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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 5.

mussten die Siegel der Städte von dem Landesherrnbestätigt werden.

Deshalb führt das Siegel der Stadt Schweinfurt,vorkommend an Urkunden des J. 1325, 1330 und 1364die Umschrift: S . Bvrgensivm . De . Sioeinfort . Qd .Hahent . De . Gra . Regis.

No. 376.

Eines der ältesten hierher gehörigen Siegel ist das-jenige der Stadt Memmingen vom J. 1230 mit der Um-schrift: f Sigillvm . Civivm . In . Maemigin ; es enthält

No. 377.

ein Kreuz, daneben die linke Hälfte eines nach rechtsblickenden Adlers (mit ganzem Kopf).

Das Bild dieses jedenfalls unter der Re-gierung des Königs Heinrich (Sohn Friedrich II.)festgesetzten Siegels entspricht in allem Wesent-

lichen genau dem oben unter No. 371 mitgetheiltenWappen desselben.

Die Stadt Wien, welche K. Friedrich II. nach derEroberung Oesterreichs und der Vertreibung des Her-zogs Friedrich des Streitbaren 1237 zur Reichsstadterhoben hatte, führt, in ihrem 1239 vorkommenden run-den Siegel einen Adler, als dessen Farben golden inSchwarz überliefert sind. 1 )

Der Schultheiss (Richter) von Nürnberg führte inseinem Amtssiegel einen Adler Das erste Siegel dieserArt hängt an einer Urkunde von 1246. Umschrift:t Sigillvm . Sculteti . De . Nvrinberc,' 1 )

Die Reichsstadt Ueherlingen führt in ihrem rundenSiegel von 1251 einen Schild mit dem einfachen unge-krönten Adler.

Das Siegel der Stadt Nördlingen vom J. 1256 (mitnur theihveise erhaltener Umschrift) zeigt im Siegel-felde einen gekrönten Adler. —

Der Gebrauch des Kaiseradlers durch die Reichs-städte musste in dem Volke die Meinung erzeugen, dassder Kaiseradler der Hohenstaufen, der schwarze Adlerin Gold, das Reichswappen sei.

Die von Mund zu Mund gehende Sage des Volksist ein eigenthümlicher Factor der Wappenbildung, des-sen Wirken bis jetzt noch wenig Beachtung gefun-den hat. Aus embryonischen Keimen lässt sie greifbareGebilde entstehen, die, weil man ihren Ursprung nichtverfolgen kann, auch sofort, mit der ewigen Vergess-lichkeit des Volkes, als etwas längst Vorhandenes be-trachtet werden.

Diese Sage oder Meinung des Volkes ist es nun,welche den hohenstaufischen Kaiser-Adler zum Reichs-wappen erhoben hat. Die Gelehrten wissen nichtsSicheres davon, — Conrad von Mure sagt mit einermerkwürdigen Unbestimmtheit:

Rex romanorum, si quid veri mea prefertVox, aquilam nigro forme croceo clipeo fert.Entschieden war die Sache, als König Rudolf derHabsburger in Uebereinstimmung mit der Meinung desVolkes den einfachen schwarzen Adler in Gold in seinenSchild nahm.

Conrad von Würzburg verherrlicht in dem oben(S. 233) mitgetheilten sinnvollen Wappengedichte denSieg des Königs Rudolf von Habsburg über KönigOttokar von Böhmen vom J. 1278.

Auch ein beschreibendes Lied existirte von dieserSchlacht, leider haben wir nur noch ein Bruchstück da-von, in welchem das Wappen Rudolfs beschrieben wird :up golt von zahel ein adelarwas geslain und gelaitvanme riebe hie dese waipen draitvan arde hie ander waipen hait.In dem Rittergedichte Konrads von WürzburgPartonopier und Meliur kommt auch „der keiser" imWappenschmuck vor:

mit golde wären siniu kleitgezieret und beschönetder adelar gekroenetmit swarzer siden was dar ingeweben, und gab liehten schin.Ottokar Horneck ff um 1320) beschreibt, wie diebeiden Gegenkönige Albrecht und Adolf geschmücktwaren:

Nu warn auch die wappenklaytYedweders kunigs geleich

1) Lind, das Wappen der Stadt Wien S. 7.

2) Stromers Geschichte des Reichschultheissenamteszu Nürnberg. S. 63.