberg." Dasselbe zeigt im Siegelfelde einen Dop-peladler. — Auch die Burg Friedberg führte einen Ad-ler (einfach) im Siegel. 2j
An einer Urkunde von 1335 hängt das Siegel desim Jahre vorher von Kaiser Ludwig IV. erneuertenRheinischen Landfriedens, mit der Umschrift: f SigillumPaais Generalis Ad Causas. Dasselbe enthält den Doppel-adler, dessen Brust mit dem Erbach'schen Wappen-schilde belegt ist. Bei der Erneuerung (30. November1334) war nämlich Ritter Conrad Schenk von Erbach,als Obmann des Landfriedens bestellt worden. 3 )
r In der meklenburgischen Reim-Chronik von Ernst?• Kirchberg vom J. 1378, einer Pergamenthandschriftin Grossfolio im Staatsarchiv zu Schwerin, führen dieKaiser alle einen schwarzen Doppela-dler auf ihren gol-denen Bannern; nur König Heinrich, welcher „die Harz-°urg bauete" führt einen einfachen Adler in seinemBanner." *i
1) Auf dem die Schlacht bei Mailand am 12. Ja-nuar 1311 darstellenden Bilde erscheint ein Ritter ohneHeinikrone, welcher auf dem Schilde, dem Waffenrocke,<>er Pferdedecke und in der Fahne je zwei schwarzeAdler (in Gelb) übereinander führt Diess ist jedochnicht — wie bisher vielfach angenommen wurde — derKönig, sondern der bekannte Graf Wernher von Hom-oerg. (Vergl. Irmer S. 45).
2) Dr. h. ,J. Körner-Büchner, der deutsche Adler.8 48.
3) Römer-Büchner, der deutsche Adler. S. 50.
4) Fürst Hohenlohe, im Anzeiger f. K. d. d. Vorz.1865 S. 236.
Das (S. 186 befindliche) Citat aus Rothe's Ritter-spiegel lehrt uns übrigens, dass seit den Zeiten desKönigs Wenzel schon der Doppeladler als Wappen desKaisers, der einfache Adler als Wappen des Königsgegolten hat.
Ein zweites wappenmässiges, dem deutschen Reicheangehörendes Bild — zunächst Fahnenbild — ist dasKreuz des heil. Ritters Georg, weiss in Roth. DiesesBild der Reichsfahne erwähnt schon Wolfram vonEschenbach im Willehalm (1215):
mit rechte sol des riches vandas kriuce tragen. 8 ,)Bei der Beschreibung der zwischen den Gegenköni-gen Adolf und Albrecht entscheidenden Schlacht erzähltOttokar Horneck (f um 1320):
Nu prüft, was da geschach.In ainer vart man sachYetweders sturmvan schein,Kunig Albrecht het den seinGeprueft pegarbDas veld in rotter varbDa inn was enmittenAin weiss chrewcz gesniten:Weder me noch minHeten die gegen inIr sturmvanen prayt.Also dieselbe Sturmfahne hatte auch das Heer desKönigs Adolf.
In einer gleichzeitigen Augsbnrger Chronik findetsich eine Beschreibung von dem Leichenbegängnisse desKaisers Karl IV., in welcher gesagt wird:
„Darnach fürt man den fan des haiigen richs, 6 ) ainwizz crutz mit ainem langen zagel in ainem rotten velduff ainem verdackten ros."
Die Glosse des Sächsischen Lehnrechtes aus dem14. Jahrhundert vereinigt das Kreuz mit dem Adler zueinem Gesammtbild:
„Tom anderen het dat ryke eine bannir. Darinne steit ein (eddel) arn, an deme steit ein crüce vordy borst vnd beteikent, dat he vor alle cristen scalvuren dat crüce tu beteringe aller lüde vnd sal stettikebereit sin tu stridene als stervende vor dy hilghe Chri-stenheit, wen he ein schilt is des hilgen christen-domes . . ."
10. Canitel.
Die Wannen der geistlichen Fürsten-Staaten.
Die geistlichen Fürsten Deutschlands waren alssolche unfähig, die Waffen des weltlichen Ritterthums
5) Vergl. S. 163 u 283.
6) In einem Liede Hans Wiks (nach LiliencronIII, 162 im J. 1515 gedichtet) heisst es:
9 Schweiz das thun ich loben,
ei sie thund den ehren gleich
wo sie ziehend in das fehle,
so führend sie das heilig reich;
sie zugen dran mit fryem mut,
ihr bildnng in dem paner stat,
alt eidgnössisch in guter hut.Liliencron giebt dazu folgendes Citat:„darzu die von Switz vor alten ziten thatent eingross liilff einem römischen keiser gen Eligurt undan ander ende und warent da als mannlich, dassihnen der keiser gab an ihr rothen panner das hei-1 i g r i c h e, das ist alle wappen der marter unsersherrn Jesu Christi."