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Geschichte der Heraldik. II. 5.
Schlosses Botenlauben die früher citirte Aussage derDichter gilt, — es war:
gequadert und gevieretalsam ein schächzabelspil.
Ludw. Beckstein^) beschreibt die Trümmer derBurg Botenlanben (bei Kissingen) wie folgt:
„Die Quardersteine sind alle von gleicher Grösseund so kunstvoll eingefügt, dass immer einer glatt, derandere rauh und in der Mitte etwas erhaben erscheint,welches an die Schachfeld er des bürg gräflichWürzburgischen Wappens erinnert."
Also selbst dieser Schriftsteller, welchem die Be-deutung der Schachirung im Wappenwesen gänzlichunbekannt war, wird durch den Bau des SchlossesBotenlauben unwillkürlich an das obige Wappen 1 ) er-innert !
Da L o u b e die Bezeichnung eines Bauwerks ist,so ist das Wappen sogar für Botenlauben redend
Es scheint allerdings, dass dein Grafen Poppo dasWappen wegen seiner besonderen Beziehung auf Boten-lauben mit der Zeit unleidlich wurde. Er bildete sichein ganz neues, für Henneberg redendes Wappen,wobei ihm die Neuerung des heraldischen Bildes fürdas Wort Berg trefflich zu statten kam. Dieses Wap-pen : eine Henne auf einem Dreiberg, kommt zuerst imSiegel des Grafen Poppo vom J. 1237 vor. Wahrschein-lich hat der Umstand, dass die Herrschaft Botenlaubenim J. 1234 durch Verkauf seitens des Grafen Otto demGrafenhause entfremdet wurde, die Wappenänderungveranlasst. Es liegt hier also ein ähnlicher Beweggrundvor, wie derjenige, welcher den Burggrafen Friedrich III.von Nürnberg zu einem Wappenwechsel veranlasste.
Die im J. 1229 mit dem Fürsten Johann I. vonMeklenburg vermählte Gräfin Luitgard von Henneberg,Tochter des Grafen Poppo VII., führt in ihrem Siegel(Vergl. unten No. 885) vom J. 1257 als Wappen desVaters den getheilten Schild mit dem wachsenden Doppel-adler und der Schachirung. Es hat also die Änderungjedenfalls nach 1229 stattgefunden.—
Siegel IV. A. 2 des Albert von Grumbach an einerUrkunde des J. 1232. Umschrift: „f Sigillvm. Alberti.De. (?r(unbac)A". 3 ) In der Urkunde nennt er sich von
No. 349.
1) Geschichte «. Gedichte des Minensängers Ottovon Botenlauben, Leipzig 1845. 4. S. 60.
2) Welches mit Unrecht als Wappen des Burg-grafthums Würzburg bezeichnet wird.
3) Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1863.S. 203. — Das Glicht verdanke ich der Direction desGerm. Museums.
Rotenfels. Nach Rein benutzte diesen Stempel schon1219 Heinrich v. Grumbach.
Das ererbte Wappen war ein Adler, der in demobigen Siegel einem redenden Wappen gewichen ist.—
Das Dynasten-Geschlecht der von Lobdeburg mitden Linien von Arnshaugk, von Leuchtenberg, von Ber-gau (Bergowe) und von Elsterberg verfügt über einHeroldsbild — Schrägbalken — und zwei Wappenthie-re: ein Pfau und ein geflügelter Fisch. W. Rein 1 )schreibt:
„Das gemeinsame Schild war mit einem rechtenSchrägbalken belegt, der Helmschmuck bestand in einemreichem Pfauenschweif (richtiger: in einem wachsendenPfau) 8 ); so z.B. siegelt Hermann von Lobdeburg1290, der als Beizeichen nach rechts ein A und linksein Sl führt, Burchhard von Elsterberg 1300, Johannvon Lobdeburg 1331, dessen Siegel einen Helm zwischen2 ganz gleichen Schilden (mit Schrägbalken) sehenlässt."
„Andere Mitglieder dieses angesehenen Hauseshaben aber einen krumm gebogenen geflügelten Fischim Schild, so Hartmann de Beregowe 1287, 1302 undHans von Bergau 1434, Otto junior de Lobdeburgschmückt auch den Helm mit demselben Zeichen."
An einer Urkunde von 1297") ausgestellt von Ottoet Hermannus de Lobdeburg dicti de Bergowe, seniores,Hartmannus et Otto fratres de Lobdeburc dicti deBergowe juniores, hängen drei Siegel. Hartmann derÄltere führt das nachfolgende Siegel IV. C. 7 )
No. 350.
Ebenfalls ein Siegel IV C, jedoch von geringeremDurchmesser, führt Otto der Jüngere, welches jeden-falls der oben von Rein ohne Jahreszahl erwähnte Herrist. Hartmann der jüngere siegelt mit einem schild-fömigen Siegel. Nach der Behauptung des Chi. G.
4) Im Correspondenzbl. d. Gesammtvereins 1865.S. 48.
5) Vergl. S. 260.
6) Im Besitz des Herrn Rechnungsr. Warneske.
7) Zeichnung von Herrn Eugen Freih. v. Löffel"holz-Colberg in Ansbach.