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Geschichte der Heraldik. II. 5
später sogenannten Wappen Alt-Oesterreich, dem wirübrigens auf dem Majestätssiegel des Herzogs Rudolf IV.vom J. 1359 zuerst begegnen.
Auf einem Glasgemälde zu St. Erhard in der Brei-tenau in derSteiennark, mit dem Bilde des Herzogs Alber-tus III. von Oesterreich mit dem Zopfe, Budolfs IVBruder und Erbe (1365 —1395) und seiner beiden Frauen:
No. 369.
Elisabeth (verm. 1366) Tochter K. Carl IV. und Beatrix,Burggräfin von Nürnberg (verm. 1375) i) — sehen wirdie Helmzier dieses neuen Wappens, welches vollkommendie Bezeichnung eines Lieblings wappens verdient.
Herzog Ernst der Eiserne von Oesterreich (geb.1377 f 1424) Bruderssohn der Obengenannten führt aufeinem aus der Gottsleichnams - Capelle der Burg zuWiener - Neustadt stammenden Glasgemälde auf demHelm den wachsenden Adler, den Waffenrock mitAdlern bestreut. 2)
In den Siegeln der genannten Herzoge kommt be-achtenswerther Weise der altoesterreichische Schild,wenn überhaupt, nur an untergeordneter Stelle, derHelmschmuck jedoch gar nicht vor.
Erst Albert VI., Sohn Ernsts des Eisernen, führtin seinem Reitersiegel von 1440 im Schild (Tartsche)und auf dem Helm Altösterreich, auf dem Kopfe desPferdes die Krone mit Pfauenspiegel, auf der Stirne
des Pferdes den Balkenschild, die übrigen Schilde' aufder Pferdedecke.
Damals galt dieses Wappen bereits als das alt-östereichische. Hugo v. Ehrenberg beschreibt esals Wappen des im .1. 1141 gestorbenen Herzogs Leo-pold des Freigebigen:
81 Der ander ist verwoppent rain
Des schilt der ferbt sich geleich dem stain
Sein lasur ist himels far
Möcht ich dem bleseuirieren gar
Wie im sein schilt ist durch strewet
Von havptfach brüst sich lewet
Funff adler schein dor uss von gold
Ich lob den edlen fursten leupold
Der mittelst hertzog avs Österreich.
7. C a p i t e 1.
Die Vererhiiiigdes Wappen*Iniweiblicher
Linie als Vorbereitung zur Bildung der
Landesnappen.
Die in den vorigen Capiteln beobachtete Veränder-lichkeit der Wappen hat uns gezeigt, dass sich dasWappenwesen des 13. Jahrhunderts noch in einem sehrdünnflüssigen Zustande befand. Wir wollen nunmehreine Erscheinung hervorheben, die, bald nach der Con-stituirung der Wappen-Erblichkeit auftretend, geeignetwar, der herrschenden Willkür Schranken zu setzen,den Bestand der Wappen in der einmal angenommenenForm zu festigen.
Es ist die Beziehung des erblich gewordenen Wap-pens zu Land und Lehen.
Ein erstes Anzeichen dieser Entwickelung ist dieVererbung der Wappen in weiblicher Linie, die zwarsehr häufig aus blosser Laune oder weil man auf dieVorfahren der mütterlichen Seite stolz war, oder weil esdas nächstliegende Motiv bei der Wahl eines neuenWappens war, erfolgte, die aber doch in der Regelan einen eiheiratheten Besitz gebunden ist.
Damit in dem Gang unserer Untersuchung später-hin keine Störung eintrete, wollen wir die Ausnahmenvorweg nehmen.
Einige Fälle dieser Art haben wir schon oben beider Betrachtung der Wappen-Vererbung im weifischenFürsteuhause, erörtert (Vergl. S. 276).
Der Sohn des Kaisers Friedrich IL aus seiner Ehemit Isabella von England, Heinrich, (geb. 1238 11254)führte nach Matthäus Parisiensis ') einen gespaltenenSchild, vorn in Roth drei goldene Leoparden, hinten inGold einen doppelköpfigen schwarzen Adler, beide Bildermonogrammatisch vereinigt. *) —
Der Edle Gerhard von Querfurt führt in seinem SiegelIV. C. von 1278, 1298 mit der Umschrift: S. Gerhardt.De Qverenvorde einen gespaltenen Schild, vorn die Quer-furt'sche Balkentheilung, hinten einen Salm, „entnommenoffenbar dem Wappenschilde der Grafen v. Wernigerode,woraus die Vermuthung erwächst, dass des Edlen Ger-hard Mutter diesem Geschlechte angehört haben wird." 6 )
1) Anzeiger für K. d d. V. 1886 S. 177.
2) Mitth. d k. k. Centralcommission XVIII. S. 126.
3) Er sagt s. a. 1254.: Mense Maii obiit s p e s A n-glorüm et gloria, adolescens mirae speciei etdeside-riorum, Henricus, filius imperatoris Fretherici.
4) Der Herausgeber Sir Frederic Madden beschreibtIII, 336 die in der Chronik des Matthäus befindlicheWappenmalerei, wie folgt: „gules, 3 leopards (or lions)or, impaling, or, a doubleheaded eagle displayed sable,both dimidiated. Beneath is written: Scutum Henrici,filii imperatoris.
5) v. Ledebur, Adelsarchiv II, 25.