Geschichte der Heraldik. II. 5.
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No. 360.
Das Wappen des Grossvaters mütterlicher Seitskommt häufig als genealogischer Zusatz zum Siegelbildoder als sphragistisches Beizeichen war, es ist indessin den meisten Fällen zu ersehen, dass damit ein An-spruch auf thatsächliche Führung dieses Wappen nichterhoben werden wollte.
Als König Erich Glipping von Dänemark am 22.Novbr. 128ii ermordet worden war und sein, mit AgnesTon Brandenburg erzeugter Sohn Erich Menved zurRegierung gelangte, wurden zunächst die Siegelstempeldes verstorbenen Königs weiter benutzt, nachdem siemit Beizeichen versehen worden waren. In die vor-dere Seite mit dem Bilde des Königs wurden zweiKronen, in die Bückseite mit dem Schilde zweiAdler in das Siegelfeld nachgraviert. Das letztere istohne Zweifel geschehen, um den jetzigen Inhaberals den Sohn der Agnes von Brandenburg zubezeichnen. —
Graf Sigfrid von Mansfeld, Sohn des Grafen Bussev ; M. und Gräfin Oda von Wernigerode '■) führt in seinemSiegel vom J. 1346 mit der Umschrift: t Siyillum.Sifridi. Comitis. De. Manesvcl den Querfurter Helm,daneben rechts und links im Siegelfelde je ein abge-wendeter Salm, aus dem Wappen der Grafen von
Wernigerode. —
Wir treten nunmehr in die Erörterung derjenigenFälle ein, welche der Eegel entsprechen, dass die Ver-erbung des Wappens in weiblicher Linie an die Vererb-ung des Besitzes gebunden ist.
Nach dem Erlöschen der alten Grafen von Aregegen Ende des 12. Jahrhunderts theilten sich dienächsten Agnaten, Graf Dietrich der jüngere von Hoch-staden und Graf Ulrich von Nurburg (ersterer ein Bru-derssohn des letzteren) in die hinterlassenen Besitzungen,Jedoch blieb die Stammburg Are im gemeinschaftlichenBesitze. Der von den Erben geschlossene Burgfriedenwurde von ihren Söhnen, Lothar Grafen von HochstadenUnd Gerhard Grafen von Nurburg 1202 in eine schrift-liche Urkunde gebracht.
Von diesen führte Graf Lothar in seinem Siegelan einer Urkunde des J. 1228 mit der Umschrift:T Sigilium (comitis) Lvtheri de Are im 8iegelfelde einenAdler.
Von den Söhnen des Grafen Gerhard wird Otto in«iner Urkunde von 1231 de Nuenare genannt; in seinem
gleichzeitigen Reitersiegel führt er ebenfalls einenAdler, selbstverständlich hier im Schilde.
Des Letzteren Bruder Johann nennt sich einenHerrn von Nurburg. In seinem an einer Urkunde von1254 hängenden runden Siegel führt er im mit Schin-deln bestreuten Schilde einen Löwen. 2 ) —
Graf Egino der Bärtige von Urach vermählte sichmit einer Erbtochter aus dem herzoglich zähringischenHause, Agnes, deren Bruder Berthold V. 1218 kinderlosstarb, und dem Grafen Egino die alemanischen Gebiets-theile hinterliess.
Diese Erwerbungen fielen dem Erstgeborenen desgenannten Ehepaares, dem Grafen Egino V. zu, dersich z. B. 1220 „Egino, comes de Urach, dominus castride Friburc" nannte.
Die jüngeren Söhne Egino's des Bärtigen nanntensich nur Grafen von Urach und führten bis zu ihremEintritt in das Klosterleben das Wappen des UracherStammes, wie das Siegel des Grafen Kudolf 3 ) an einerUrkunde des Jahres 1228, sowie das nachfolgende desGrafen Berthold an einer Urkunde des Jahres 1262zeigt:
No. 361.
Dagegen führt die Nachkommenschaft des ältestenSohnes Egino V. ein verändertes Wappen, nämlichden Adlerschild von Zähringen (den HerzogBerthold von Zähringen 1187 nachweislich führte) der
1) Gütige Mittheilung des Herrn Archivrathes Dr.Jacobs in Wernigerode.
2) Günther, codex diplom. Bheno-Mosellanus Bd II.S. 5. Taf. 5 und 6.
3) Vergl. S. 78. No. 21